Harburg
Neu Wulmstorf

Masterplan: Wie kräftig darf Elstorf wachsen?

Täglich wälzen sich Verkehrskolonnen durch Elstorf. Der Masterplan soll die

Täglich wälzen sich Verkehrskolonnen durch Elstorf. Der Masterplan soll die

Foto: Axel Tiedemann / HA

Bürgermeister plädiert dafür, in Neu Wulmstorfs Ortsteil weniger Bauland auszuweisen – das sehen etliche Ratspolitiker völlig anders.

Neu Wulmstorf.  Gemeinhin sind Bürgermeister stolz, wenn sie auf kräftige Wachstumsraten bei den Einwohnerzahlen ihrer Gemeinden hinweisen können. Doch Neu Wulmstorfs Bürgermeister Wolf-Egbert Rosenzweig (SPD) überraschte jetzt bei dem Neujahrsempfang der Gemeinde mit nachdenklichen Worten: Man müsse bei der Ausweisung von Bauland mal auf die Bremse treten und eine Pause einlegen, forderte er. Die Folgekosten für Infrastruktur wie Kitas oder Schulen würden sonst zu groß. Konkreter hatte sich zuvor im Abendblatt-Interview schon sein Kämmerer Jörg Schröder geäußert und eine solche Planungsbremse speziell für die Ortsteile Elstorf und Schwiederstorf gefordert.

Tatsächlich wird in der Neu Wulmstorfer Kommunalpolitik aber eben gerade über eine Änderung des Flächennutzungsplanes im Bereich der beiden Dörfer debattiert, um dort das kräftige Wachstum der Gemeinde fortsetzen zu können; noch im März — so das Bestreben vieler Politiker — soll dazu der offizielle Aufstellungsbeschluss fallen. „Das muss so schnell wie möglich passieren“, sagt etwa der Bauausschuss-Vorsitzende Thomas Grambow (SPD), der damit so ziemlich die gegenteilige Position seines Parteifreunds Rosenzweig vertreten dürfte. „Ich bin da anderer Meinung als der Bürgermeister“, sagt Grambow dann auch.

Die politische Auseinandersetzung um die Zukunft der beiden Ortsteile dürfte daher in den nächsten Wochen spannend werden. Zumal der neue Flächennutzungsplan Elstorf und Schwiederstorf enorm vergrößern würde. Basis der Planung ist ein Masterplan, der im Norden der beiden Orte aber vor allem auch im Südwesten neue Flächen für Einfamilienhäuser vorsieht: Rund 540 neue Wohneinheiten sind dabei im Gespräch, die Einwohnerzahl in den beiden eng verzahnten Ortsteilen würde dann um etwa 1500 wachsen, derzeit sind es zusammen etwa 3800.

Doch es gibt im Ort auch zwei Reizpunkte bei dieser massiven Ausweitung: Zum einen könnte im Südwesten auch die B3 Neu verlaufen, die den vom Lkw-Verkehr völlig überrollten Ortskern entlasten soll. Eine Wohngebietsausweisung, so fürchten manche, könnte diese dringend benötige Straßenplanung behindern. Und es gibt die Angst, dass Neubaugebiete im Südwesten zu dicht an die erst vor einigen Jahren aus dem Ort verlagerten Plätze für Sport und Schützen heranreichen könnten, was dann zu Lärmproblemen führen würde.

Im Gemeinderat gab es bisher allerdings eine Art Große Koalition aus SPD und CDU für einen neuen und zügig aufgestellten Flächennutzungsplan — auch wenn darüber gerade wegen der B3-Planung innerhalb der CDU-Fraktion nicht völlige Harmonie herrscht. Noch hätte diese inoffizielle Groko in Sachen Flächennutzungsplan aber wohl eine satte Mehrheit.

Befürworter wie SPD-Politiker Grambow sehen eben keine Kollision zwischen Straßen- und Wohngebietsplanung. Die einzelnen Behörden würde da in enger Abstimmung arbeiten, sagt er. Vielmehr sei eine konkrete Planung der Gemeinde für die weitere Entwicklung in diesem Gebiet eine gute Basis für die Straßenplanung. Nach Ansicht des SPD-Politikers habe die Gemeinde Neu Wulmstorf in den letzten Jahren einen Schwerpunkt auf den Mietwohnungsbau im Ortskern gelegt. Grambow: „Es gibt aber gerade für Familien auch einen großen Bedarf für bezahlbare Einfamilienhäuser“. Und die müsse Neu Wulmstorf nun in Elstorf bieten. „Und zwar schnellstmöglich“, wie er sagt.

Auch CDU-Fraktionschef Malte Kanebley macht sich vehement für die Änderung des Flächennutzungsplanes stark, Schwiederstorf habe bereits sinkende Einwohnerzahlen, Elstorf drohe in absehbarer Zeit das gleiche Schicksal. „Wir treten hier schon seit vielen Jahren auf die Bremse“, sagt Kanebley und verweist darauf, dass von einer Änderung des Flächennutzungsplanes bis zur konkreten Bebauung viele Jahre vergehen.

Vorhaltungen, wonach er selbst von einer Baugebietsausweisung profitieren würde, weist er zurück. „Es geht um 40 Hektar Wohnbauland, davon gehören einem Verwandten von mir gerade mal zwei — soviel dazu!“

Sehr kritisch sieht die Planungen indes die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG), die drittstärkste Kraft im Rat ist und in den beiden betroffenen Ortsteilen viele Stimmen bekommen hat. Gerade die geplanten Wohnbauflächen im Südwesten sind aus Sicht von Fraktionschef Jan Lüdemann sehr problematisch, wie er sagt. Eben weil sie sehr dicht an den neuen Sportplatz heranreichen würden und auch die B3-Planung behindern könnten. „Ich plädierte für einen Stopp der Planungen“, so Lüdemann. Die überraschenden Worte des Bürgermeisters habe er daher mit „viel Aufmerksamkeit wahrgenommen.“