Harburg
Sittensen

Halle mit 15 Sattelschleppern steht in Flammen

250 Feuerwehrleute aus mehreren Landkreisen waren bis in die Morgenstunden mit den Löscharbeiten beschäftigt.

250 Feuerwehrleute aus mehreren Landkreisen waren bis in die Morgenstunden mit den Löscharbeiten beschäftigt.

Foto: Joto / JOTO

Millionenschaden bei Lkw-Händler Alga nach Großbrand in Sittensen. Feuerwehr ist die ganze Nacht mit 250 Mann im Einsatz.

Sittensen. Tobias Johanning

Ein Großfeuer beim Lkw-Händler Alga in der Molkereistraße in Sittensen hat in der Nacht zu Dienstag einen Millionenschaden angerichtet. Eine Werkstatthalle war am Abend gegen 20 Uhr in Brand geraten. Die 100 Meter lange Halle und ein Nebengebäude, in dessen Obergeschoss sich auch eine Wohnung für Fernfahrer befand, sowie 15 Sattelzugmaschinen wurden ein Raub der Flammen. Die Feuerwehr war mit insgesamt bis zu 250 Leuten im Einsatz. Vier Feuerwehrmänner wurden bei den Löscharbeiten verletzt.

Passanten hatten die Feuerwehr am Abend alarmiert, als Flammen aus dem Dach der Halle auf dem Gelände des Lkw-Händlers am Autobahnzubringer zur A 1 Richtung Hamburg in den Nachthimmel schlugen. Als die Feuerwehr kurz darauf eintraf, brannten die Halle und das Nebengebäude bereits lichterloh.

Glücklicherweise befanden sich keine Mitarbeiter auf dem Grundstück und auch keine Übernachtungsgäste in der Fernfahrerwohnung. Weil sich das Stahltor wegen des Stromausfalls auf dem Gelände nicht öffnen ließ, brachen die Feuerwehrleute kurzerhand mit Stahlflexen den Metallgitterzaun auf, um auf das Gelände zu gelangen.

Die 15 Sattelzugmaschinen in der Halle, in der auch Wartungsarbeiten durchgeführt werden, wurden dennoch völlig zerstört. Der Sachschaden wird von der Polizei mit rund drei Millionen Euro beziffert.

„Ich schaute aus dem Fenster, sah die Flammen am Himmel und dachte, unsere Tankstelle brennt“, sagt Aral-Tankstellenpächterin Gabriele Kropp, die gleich nebenan wohnt. Sie eilte zur Tankstelle, stellte mit dem Notausschalter die Spritzufuhr der Tanks zu den Zapfsäulen ab und schickte ihre Mitarbeiter in den Feierabend. „Wir haben das gesamte Tankfeld sofort geräumt“, erzählt die junge Frau.

Unterdessen bekämpfte die Feuerwehr das Großfeuer von allen Seiten mit sehr viel Wasser, um ein Übergreifen der Flammen auf andere Gebäude zu verhindern. Die Polizei sperrte die Autobahnauffahrt Sittensen in Richtung Hamburg und Zufahrtstraßen in der Umgebung großräumig ab. Die Feuerwehren aus dem Landkreis Rotenburg wurden von Wehren der Landkreise Stade und Harburg unterstützt. Drei Drehleitern waren im Einsatz.

Auf dem Nachbargrundstück der Firma Schiedel Schornsteine kühlten Feuerwehrleute einen Dieselöltank, der der Gluthitze des Feuers direkt ausgesetzt war. Auch von Schiedel aus wurde das Feuer bei Alga bekämpft. Der Lagerleiter von Schiedel war einer der ersten am Brandort. „Die gesamte Fläche brannte lichterloh. Die Flammen schlugen hoch in den Himmel. Wir haben unser Gefahrgutlager geräumt.“

Immer wieder waren Explosionen vom Gelände des Lkw-Händlers zu hören. „Es bestand ein sehr große Gefahr wegen der explodierenden Gasflaschen in der Werkstatthalle“, sagt Thorsten Rathjen, Gruppenführer der FF Vierden und mit seinen Kollegen um 22.30 Uhr einer der ersten, die mit Atemschutzgeräten ins Feuer gingen. „Durch die vielen brennenden Sattelschlepper in der Halle gab es eine sehr hohe Brandlast.“

Zuvor hatten Feuerwehrleute mehrere Autos weggetragen, um mit dem Bagger das Gebäude einreißen zu können und ins Innere vorzudringen. Anwohner wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Der Feuerschein war am Nachthimmel kilometerweit zu sehen. Selbst in vier Kilometern Entfernung war der Rauch noch zu riechen. Autofahrer auf der A 1 hatten dagegen Glück: Für sie stand der Wind günstig, er hielt den Rauch von der Strecke fern.

Da sehr viel Löschwasser benötigt wurde, zapften die Feuerwehrleute ein Regenrückhaltebecken an. Das Becken war gegen Mitternacht vollends leer gepumpt. Die Löscharbeiten dauerten bis in die frühen Morgenstunden an. Erst gegen 5 Uhr früh war das Feuer gelöscht. Anschließend wurden die verkohlten Trümmer der Halle mit einem Bagger auseinandergeschoben, um Glutnester zu löschen. Danach wurde die Asche am Eingangstor zu einem Haufen zusammengeschoben.

Zwei Feuerwehrleute mussten ambulant in der Klinik behandelt werden. Sie konnten das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen. Die Brandursache ist weiterhin unklar. „Gottseidank ist die Tankstelle vom Feuer verschont geblieben“, sagt Gabriele Kropp. Es war für sie das erste Mal in zehn Jahren, dass sie ihre an 365 Tagen geöffnete Tankstelle für einen Nacht schließen musste.

Wiederaufbau

Die Alga TBS Truck & Bus Service GmbH will nach dem verheerenden Brand in Sittensen schnellstmöglich mit dem Wiederaufbau der TBS beginnen, teilte das Unternehmen gestern mit. Der Geschäftsbetrieb der Nutzfahrzeug- und Baumaschinen und Reifen GmbH werde fortgesetzt.