Harburg
Jesteburg

„Lesen öffnet Türen in andere Welten“

Reina Planitzer öffnet als Leselernhelfer Grundschülern in Jesteburg die Tür zur Literatur.

Reina Planitzer öffnet als Leselernhelfer Grundschülern in Jesteburg die Tür zur Literatur.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Der Abendblatt-Adventskalender – Menschen, die Türen öffnen. Heute: Reina Planitzer, die Grundschülern beim Lesenlernen hilft.

Jesteburg.  Es ist diese unbändige, echte Freude, dieses Leuchten in den Augen der Kinder, das sie seit 15 Jahren jeden Donnerstag und Freitagin die Grundschule Moorweg in Jesteburg fahren lässt. Vier Stunden am Vormittag kümmert sich Reina Planitzer um die Schüler, übt mit Kindern von der zweiten bis zur vierten Klasse Lesen, ohne auch nur einen Cent für ihren Einsatz zu bekommen. Der Dank der Kinder ist ihr Lohn genug.

Reina Planitzer ist 73 Jahre alt, lebt in Dierkshausen und engagiert sich als Leselernhelferin in der Jesteburger Grundschule am Moorweg. Im Rahmen des Vereins Mentor zeigt sie den Kindern mit Leselernschwäche die Grundlage allen Lernens: die Fähigkeit, Texte und Bilder erlesen zu können, zu verstehen und wiederzugeben. „Jedes Kind, das Unterstützung braucht, wird individuell gefördert“, sagt die Mentorin. „Wir sprechen, lesen und lachen miteinander. Das Ziel ist, die Freude am Lesen zu wecken, denn es fordert die Fantasie und erschließt die Welt.“

Maximal drei Kinder betreut die gelernte Exportkauffrau und langjährige Spielkreisgruppenleiterin pro Gruppe. Manche von ihnen kommen für 20 Minuten, andere bleiben eine ganze Stunde. Ganz egal, wieviel Förderbedarf sie haben, jeder von ihnen kommt gern in die kleine gemütliche Rumpelkammer, die als Leselernort dient.

Weil Frau Planitzer eine Vertraute ist, jemand, der ohne Erwartung und Bewertung an sie rangeht. „Wenn ich den Schulhof betrete, empfängt mich meist eine Horde jubelnder Kinder“, sagt sie. „Dieses Glücksgefühl, wenn da plötzlich ein, zwei kleine Menschen an deinem Hosenbein hängen und vor Freude jauchzen, erlebt man nirgendwo anders.“

Sie bringt Geduld und Gelassenheit, Zeit und Zuwendung mit, baut zu den Kindern ein Vertrauensverhältnis auf, in dem sich spielerisch das lernen lässt, was im Unterricht unter Zeitdruck manchmal eben nicht gelingt. „Im Klassenverband muss es Ruck-Zuck gehen“, sagt die Leselernhelferin. „Bei mir können sie in aller Ruhe lesen und üben.“

Dabei gehe es nicht um das fließende Vorlesen, sondern vielmehr um das Leseverständnis. „Die Kinder sollen wissen, was sie gelesen haben und den Inhalt in ihren Worten wiedergeben können. Lesen öffnet Türen in andere Welten.“ Welten wie diese von Astrid Lindgrens „Tomte Tummetott“. Das Kinderbuch hat Reina Planitzer für die Adventszeit ausgesucht. Gemeinsam taucht sie mit den Kindern in die Welt des kleinen Wichtels ein, der auf einem alten Hof mitten im Wald über die Menschen und Tiere wacht.

Niemand hat Tomte je gesehen, doch alle wissen, dass es ihn gibt. Denn der Wichtelmann hinterlässt winzige Fußstapfen im Schnee, wenn er des Nachts auf Zehenspitzen umherschleicht. In diesem Sinne: „Winter und Sommer kommen und gehen. Jahr folgt auf Jahr. Solange auf dem alten Hof mitten im Walde Menschen wohnen, so lange geht Tummetott Nacht für Nacht dort auf leisen Sohlen umher und wacht.“