Harburg
Merkel-Nachfolge

Harburgs CDU-Delegierte uneins in der Kandidatenfrage

André Trepoll

André Trepoll

Kreischef Uwe Schneider ist für Friedrich Merz. André Trepoll, über die Bürgerschaftsfraktion delegiert, wird spontan entscheiden

Harburg.  Jens Spahn, Friedrich Merz oder Annegret Kramp-Karrenbauer? Die Frage, wer die CDU in den nächsten Jahren führen soll, stellt die Parteimitglieder nicht nur bundesweit vor eine schwierige Entscheidung. Auch im Bezirk, beziehungsweise CDU-Kreis Harburg gibt es kein einheitliches Bild. Immerhin geht es bei der Frage des Vorsitzes nicht nur um Personen auf Posten, sondern um Programmfragen. Zwei Delegierte aus dem Bezirk Harburg nehmen am Bundesparteitag der CDU teil und heute Abend ihre Stimme ab: Uwe Schneider und André Trepoll.

Dass zwei Delegierte aus einem Hamburger CDU-Kreis kommen, ist ungewöhnlich, denn in Hamburg ist die CDU nicht so mitgliederstark, wie in anderen Bundesländern. Harburg stellt auch gar nicht zwei Delegierte, sondern nur einen, nämlich den Kreisvorsitzenden Uwe Schneider.

André Trepoll hat sein Delegiertenmandat beim Bundesparteitag nicht über den CDU-Kreis, sondern in seiner Eigenschaft als Fraktionsvorsitzender der CDU in der Hamburgischen Bürgerschaft. Somit vertritt Trepoll einen größeren Querschnitt der Parteifreunde.

Doch auch im CDU-Kreis Harburg sind sich nicht alle Parteifreunde einig: Vor zwei Wochen positionierte sich der Ortsverband Harburg-Mitte öffentlich für Annegret Kramp-Karrenbauer. „In Diskussionen im Ortsverband und an Informationsständen hat sich für uns eine Reihenfolge ergeben, bei der Kramp-Karrenbauer vorne liegt“, sagt die Mitte-Vorsitzende Helga Stöver, „danach kommen Friedrich Merz und Jens Spahn.“

Gleich am Tag danach verdeutlichte der Kreisvorsitzende Uwe Schneider jedoch, dass der Kreis Merz bevorzugt.

Nicht nur deshalb will Schneider auch für Friedrich Merz stimmen. „Merz kann der CDU ein klares, konservatives Profil zurückgeben“, sagt Schneider, „Annegret Kramp-Karrenbauer wäre hingegen eine Art Merkel 2.0 und ich glaube, diese Politik verfängt beim Wähler nicht mehr.“

Das konservative Profil, das sich Schneider von Merz verspricht, könnte er sich auch vorstellen, wenn Jens Spahn den Parteivorsitz übernähme. „Aber jetzt ist die Chance für Friedrich Merz da“, sagt er. „Jens Spahns Zeit kommt noch und ich freue mich drauf.“

Anders, als der CDU-Kreis Harburg gibt die CDU-Bürgerschaftsfraktion ihrem Delegierten keinen klaren Auftrag mit. André Trepoll muss selbst eine Präferenz finden – und macht sich das nicht leicht. Trepoll, will sich kurz vor der Abstimmung morgen entscheiden. „Mein Bauch sagt, Friedrich Merz wäre jetzt eine gute Wahl. Mein Kopf sagt, Annegret Kramp-Karrenbauer“, sagte er der dpa.

Letztlich, so Trepoll, gebe es schon einen Gewinner: Die Partei. „Der Wahlvorgang und die Diskussionen haben die CDU revitalisiert.“