Harburg
Niedersachsen

Bedenken gegen neue "Waldsiedlung" in Neu Wulmstorf

SPD-Politiker Thomas Grambow steht auf einer ehemaligen Panzerstraße. Links davon wäre die "Waldsiedlung" gebaut worden, er schlägt indes eine Bebauung recht der Straße vor.

SPD-Politiker Thomas Grambow steht auf einer ehemaligen Panzerstraße. Links davon wäre die "Waldsiedlung" gebaut worden, er schlägt indes eine Bebauung recht der Straße vor.

Foto: Axel Tiedemann / HA

SPD-Politiker bekommt für Vorschlag einer Alternative nur wenig Zustimmung, selbst aus der eigenen Fraktion.

Neu Wulmstorf.  Kurz vor Weihnachten überraschte er nicht nur seinen Parteifreund und Bürgermeister mit dem Vorschlag: Der Vorstoß des Neu Wulmstorfer SPD-Politikers Thoms Grambow zu einer alternativen Bebauung beim auf Eis liegenden Projekt „Waldsiedlung“ stieß auch bei Ratskollegen auf Verwunderung. Nun gibt es nach Abendblatt-Information erste Protestbriefe von betroffenen Anwohnern aus Neu Wulmstorf an Ratsmitglieder. Und auch Naturschützer sind von Grambows Ideen nicht überzeugt. „Das ist zwar nicht so dramatisch wie zuvor, aber völlig unproblematisch ist es auch nicht“, sagt der Biologe Stephan Rost von der Naturschutzorganisation BUND.

Hintergrund: Weil es für das seit Jahren geplante Villengebiet „Waldsiedlung“ auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz an der Fischbeker Heide plötzlich Ende des Jahres keine Mehrheit mehr im Gemeinderat gab, schlug Grambow eine weniger luxuriöse Bebauung mit bis zu 60 Einfamilienhäusern auf einem schmalen Streifen zwischen alter Panzerstraße und der Neu Wulmstorfer Heidesiedlung vor.

"Waldsiedlung" war am Umweltschutz gescheitert

Die „Waldsiedlung“ östlich der Straße an der Ablehnung der SPD gescheitert, weil Gutachter dort geschützte Kröten und Molche entdeckt hatten, die von ihren Laichgewässern quer durchs Neubaugebiet gezogen wären. Allerdings hatte Neu Wulmstorf um 2006 einem Masterplan zugestimmt, wonach die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) 15 Hektar an Investoren für eine Wohnbebauung mit bis zu 60 Häusern verkaufen kann. Im Gegenzug gab die Bima zu einem kleinen Preis den Großteil des Geländes an die Gemeinde.

Nun ist offen, wie es dort weitergeht, ob Schadenersatzansprüche fällig werden. Sein Vorschlag sei aber der einzig mögliche Weg, um den Knoten aus Artenschutz und Vertragsverpflichtung zu lösen, sagt Grambow, der allerdings einräumen muss, dass er selbst seine Fraktion nicht vollständig hinter sich hat. „Einige lehnen es ab, der Großteil will abwarten“, so Grambow.

Zweifel am Plan – zu wenig Platz für 60 Häuser?

Zumal auch die neue Fläche direkt an Laichgewässern liegt, wie BUND-Mann Stephan Rost sagt. Auch dort müsse es für die Tiere einen Schutz geben. Gravierender sei der Vorschlag aber für die Anwohner, weil dann jener bewaldete Lärmschutzwall bebaut würde, der früher vor dem Panzerlärm schützte. „Nun würde die neue Bebauung ganz dicht ranrücken “, sagt Rost.

Er bezweifle zudem, dass der schmale Streifen tatsächlich Platz für bis zu 60 Häuser bietet. Tatsächlich wäre das neue Areal nicht mehr 15 Hektar, sondern nur noch etwa fünf Hektar groß, allerdings geht Grambow von kleineren Grundstücken aus.

Verhaltene Zustimmung zu einer „Heidesiedlung 3“, wie der SPD-Politiker das neue Gebiet bezeichnen möchte, kommt von anderen Ratsfraktionen. „Wir sind da weiter offen für Gespräche“, sagt etwa der Vorsitzender der Unabhängigen Wählergemeinschaft Jan Lüdemann. Ähnlich äußert sich CDU-Fraktionschef Malte Kanebley, der auch wegen möglicher Schadenersatzforderungen für die „Waldsiedlung“ eingetreten war: Man sei in der CDU für den Vorschlag offen – wenn es denn im Rat eine Mehrheit dafür gebe. Kanebley: „Das glaube ich aber nicht.“