Harburg
Nahverkehr

Alles dicht: Null Service am Bahnhof Neugraben

Seit Monaten ist der Servicebereich verrammelt

Seit Monaten ist der Servicebereich verrammelt

Foto: Axel Tiedemann / HA

Kiosk geschlossen, Fahrstühle fehlen, kein Kartenverkauf – und von schneller Abhilfe kann am Bahnhof Neugraben keine Rede sein.

Neugraben.  „Endlich wieder Land in Sicht“ – mit diesem hübschen Wortspiel wirbt die städtische Planungsgesellschaft IBA für das Neubaugebiet Vogelkamp in Neugraben, das mit rund 1500 Wohneinheiten immerhin eines der größten Hamburgs ist.

Doch potenzielle Mieter oder Häuslebauer dürfte es reichlich gruseln, wenn sie für einen ersten Besichtigungstermin mit der S-Bahn anreisen: Also die „hervorragende Verkehrsanbindung“ nutzen, mit der die IBA ebenfalls wirbt: Der Betoncharme der 80er Jahre empfängt die Reisenden hier an einem der zentralen S-Bahnhöfe im Süden der Stadt, der auch eine wichtige Drehscheibe für Pendler ist.

Es gibt dort keine Fahrstühle und seit Juni schon ist der einzige Gastro- und Kioskbereich samt Fahrkartenverkauf verrammelt, die früheren Schaufenster mit Graffiti beschmiert. Ein schneller Kaffee, wenn man auf die S-Bahn warten muss, Zeitungen für unterwegs, ein rasches Brötchen – all das ist nicht mehr möglich. „Es ist eine Katastrophe“, sagt der Harburger Bezirksabgeordnete Lars Frommann (CDU), der für seine Fraktion Fachsprecher für den Bereich Süderelbe ist.

Die CDU hatte kürzlich daher eine Wiederöffnung angemahnt, weil „eine längere Schließung für den Stadtteil und die Bewohner nicht hinnehmbar“ sei. Der Kiosk sei auch wichtig für die „soziale Kontrolle“ im Umfeld, das in jüngster Zeit häufiger Ziel von Vandalismus und nächtlicher Ruhestörung gewesen sei.

Auch die Harburger SPD hatte im November eine schnelle Kiosk-Wiederöffnung gefordert - weil es dort nun nicht einmal mehr möglich sei, Zeitkarten für den Nahverkehr zu kaufen. Stattdessen würden die Kunden aufgefordert, das in Neu Wulmstorf oder in Harburg zu erledigen, kritisierten die Sozialdemokraten.

Als Grund für die lange Schließung nennt die Bahn auf Anfrage des Abendblattes eine umfassende Renovierung und vor allem neue Elektro-Installationen, die notwendig seien. Anschließend werde der neue Mieter seinen Ladenausbau vornehmen und „voraussichtlich“ im 1. Quartal des kommenden Jahres einziehen, wie eine Bahnsprecherin sagte. Dann könnten dort auch wieder Fahrkarten verkauft werden.

Merkwürdig nur, dass bis jetzt dort von Arbeiten nichts zu erkennen ist. Ob dieser Zeitplan eingehalten wird, sieht Bezirkspolitiker Frommann dann auch höchst kritisch: „Das glaube ich erst, wenn der Kiosk tatsächlich wieder geöffnet ist“, sagt er.

Tatsächlich hat die Harburger Bezirkspolitik mit dem S-Bahnhof Neugraben bisher eher die Erfahrung gemacht, dass Bahn und Stadt hier auf sehr lange Zeitschienen setzen. Vor etwa sechs Jahren waren ihnen angesichts der Neubaupläne im heutigen Vogelkamp beispielsweise großzügige Umgestaltungspläne für den Bahnhof vorgestellt worden.

Mittlerweile seien die allgemeinen Kosten gestiegen und es werde nur noch von kleinteiligen Lösungen gesprochen, sagt Bezirkspolitiker Frommann: „Der große Wurf ist in weite Ferne gerückt“, vermutet er.

Das gilt offensichtlich auch für die ebenfalls seit langem geforderten Aufzüge an dem Bahnhof. So hatte bereits im Frühjahr 2015 die SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung gefordert, dass am östlichen Teil des Bahnhofs ein Aufzug eingebaut wird. Auch ein weiterer Zugang zum Neubaugebiet wurde später gewünscht. Die alten Rolltreppen seien wegen ihres Altes und der „dadurch bedingten und wiederholten Ausfallzeiten nicht als barrierefreier Zugang geeignet“, hieß es in einem Antrag der SPD dazu.

Die Antwort der Wirtschaftsbehörde klang seinerzeit noch vielversprechend: Bis „voraussichtlich“ 2019 würden neue Aufzüge kommen, kündigte die Behörde da an und stellte das Vorhaben als Baustein für die Erschließung des Vogelkamps sowie der „Stadterneuerung“ im Süden dar. Also als ein Projekt, das sowohl dem großen Neubaugebiet als auch dem alten Ortszentrum Neugrabens zugute kommen soll.

Doch nun ist die Zeitangabe der Bahn zu einer tatsächlichen Realisierung so vage wie das Eintreffen von Ersatzbussen bei einem S-Bahnausfall. Sowohl beim Landesbetrieb Straßen Brücken Gewässer wie auch bei der Bahn selbst gebe es Planungen für neue Aufzüge, bestätigte die Bahn gegenüber dem Abendblatt.

Und immerhin über 80 Prozent der Hamburger S-Bahnhöfe seien bereits barrierefrei. Aber in Neugraben muss man wohl doch noch weiter warten: Ein Termin für die Umsetzung könne „noch nicht“ genannt werden, heißt es nun.