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Mit dem neuen Eilbus von Harburg nach Bergedorf

Um 4.54 Uhr ist der erste Eilbus E 30 von Harburg Rathaus gestartet. 39 Minuten hat die Fahrt nach Bergedorf gedauert. Dann geht es wieder zurück nach Harburg. 

Um 4.54 Uhr ist der erste Eilbus E 30 von Harburg Rathaus gestartet. 39 Minuten hat die Fahrt nach Bergedorf gedauert. Dann geht es wieder zurück nach Harburg. 

Foto: Jörg Riefenstahl

Die neue Linie E30 verbindet ab sofort Harburg mit Bergedorf. Laut Plan soll er schneller als die S-Bahn sein. Klappt das auch?

Harburg/Bergedorf.  Gute Nachrichten für alle Harburg- Pendler: Es gibt eine neue Busverbindung zwischen Harburg und Bergedorf. Die neue Linie E 30 fährt tagsüber alle halbe Stunde auf der Route – frühmorgens, spätabends und sonntags stündlich. Und das schönste an der Expressverbindung: Die Fahrzeit ab Bahnhof Harburg über die Autobahn bis Bergedorf beträgt nur 32 Minuten.

Damit sind Fahrgäste schneller am Ziel als mit der S 3 und S 21. S-Bahn und Regionalexpress brauchen jeweils mindestens sieben Minuten oder auch schon mal neun Minuten länger. Je nach Tageszeit. Und: Wer mit dem Bus fährt, erspart sich das nervige, zeitraubende Umsteigen am Hauptbahnhof. Wie klappt die neue Busverbindung? Wir haben es ausprobiert und die Jungfernfahrt mit dem E 30 von Harburg nach Bergedorf und zurück begleitet.

Sonntagmorgen, kurz vor 5 Uhr. Im Harburger Bahnhofskiosk reicht Zeynel Cengiz Frühaufstehern heißen Kaffee und belegte Brötchen über den Tresen. Der Kioskbesitzer fährt täglich mit dem Auto von Bergedorf aus zur Arbeit. Er kann es kaum glauben, dass es ab sofort eine direkte Busverbindung gibt. „Das wusste ich nicht“, sagt der Kioskbesitzer. „Nur 32 Minuten braucht der Bus von hier nach Bergedorf? Das ist ja super. Dann kann meine Frau ja jetzt von Bergedorf aus mit dem Bus kommen, um mich abzulösen. Da ist sie viel schneller als mit der Bahn.“

Pünktlich um 5.03 Uhr lenkt Bensalem Hammouda den nagelneuen Volvo auf Abfahrtzone F im Bahnhof Harburg. Über der Frontscheibe leuchtet der Schriftzug „E 30 Eilbus Bergedorf“.

Einziger Fahrgast ist eine junge Frau. Es ist Anja Giercke, die VHH-Pressesprecherin. Sie lässt es sich nicht nehmen, den Busfahrer auf der ersten Tour persönlich zu begleiten. Der lächelt, als er die Tür öffnet. Drinnen ist alles blitzblank. Es riecht nach neuem Auto. Die 47 Sitze sind mit grauem Stoff bezogen. Sie haben Sicherheitsgurte und sind nach hinten leicht ansteigend in Fahrtrichtung angeordnet. Stehplätze gibt es nicht.

Stehplätze gibt es nicht – aus Sicherheitsgründen

„Damit wir den eng kalkulierten Fahrplan einhalten können, fährt der Bus auf der Autobahn auch schon mal Tempo 100“, sagt die VHH-Sprecherin. „Da ist Stehen nicht erlaubt.“ Damit erübrigt sich die Frage nach der Fahrradmitnahme im Bus. „Nicht gestattet“, lautet die Antwort. Ein Manko, dass sich wegen der Bauart des Busses und der Verkehrsvorschriften vorerst auch nicht lösen lassen wird. Für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen ist dagegen in der Mitte des Busses genug Platz.

Hammouda lenkt das nagelneue Gefährt auf die Autobahn. Noch schläft die Stadt. Es regnet in Strömen. Ruhig gleitet der Eilbus durch die Dunkelheit dahin. Die Tachonadel zeigt Tempo 110. Blaue Schilder weisen den Weg. Von der A 1 geht es weiter über die A 25 nach Bergedorf.

Wie kommt es überhaupt zu dem überraschenden Nahverkehrsangebot im Hamburger Süden? „Wir haben eine Bedarfsanalyse gemacht“, sagt Giercke. „Unsere Zielgruppe sind vor allem Berufspendler zwischen Harburg und Bergedorf. Sie können jetzt bequem mit dem Bus fahren – ohne Umsteigen und schneller als mit der Bahn.“ Zudem verspricht sie sich von der Express-Linie eine Entlastung des Hauptbahnhofes.

Um 5.25 Uhr verlässt der Bus die Autobahn und schlängelt sich bei Nettelnburg durch ein Wohngebiet. Noch immer sind nur wenige Fenster erleuchtet. Noch immer ist niemand zugestiegen. „Nächste Station ist Bahnhof Bergedorf. Sie haben Anschluss an die S-Bahn und die Regionalbahnen. Unsere Fahrt endet dort“, ertönt einen sanfte Stimme aus dem Äther kurz vor dem Fahrtziel auf Höhe des Obi-Marktes.

Pünktlich um 5.35 Uhr trifft der Bus im Bahnhof Bergedorf ein. Außer einem jungen Pärchen, das von der letzten Nacht übrig geblieben ist, ist weit und breit niemand zu sehen.

Zeit für einen Kaffee. „Die Strecke lässt sich sehr gut fahren“, sagt der Busfahrer. Aber was ist, wenn die Straßen einmal nicht frei sind, spätestens im Sommer, wenn die Ostsee-Urlauber die A 1 verstopfen? „Bei Stau nehme ich die Alternativroute über die B 4/B 75“, sagt Hammouda und zückt seinen Plan.

Pünktlich um 6.04 geht’s zurück nach Harburg – auch diesmal (noch) ohne reguläre Fahrgäste. Das dürfte sich indes rasch ändern, wenn sich herumspricht, dass der neue Eilbus zwischen Harburg und Bergedorf fährt. „Wie viele Fahrgäste den Bus tatsächlich nutzen, muss sich noch erweisen. Dann wird der Fahrplan nachjustiert“, sagt Anja Giercke. Um Fahrgästen den neuen Bus schmackhaft zu machen, werden sie heute mit Blumen und Äpfeln aus dem Alten Land begrüßt.

Eine Fahrkarte kostet 3,30 Euro

Der Eilbus E 30 fährt tagsüber außer sonntags im 30-Minuten-Takt ab Harburg Rathaus nach Bergedorf und zurück. Ein Einzelfahrschein kostet 3,30 Euro. Ein Zuschlag wird nicht erhoben.

Zwischenstationen ab Harburg Rathaus sind Knoopstraße/Bremer Straße, Moorstraße, Bahnhof Harburg, Felix-Jud-Ring (Mitte), Michael-Pritzl-Weg, Von-Scheliha-Straße, Nettelnburg (Süd), Oberer Landweg (Eisenbahnbrücke) und Kurt-A.-Körber-Chaussee. Michael-Pritzl-Weg entfällt in der Gegenrichtung. Dafür hält der Bus am Curt-Bär-Weg und am Marie-Henning-Weg.

Die Busflotte ist neu. Es fahren dieselbetriebene Volvo-Busse mit Automatikgetriebe.