Harburg
Neu Wulmstorf

Neue Perspektiven für Neu Wulmstorfs Bäder

Das Neu Wulmstorfer Freibad liegt in idyllischer Lage an der Fischbeker Heide – derzeit im tiefen Winterschlaf.

Das Neu Wulmstorfer Freibad liegt in idyllischer Lage an der Fischbeker Heide – derzeit im tiefen Winterschlaf.

Foto: Axel Tiedemann / HA

Sparvorschlag Freibad-Schließung erstmal vom Tisch? SPD-Antrag für eine neues Bäder-Konzept. Wählergemeinschaft will neues Kombibad.

Neu Wulmstorf.  Weil sowohl für das Hallen- wie für das Freibad im Ort millionenteure Sanierungen notwendig sind, der Haushalt 2019 aber immer noch ein großes Defizit aufweist, hatte die Neu Wulmstorfer Gemeindeverwaltung vor einigen Tagen einen rigiden Sparvorschlag eingebracht: Das Freibad vom kommenden Jahr an zu schließen und stattdessen dann ein saniertes Hallenbad ganzjährig zu betreiben. Das, so hieß es, würde nicht nur bei den Investitionen, sondern auch bei den laufenden Betriebskosten erhebliches Geld einsparen.

In einer ersten Reaktion gaben sich Ratspolitiker angesichts der desolaten Haushaltslage eher kleinlaut. Inzwischen aber wird die mögliche Schließung des Freibades im Ort heftig diskutiert und die größte Fraktion im Rat, die SPD, reagiert nun mit einem Antrag dazu und fordert ein komplett neues Zukunftskonzept für die beiden Bäder. Tenor: Die Gemeinde solle sich mindestens dieses Jahr noch einmal Zeit nehmen und einen Arbeitskreis mit vielen Beteiligten wie den Vereinen bilden, um eine Lösung zu finden. „Ich möchte keine Schließungs-Diskussion, sondern das Bäder-Angebot weiterentwickeln“, sagt SPD-Fraktionschef Tobias Handtke. Mit anderen Worten: Sollte es eine Mehrheit für diesen Antrag geben, wäre eine Schließung vom Tisch, vorerst jedenfalls. Aber auch die Sanierung der Bäder müsste zunächst verschoben werden.

Basis für die neue Diskussion soll laut dem SPD-Antrag die von Gutachtern 2017 erstellte Studie zu den Neu Wulmstorfer Bädern sein. Die Gutachter hatten die Kosten für verschiedene Szenarien aufgezeigt: Unter anderem eine Sanierung beider Bäder, den Betrieb nur des Hallenbades oder auch den kompletten Neubau eines Kombibades. Ihr Fazit: Bei einem Neubau würden die Investitionskosten zwar höher sein, die Anlage wäre jedoch auf neuestem Stand mit einem attraktiven Ganzjahresangebot und zusätzlichen Einnahmemöglichkeiten wie Sauna, Gastronomie oder Shops – was zu einer deutlich besseren Kostendeckung führen würde.

Was nun aber am Ende der Diskussion herauskommt, will SPD-Politiker Handtke offen lassen: „Wir müssen ergebnisoffen sein, es darf keine Denkverbote geben“, so Handtke. Prämisse müsse allerdings sein, dass jedes Kind Schwimmen lernen kann im Ort. Aber, so sagt der SPD-Politiker, das Freizeitverhalten habe sich auch geändert, vielleicht müsse es neue Konzepte geben. Vorstellbar sei auch, dass eventuell ein Investor mit einsteigen könnte. Für die SPD sei aber klar, dass ein Bäder-Angebot eine gesellschaftliche Aufgabe sei, die nicht durch Kostendeckung allein zu gewährleisten sei.

Auf eine gemeinsame Lösung für ein großes, neues Kombibad mit Hamburg setzt Handtke indes offensichtlich nicht mehr, jedenfalls nicht ausschließlich, zumal dort die Entscheidungswege zwischen Bezirk und Fachbehörden ganz offensichtlich sehr lang sind, wie sich zuletzt herausgestellt hatte. „Wir müssen da selbst eine Antwort finden“, sagt Handtke. Die hat die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) in Neu Wulmstorf für sich jedoch längst gefunden: Als Reaktion auf den SPD-Vorstoß formulierte die UWG daher jetzt einen ganz anderen Vorschlag, wie Fraktionschef Jan Lüdemann sagt. Der SPD-Vorschlag sei im Grunde nur eine Wiederholung der Diskussion, nachdem die Gemeinde das Gutachten über die Zukunft der Bäder in Auftrag gegeben habe. Lüdemann: „Dann wurde die Ideen nicht weiter verfolgt, weil sich die Möglichkeit für ein gemeinsames, neues Kombibad mit Hamburg ergab.“ Doch die Planungszeit für ein solches Projekt dauere mittlerweile viel zu lang. Die UWG schlägt Lüdemann zufolge deshalb ein ganz anderes Vorgehen vor: Neu Wulmstorf sollte das Freibad schließen und das idyllisch und gut erschlossene Gelände für den Wohnungsbau verkaufen. Mit dem Erlös könnte dann ein neues Kombibad weiter außerhalb bei den Sportplätzen im Bassental gebaut werden, so der Vorschlag der UWG, der jetzt ebenfalls zu einem Antrag formuliert werden soll, der dann gemeinsam mit der SPD-Idee im zuständigen Sportausschuss im Frühjahr diskutiert werden könnte.

Die CDU im Neu Wulmstorfer Gemeinderat sieht die Diskussion unterdessen eher gelassen. „Der SPD-Vorstoß ist im Grunde unser Diskussionsstand, eine Schließung stand in diesem Jahr eh nicht an“, so CDU-Fraktionschef Malte Kanebley. Er bekomme daher wohl auch die Zustimmung der CDU. Ob Neu Wulmstorf aber jemals ein neues Bad bauen können, sei mehr als zweifelhaft. „Da fehlt mir angesichts der Finanzlage jede Fantasie“, so der CDU-Politiker.