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Stadtentwicklung

Lüneburg plant Digital-Campus

Der Entwurf für einen Digital-Campus in Lüneburg zeigt, wo die Büros und Wohnhäuser gebaut werden sollen. Eine Bürgerinititative setzt sich für den Erhalt des sogenannten Grüngürtel West (Mitte) ein. Rechts: Lüneburg, Links: Reppenstedt (Landkreis Lüneburg), verbunden durch die Lüneburger Landstraße (L216) Alle braunen Gebäude gehören zum geplanten Digital-Campus

Der Entwurf für einen Digital-Campus in Lüneburg zeigt, wo die Büros und Wohnhäuser gebaut werden sollen. Eine Bürgerinititative setzt sich für den Erhalt des sogenannten Grüngürtel West (Mitte) ein. Rechts: Lüneburg, Links: Reppenstedt (Landkreis Lüneburg), verbunden durch die Lüneburger Landstraße (L216) Alle braunen Gebäude gehören zum geplanten Digital-Campus

Foto: Jenckel, Ann-Kristin / Hansestadt Lüneburg

Das Projekt soll Wohnen und Arbeiten verbinden. Es sollen sich Start-ups und Technologiefirmen ansiedeln. Doch es gibt Protest.

Lüneburg.  Die Planungen für einen sogenannten Digital-Campus in Lüneburg schreiten voran. Das Bauprojekt am Rande der Stadt zielt auf die Kombination von Arbeiten und Wohnen – es schließt sowohl Gewerbeansiedlungen aus der Digitalbranche als auch Wohnhäuser ein. Nun hat der Verwaltungsausschuss der Stadt den Start eines formellen Bebauungsplanverfahrens beschlossen. Dafür soll der bestehende Flächennutzungsplan geändert werden. Die bisherigen Ideen für das umstrittene Projekt werden am 10. Januar auf einer Bürgerversammlung vorgestellt.

Wie der Digital-Campus aussehen könnte, hatte Stadtbaurätin Heike Gundermann im Bauausschuss Anfang Dezember skizziert. Denkbar wäre demnach, dass sich in einem sogenannten Urbanen Gebiet rund um den ehemaligen Unistandort Volgershall Start-ups und andere Unternehmen aus dem Bereich neue Technologie – wie 3-D-Druck, virtuelle Realität oder künstliche Intelligenz – ansiedeln. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich die 3-D-Druck-Firma Bionic in diesem Gebiet niedergelassen. In den Stockwerken über den Büros könnten Wohnungen entstehen.

„Die Verbindung von Wohnen und Arbeiten ist ein wesentliches Ziel der Planung“, sagte Gundermann. Denn dies bedeute kurze Wege für die Beschäftigten und weniger Autoverkehr in der Stadt. In einem zweiten Teilgebiet, an der Stadtgrenze zur Nachbargemeinde Reppenstedt gelegen, könnten auf einem 1,8 Hektar großen Areal Einzel-, Doppel- und Mehrfamilienhäuser gebaut werden. Dort könnten unter anderem die Mitarbeiter der auf dem Campus gelegenen Firmen wohnen.

„Das ist ein möglicher städtebaulicher Entwurf, den wir auf Grundlage der Empfehlungen des Klimagutachters erarbeitet haben“, sagte die Stadtbaurätin. Der Gutachter hatte im vergangenen Sommer aufgezeigt, welche Bereiche ohne Bebauung bleiben müssen, um die für das Stadtklima wichtige Kaltluftschneisen zu erhalten. Deshalb soll dem Entwurf zufolge ein 330 bis 580 Meter breiter Streifen zwischen Lüneburg und Reppenstedt als unbebaute Grünfläche erhalten bleiben. Dort verläuft ein Teil des sogenannten Grüngürtel-West.

Das geht der Bürgerinitiative (BI) Grüngürtel-West nicht weit genug. Sie übt massive Kritik an den bisherigen Plänen für einen Digital-Campus und hat bisher rund 3000 Unterschriften gegen eine Bebauung des Grüngürtels im Westen der Stadt gesammelt. „Wir sind entsetzt über die Absicht der Verwaltung, auf der Fläche zwischen Lüneburg und Reppenstedt ein neues Gewerbe- und Wohngebiet im bisher bestehenden Grüngürtel-West zu genehmigen“, heißt es in einer Mitteilung der Bürgerinitiative.

Die Gegner stützen ihre Kritik auf einen Ratsbeschluss aus dem Jahr 2014, nach dem der Grüngürtel besonders geschützt bleiben soll. Es gebe vielfältige ökologische, infrastrukturelle und planerische Bedenken, die gegen das Projekt Digital-Campus an diesem Standort sprächen. „Ein Naherholungsgebiet würde zerstört, Verkehrslärm würde wachsen, weitere Flächen würden versiegelt mit negativen Folgen für Flora und Fauna“, so die Befürchtungen.

Zudem gingen landwirtschaftliche Flächen verloren. Der Protest richtet sich nicht gegen die Idee eines Digital-Campus an sich. „Die Ansiedlung einer Zukunftstechnologie in Lüneburg ist ein wichtiges Ziel, das aus unserer Sicht volle Unterstützung verdient“, heißt es von der Initiative. Dort hat man jedoch den Eindruck, dass in diesem Fall vielmehr reine Bauinteressen durchgesetzt würden anstatt eine „verantwortungsbewusste Standortsuche“ anzugehen.

Darüber hinaus sei mit dem geplanten Bebauungsplan „Digital-Campus“ keinesfalls gesichert, dass sich tatsächlich Unternehmen aus dem gewünschten Bereich ansiedeln. Im Rathaus hält man trotz der Kritik an den Plänen fest. „Ich bin überzeugt, dass wir im Sinne des Ratsbeschlusses von 2014 vorgehen“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD). Was am Ende umgesetzt werde, entscheide der Rat. Mädge setzt sich seit Längerem für ein digitales Zentrum in Lüneburg ein. Ähnliches entstehe derzeit in anderen kleineren Städte in der Nähe von Me­tropolen. Sie wollten sich die Chance nicht entgehen lassen, „junge, kluge Köpfe zu gewinnen für das Arbeiten in einer sauberen, zukunftsträchtigen Branche vor Ort“, so Mädge.

„Es ist ja keine Frage, dass wir uns hier im Wettbewerb mit anderen Städten befinden.“ In Lüneburg bestünden jedoch dank der Universität und der bereits angesiedelten 3-D-Druck-Firma ideale Ausgangsbedingungen, um diese Chance auch für die Stadt und die Region zu nutzen.