Harburg
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Er verhilft Menschen mit Behinderung zur Selbstständigkeit

Mathias Bernhold kümmert sich als Betreuer der Wohngruppe am Harburg Carrée um die Bewohner mit Behinderung.

Mathias Bernhold kümmert sich als Betreuer der Wohngruppe am Harburg Carrée um die Bewohner mit Behinderung.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Der Abendblatt-Adventskalender: Menschen, die Türen öffnen. Heute: Mathias Bernhold von der Wohngruppe im Harburg Carrée.

Harburg. Wenn Mathias Bernhold seinen Beruf beschreiben würde, würde er den Begriff „Möglichmacher“ wählen. Das klingt nicht nur besser als Heilerzieher, es beschreibt seine Aufgabe auch weitaus treffender. Der 44-Jährige arbeitet als Betreuer in einer Wohngruppe im Harburg Carrée. Dort leben in zwei großen Wohnungen jeweils acht Erwachsene mit Behinderung in einer Hausgemeinschaft zusammen. Menschen, die Unterstützung im Alltag brauchen, weil sie körperlich, geistig oder psychisch beeinträchtigt sind.

Mathias Bernhold und seine 13 Kollegen sind Tag und Nacht für die Bewohner da. Sie kümmern sich um die Versorgung und Pflege der schwer Behinderten, genauso wie um die Zukunftsplanung jener Bewohner, die das stationäre Wohnangebot vornehmlich zur Vorbereitung auf eine ambulante Wohnung nutzen.

Ihnen ihre Zukunft möglich zu machen, sie auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit zu begleiten, ist eine der wichtigen Aufgaben von Mathias Bernhold. „Wir arbeiten personenzentriert, stellen den Bewohner mit seinen Interessen, Bedürfnissen und Wünschen in den Mittelpunkt“, sagt Bernhold. Manchmal geht es allein darum, den Alltag mit seinen Hindernissen zu meistern. Manchmal geht es aber auch um die persönliche Zukunftsplanung. Dann nämlich, wenn eine Person sich dazu entschließt, sich im Leben zu verändern.

„Wir versuchen gemeinsam, die Wünsche zu artikulieren und zu schauen, wie diese erreicht werden können“, sagt der Betreuer. „Das geht von beruflicher Veränderung bis hin zur Wahl einer anderen Wohnform.“ Seine Aufgabe ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, aber auch Grenzen zu setzen, wenn Wunsch und Wirklichkeit zu weit auseinander gehen. Wie bei einem Bewohner, der unbedingt seinen Führerschein machen wollte, obwohl er Epileptiker war. „Ich musste ihm klar machen, dass er das nie schaffen wird“, sagt Mathias Bernhold. „ Also hat er sich der Thematik Führerschein angenähert, indem er sich erstmal mit den Theoriebögen beschäftigt hat.“

Die Mitarbeiter begleiten die Bewohner zu Arztbesuchen, gehen mit ihnen einkaufen und kümmern sich um den Kontakt zu den Angehörigen. Wenn es die Zeit erlaubt, machen sie gemeinsam einen Ausflug. Doch weil die Zahl der Mitarbeiter stetig weniger wird, sind solche überwiegend nur noch am Wochenende möglich. Dann spürt Mathias Bernhold, dass das Wort Inklusion noch immer eine mehr oder weniger leere Worthülse ist.

„Uneingeschränkte Teilhabe für alle gibt es nicht“, sagt er. Wie schwierig es ist, Menschen mit Behinderung unter jene zu bringen, die kein Handicap haben, erlebt er jetzt bei einem neuen Projekt, das er Anfang 2018 gestartet hat. Dabei geht es zu erweitern. Mit vielen klassischen Seniorenangeboten hat er bereits Kontakt aufgenommen, um Kooperationen auf den Weg zu bringen. Bei vielen stellt die Zielgruppe Senioren mit Behinderung aber vorerst eine Überforderung dar. Bernhold hofft, dass er das Projekt dennoch zum Erfolg führen kann. Für die Zukunft wünscht er sich daher mehr Offenheit. „Wir müssen Räume schaffen, in denen eine Willkommenskultur vorhanden ist“, sagt er. „Wir müssen den Senioren mit Behinderung die Türen öffnen.“