Harburg
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Binnenhafen-Gemeinschaft will Freiräume erhalten

Kulturfrühstück in der Harburger Fischhalle. Werner Pfeifers Eventlokal gilt als Musterbeispiel für gelungene Sanierung im Binnenhafen

Kulturfrühstück in der Harburger Fischhalle. Werner Pfeifers Eventlokal gilt als Musterbeispiel für gelungene Sanierung im Binnenhafen

Foto: HA

Anwohner, Stammgäste und Kulturschaffende fürchten angesichts umfangreicher Bauprojekte um das maritime Flair des Quartiers.

Harburg.  Wie vermarktet die Stadt ihre eigenen Flächen im Harburger Binnenhafen, und wo gibt es Spielräume, um grüne Aufenthaltsorte für die immer zahlreicher werdenden Anwohner zu schaffen? Diese Frage diskutierte die Begleitgruppe Binnenhafen am Mittwochabend mit Arne Kuchenbecker vom Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG).

Kuchenbecker erläuterte zunächst die finanztechnischen Hintergründe des Flächenmanagements: Jedes städtisches Grundstück sei bewertet und stehe mit dem ermittelten Wert in den Büchern der Finanzbehörde. „Wir müssen mit diesem Kapital sorgsam umgehen“, sagte er. Und meinte dies mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit: Dort, wo das Baurecht zum Beispiel ein mehrgeschossiges Bürohaus vorsieht, ist der Grundstückswert sehr hoch. Hier winkt ein gutes Geschäft für die Stadt. Doch seien neben den finanziellen Aspekten weitere Interessen zu berücksichtigen.

Diese benannten Anwohner, Gewerbetreibende und andere im Binnenhafen Aktive. „Der Bebauungsplan ist einige Jahre alt und zu einer Zeit entstanden, als der Schwerpunkt auf Büro-bauten lag. Jetzt, da der Wohnungsbau eine viel größere Bedeutung hat, muss das Umfeld ein anderes sein. Eines, das den Bedürfnissen der Wohnbevölkerung entspricht“, sagte Stadtplanerin Birgit Caumanns, die sich in der Geschichtswerkstatt Harburg engagiert.

Die Fischhalle zeigt, dass gute Kompromisse möglich sind

Die Geschichtswerkstatt residiert in der Fischhalle Harburg, die der Journalist und Musiker Werner Pfeifer vor dem Abbruch gerettet und aus ihr ein kleines Veranstaltungszentrum gemacht hat. „Das Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, dass nicht nur Wirtschaftlichkeitserwägungen die Grundstücksvergaben bestimmen“, sagten Kuchenbecker.

Pfeifer hatte lange mit der LIG verhandeln müssen, bis er die 1906 gebaute Halle an der Straße Kanalplatz 16 erwerben konnte. Denn auf dem Terrain unweit des Lotsekanals sieht das Baurecht ein Hochhaus vor. „Wir hatten die Wahl Fischhalle plus Hochhaus oder nur Hochhaus. Nur Fischhalle ging nicht“, sagte Harburgs Baudezernent Jörg Heinrich Penner. Nun soll neben der historischen Halle, direkt an der Wasserkante, der achtstöckige Neubau des Fraunhofer Centrums für Maritime Logistik errichtet werden.

Gleich nebenan, am Kanalplatz 14, ist auf einem städtischen Grundstück ebenfalls der Bau eines Hochhauses vorgesehen. Dort steht jetzt noch das „Wäldchen“, eine kleine Wildnis aus einem Dutzend Bäumen, die im Bereich eines alten Röhrenbunkers wachsen. Das Stückchen grün entwickelt sich zum Aushängeschild der Freiraumretter – viele Stimmen plädierten in der Diskussion dafür, dass das Wäldchen bleiben müsse. Eine Vermarktung der Fläche ist ohnehin noch nicht akut. „Bevor es zu einer Ausschreibung und Vergabe kommt, wird noch viel diskutiert werden“, sagte Kuchenbecker.