Harburg
SAGA-Bauten

In Neuenfelde wird wieder gebaut

Optisch erinnern die geplanten SAGA-Bauten an norddeutsche Bauernhäuser. Innen bieten sie mehreren Haushalten Platz.

Optisch erinnern die geplanten SAGA-Bauten an norddeutsche Bauernhäuser. Innen bieten sie mehreren Haushalten Platz.

Foto: Wegener Architekten BDA / B. Kathmann Bauunternehmung GmbH u. Co. KG / xl

Nach Abriss von 20 alten Gebäuden errichtet die SAGA 55 neue Wohnungen im historischen Kern des Dorfs.

Neuenfelde.  Eineinhalb Jahrzehnte Geisterstraßenflair werden an der Hasselwerder Straße demnächst zu Ende gehen, erfuhren die Anwohner vergangene Woche bei einer Informationsveranstaltung. Die städtische SAGA-Unternehmensgruppe stellte die Häuser vorstellt, die sie im Straßenzug Hasselwerder Straße/Organistenweg errichten will. Dass neu gebaut wird, hatte die SAGA schon länger beteuert.

Einige Neuenfelder mochten allerdings nicht mehr daran glauben. Immerhin wurde auch zuvor schon ein baldiger Baustart versprochen, ohne dass danach etwas geschah. Nach dieser Info-Veranstaltung herrscht wieder Zuversicht vor. Vor allem die Häuser-Entwürfe der Architekten aus dem Büro Wegener kamen bei den Anwohnern gut an. „Die werden sich gut ins Dorfbild einpassen“, sagt Manfred Hoffmann von der Bürgervertretung Neuenfelde. „Da hatten ja einige Schlimmeres befürchtet.“

Vom Äußeren werden sich die Gebäude „in Ihrer Größe und Gestaltung behutsam in den Altbestand eingliedern, damit langfristig die besondere städtebauliche Eigenart und Gestalt in diesem Quartier gewahrt werden kann“, sagt SAGA-Sprecher Gunnar Gläser. Die Häuser sind als eingeschossige Kreuzgiebelbauten angelegt und ähneln einfachen Altländer Häusern.

Innen allerdings bieten sie mehr Haushalten Platz: In der Reihenhausvariante bis zu vier, in der Mehrfamilienhausvariante bis zu acht Wohneinheiten. Der Reihenhauseindruck wird vermieden, indem die Endhäuser die Eingänge an der Giebelseite haben.

55 Wohneinheiten, 18 davon in Mehrfamilien- der Rest in Reihenhäusern, will die SAGA neu bauen. 20 Häuser hatte sie auf den Baugrundstücken abgerissen. Es findet also eine gewisse Nachverdichtung statt. Dennoch freuen sich die meisten Neuenfelder, denn gerade viele, die ihr Elternhaus verlassen haben, wollen gerne in dem dörflichen Stadtteil wohnen bleiben, finden dort aber weder Wohnungen noch Bauland.

In den Mehrfamilienhäusern sollen öffentlich geförderte Wohnungen mit zwei bis dreieinhalb Zimmern entstehen. Weitere 37 frei finanzierte Wohnungen werden mit drei bis fünf Zimmern in Reihenhäusern gebaut. Es sind daher verschiedene Haustypen und unterschiedliche Fassadengestaltungen – Klinker und Putz – geplant. Für jede Wohnung ist jeweils ein PKW-Stellplatz vorgesehen. Hinzu kommen Fahrradstellplätze und Spielflächen in den Außenanlagen. Anwohner kritisierten die Zahl der Parkplätze als zu gering. Sie fürchten, dass viele Autofahrer ihren Wagen einfach auf der Straße abstellen werden.

Dass sich die Hasselwerder Straße und einige umliegende Straßen zunehmend entvölkerten, hängt mit dem langen Tauziehen um die Airbus-Startbahn-Erweiterung zusammen. Um juristische Klagen gegen eine mögliche weitere Verlängerung schon im Vorwege zu verhindern, hatte die Stadt zwischen 2002 und 2006 67 Häuser in der Einflugschneise aufgekauft. Seitdem standen sie leer. Vor allem an der Hasselwerder Straße, die dem alten Deichverlauf folgt und in den historischen Ortskern Neuenfeldes führt, fiel das negativ auf.

2010 kam ein juristisches Gutachten zu dem Schluss, dass mögliche Anwohner der Straße höchstwahrscheinlich keine juristische Handhabe gegen eine Starbahnverlängerung hätten. Damit war keine Notwendigkeit mehr gegeben, die Gebäude leer stehen zu lassen. Dennoch dauerte es, bis wieder Leben in die Häuser kam. Zwischendurch hatte es einen Regierungswechsel gegeben und der neue Senat unter Olaf Scholz hatte erst einmal die städtische Immobilienstruktur neu geordnet. Am Ende des Prozesses waren so gut wie alle Wohnimmobilien der SAGA zugeordnet – auch die Häuser in Neuenfelde.

Die SAGA machte Bestandsaufnahme. Einige Häuser vermietete sie sofort wieder. Andere musste sie nach dem langen Leerstand erst sanieren und vermietete sie später. Für 20 Häuser sah die SAGA keine Sanierungschance mehr und ließ sie abreißen. Das wiederum verunsicherte die neuen Mieter.

„Mit der Informationsveranstaltung jetzt wurde neues Vertrauen geschaffen“, sagt Gudrun Schittek (Grüne), Vorsitzende des Regionalausschusses Süderelbe, „deshalb haben Herr Hoffmann, der Regionalbeauftragte des Bezirksamts, Achim Geerdts und ich ja auch so darauf gedrängt, dass die Anwohner informiert werden.“

Auch Manfred Hoffmann freut sich. „Die Zeiten des langen und unerträglichen Wartens auf die Beendigung eines städtebaulich äußerst desolaten Zustandes hier im Bereich des Neuenfelder Ortskerns dürften vorbei sein“, sagt er.

Neuenfelde

Das Dorf Neuenfelde gibt es erst seit 1929. Zuvor waren das Altländer Dorf Nincop und die ursprünglich sächsische Insel Hasselwerder zwei eigenständige Gemeinden. Ihre Infrastruktur teilten die Dörfer aber schon ab dem 15. Jahrhundert: Kirche, Schule und später Postamt wurden von beiden Dörfern genutzt und getragen. Der berühmteste Neuenfelder ist Orgelbauer Arp Schnitger (1648 – 1719). Lebende Neuenfelder Promis sind der Schauspieler Konstantin Graudus und der Fußballer Deniz Baris.