Harburg
Harburg

Sorge um die Geburtshilfe in Harburg

Dr. Maike Manz hat den Posten als Chefärztin erst im Januar 2017 angetreten. Im vergangenen Dezember hat sie wieder gekündigt.

Dr. Maike Manz hat den Posten als Chefärztin erst im Januar 2017 angetreten. Im vergangenen Dezember hat sie wieder gekündigt.

Foto: HA

Weil Chefärztin Dr. Manz und mehrere Oberärzte das Handtuch werfen, fragen sich viele in Harburg, wie es im Mariahilf weitergeht.

Harburg.  Was ist los in der Geburtshilfe der Helios Mariahilf Klinik an der Stader Straße? Im Dezember berichtete das Abendblatt exklusiv, dass die Chefin der Abteilung, Dr. Maike Manz, das Handtuch wirft – und mit ihr drei Oberärzte. Eine Nachricht, die in Harburg hohe Welle geschlagen hat. Vor allem Gudrun Schittek, Grünen-Politikerin, Bezirksabgeordnete und Frauenärztin, bangt um die Zukunft der Geburtshilfe im Raum Süderelbe: „Die Arbeitsbedingungen in der geburtshilflichen Abteilung sind offensichtlich äußerst schwierig.“ Sie und ihre Fraktion wollen deshalb jetzt mit Hilfe einer Anfrage an den Bezirk bzw. die Fachbehörde klären lassen, was dran ist an den Vorwürfen, die immer wieder an sie herangetragen werden.

Als Gynäkologin ist Gudrun Schittek nicht nur im Gespräch mit betroffenen Frauen, sondern auch bestens vernetzt mit Ärzten und Hebammen. Dass die Klinikleitung die Kündigungswelle lapidar mit Differenzen über Organisation und Führung der Abteilung rechtfertigte, ist nach Schitteks Ansicht nicht mehr als Augenwischerei. Denn angeblich sollen in den vergangenen Monaten auch acht Hebammen gekündigt haben. Von massiven Konflikten ist die Rede und hohem Druck auf Mitarbeiter.

Stark belastet ist nach den Ausführungen von Gudrun Schittek auch das Verhältnis zu den Babylotsen. Diese Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, die in Zusammenhang mit dem Projekt Frühe Hilfen Familien rund um Schwangerschaft und Geburt unterstützen, haben zwar ein eigenes Büro in der Klinik. Doch ihnen soll es mittlerweile untersagt sein, die Wöchnerinnen in ihren Zimmern aufzusuchen. Mehr noch: dem Pflegepersonal sei jedes persönliche Gespräch mit den Lotsinnen verboten. Damit werde deren Engagement unterhöhlt, sagt Dr. Schittek: „Dass die Frauen aus eigenem Antrieb das Büro der Babylotsen aufsuchen und um Unterstützung bitten, ist unrealistisch.“

Besorgniserregend ist die Situation aus Sicht von Gudrun Schittek besonders, weil die Neustrukturierung der medizinischen Versorgung im Bezirk dafür gesorgt hat, dass seither die Mariahilf Klinik die Monopolstellung in Sachen Geburtshilfe in Süderelbe einnimmt (2018: 2055 Geburten). Während Harburgerinnen früher wählen konnten, ob sie in der Mariahilf oder der Asklepios Klinik entbinden, finden sie Alternativen heute nur noch außerhalb des Bezirks – auf der anderen Seite der Elbe oder in Niedersachsen, etwa im Krankenhaus Buchholz.

Für die Arbeit ihrer Kollegin Dr. Manz hat Gudrun Schittek nur lobende Worte: „Sie hat viele tolle Sachen angestoßen.“ Davon ist auch die Rede in der jüngsten Sendung von NDR Visite: Maike Manz habe das System in der Klinik verändert mit einer familienorientierten, persönlichen Betreuung der Schwangeren. Ergebnis: „Sie konnte die Zahl der Kaiserschnitte von 30 auf 20 Prozent senken, braucht dafür aber mehr Personal.“ Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass Kaiserschnitt-Geburten wesentlich mehr einbringen: ein Plus von je rund 1000 Euro für die Klinik gegenüber einer normalen Geburt.

Ob es das Diktat des Profits und Geldes ist, das zur Überwerfung zwischen den betreffenden Mitarbeitern und Klinikleitung (Geschäftsführer Phillip Fröschle ist seit Oktober 2017 im Amt) führte? Dafür gibt es keine Belege. Doch über die Klinik gibt es viele und laute Klagen, allein: kaum jemand will die Vorwürfe öffentlich erheben.

Die Klinikleitung wies gestern in einer Stellungnahme sämtliche Vorwürfe zurück. Dass acht Hebammen gekündigt hätten, stimme nicht: „Wir haben in den vergangenen Monaten mehr Hebammen eingestellt als uns verlassen haben und weitere Bewerbungen liegen uns vor.“ Pro Schicht seien stets mehrere Hebammen im Kreißsaal: „Jede Frau wird durch eine Hebamme begleitet.“ Ganz so, wie es das Gesetz vorschreibt. Generell könne von personellen Engpässen keine Rede sein. „Unsere Hebammenstellen sind gut besetzt, und die offenen Ärztestellen werden kurzfristig nachbesetzt.“ Ob das auch für den Chefarztposten der Geburtshilfe gilt, wird in Medizinerkreisen allerdings von nicht wenigen bezweifelt. Die Klinikleitung ist hingegen sicher, dass auch der Stuhl von Dr. Manz nicht unbesetzt bleiben wird: „Wir gehen von einer schnellen und lückenlosen Nachbesetzung aus.“

Haltlos seien auch die Vorwürfe in Sachen Babylotsen. Nach Abstimmung mit den Frauen seien natürlich Gespräche im Patientenzimmer möglich. Und von Gesprächsverboten könne schon gar keine Rede sein: „Wir wünschen uns explizit eine enge Zusammenarbeit.“