Harburg
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Sie gibt Obdachlosen einen Platz in der Herberge

Sara-Maria Unverzagt gibt Obdachlosen einen Platz in der Herberge

Sara-Maria Unverzagt gibt Obdachlosen einen Platz in der Herberge

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Abendblatt-Adventskalender – Menschen, die Türen öffnen. Heute: Sara-Maria Unverzagt vom Harburg-Huus.

Harburg.  Erst war „Obdachlosigkeit“ nur eines von vielen Themen im Religionsunterricht. Doch als Sara-Maria Unverzagt nach Schulschluss nach Hause ging, wusste sie, dass sie etwas tun musste. Sie schmierte Brote, besorgte im Supermarkt Wasserflaschen und machte sich auf den Weg in die Aachener Altstadt. Sie wollte den Obdachlosen zeigen, dass sie nicht alleine sind.

Das war der Anfang. Inzwischen hat die 21-Jährige ihren Schulabschluss in der Tasche. Sie ist nach Hamburg gezogen und hat sich für ein freiwilliges soziales Jahr einen Ort gesucht, wo sie mehr tun kann als Brote verteilen. Seit März arbeitet sie im Harburg-Huus, der Obdachlosenunterkunft des DRK-Kreisverbandes Harburg. Täglich ist sie für die Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben, da, schafft ihnen einen Ort, an dem sie zur Ruhe kommen können und Kraft schöpfen. Ein Zuhause auf Zeit, das in der Regel nicht länger als drei Tage andauert.

Die Schicksale berühren sie. Und sie ist froh darüber, dass sie den Menschen ein Bett geben kann, wenn auch nur für eine Nacht. Da ist die Mutter, die psychisch erkrankt ist und ihre Kinder selbst in die Pflege gegeben hat, der Vater, der erst die Familie, dann den Job und schließlich sein Zuhause verlor. Es kommen Frauen, die von ihrem Partner zuhause rausgeschmissen wurden.

Und junge Erwachsene, die von ihren Eltern geschlagen worden sind. „Die Leute haben alle ein Problem“, sagt sie. „Ob selbstverschuldet oder nicht spielt überhaupt keine Rolle. Jeder Mensch hat das Recht, Entscheidungen zu treffen – auch falsche. Aber keiner sollte deswegen auf der Straße schlafen müssen.“

Sara-Maria Unverzagt ist sich sicher, dass Obdachlosigkeit jeden treffen kann. Als ihr Vater im vergangenen Jahr plötzlich starb, wurde ihr schlagartig bewusst, dass sie die Wohnung alleine nicht würde bezahlen können. Sie hatte Glück. Weil es Menschen gab, die sie aufgefangen haben. Und für sie da waren. Mit ihrem Engagement im Harburg-Huus will sie das, was sie erfahren durfte, auch anderen zukommen lassen.

„Ich versuche den Menschen mit Liebe zu begegnen, ihnen ein Zuhause zu geben, ein bisschen mehr Wärme und das Gefühl, dass es einen Ort gibt, wo sie hinkommen können – wenn auch nur für den Tag.“ Sie hält sie Aufenthaltsstätte sauber und in Ordnung, organisiert Lebensmittel von der Hamburger Tafel, hört sich die Probleme der Gäste an und versucht mit ihnen Lösungen zu finden.

Sie begegnet den Menschen auf Augenhöhe. Und es interessiert sie nicht, was der Einzelne verbockt hat. „Solange er ein netter Mensch ist und sich an die Hausordnung hält, ist er willkommen“, sagt sie. Bodenständiger sei sie geworden durch die Erfahrungen im Harburg-Huus. Demütiger und dankbarer. „Die Begegnungen haben mir bewusst gemacht, wie privilegiert ich bin.“

Sie weiß, dass sie die Menschen nicht retten kann. Dass sie viele Wege nur für einen kleinen Moment teilen wird. Und dass die Türen, die sie zu öffnen versucht, ebenso schnell wieder zuschlagen können. Doch sie macht weiter. Weil sie weiß, dass es der Moment ist, der zählt.