Harburg
Dibbersen

Tankstellen werden zu Frische-Supermärkten

Foto: Peter Becker / Lutz Kastendieck

Die Aral-Station in Dibbersen erhält einen „Rewe ToGo“-Shop mit mehr als 1200 Produkten.

Buchholz.  Wer dieser Tage bei Aral in Dibbersen tankt, muss seine Rechnung in einem kleinen, schmucklosen Container begleichen. Der Tankshop ist gerade von Bauzäunen umgeben, weil er komplett umgestaltet wird. Wenn alles läuft, wie geplant, dann präsentiert sich die Station ab Donnerstag, 20. Dezember, mit einem neuen Frischemarkt unter dem Label der Einzelhandelskette Rewe.

„Für viele Bewohner der Dörfer Dibbersen und Dangersen dürfte das wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk sein“, sagte Ortsbürgermeister Christian Horend (CDU) dem Abendblatt. Angesichts der Tatsache, dass in den Vororten von Buchholz schon seit Jahrzehnten keine Waren des täglichen Bedarfs mehr angeboten werden, bedeute die Umrüstung des Aral-Shops eine spürbare Verbesserung der Grundversorgung. „Natürlich ersetzt solch ein Minimarkt keine Filiale eines Vollsortimenters. Aber die Dörfer werden von dem neuen Angebot sicher profitieren“, so Horend.

Der Umbau der Aral-Station in Dibbersen ist Teil der Wachstumsoffensive des Marktführers unter den Mineralölgesellschaften der Republik. „Nur mit Sprit und Diesel lässt sich eine Tankstelle schon lange nicht mehr wirtschaftlich betreiben“, sagt Aral-Sprecher Detlef Brandenburg. Inzwischen entfallen 61 Prozent des Ertrags der Betreiber auf das so genannte Shopgeschäft, 19 Prozent auf Autowäschen und nur 11 Prozent auf den Verkauf von Kraft- und Schmierstoffen.

Besondere Wachstumschancen verspricht hingegen der Food-Service. Mit der Konzentration auf die Kaufmotive Hunger und Durst entwickelte Aral schon 2004 das Konzept „PetitBistro“. Zentraler Punkt war die kontinuierliche Erweiterung des Angebots an Speisen und Getränken. Betrug der Umsatz im Food-Service-Bereich vor Einführung der PetitBistros noch rund 132 Millionen Euro, so lag er 2012 schon bei 175,8 Millionen Euro. 2017 stieg er auf die neue Bestmarke von 212 Millionen Euro.

Großen Anteil daran hat die strategische Partnerschaft mit dem Handelskonzern Rewe. Daraus entstand das innovative Vertriebsformat „Rewe ToGo“. Angelehnt ist es an das Convenience-Konzept für „bequemes Essen“, das für „Hochfrequenzlagen“ wie Bahnhöfe oder Einkaufsstraßen entwickelt worden war.

„Wir nutzen unsere Kernkompetenz für frische Lebensmittel und haben mit Rewe ToGo ein Konzept entwickelt, das den Kunden eine attraktive und schnelle Alternative für die Unterwegsversorgung in der Mittagspause und beim schnellen Einkauf auf dem Nachhauseweg bietet“, erklärte Oliver Mans, in der Rewe Geschäftsleitung unter anderem für innovative Konzepte verantwortlich, seinerzeit. „Rewe ToGo“ stehe für eine Welt in Bewegung und für veränderte Verzehrgewohnheiten.

2013 wurde das Konzept in einer Pilotphase an zehn Standorten in Nordrhein-Westfalen wie Düsseldorf, Köln, Bonn und Bochum erstmals getestet. Bis Ende dieses Jahres werden 460 Aral-Tankstellen umgerüstet sein, darunter die Station in Dibbersen. „Bis Anfang 2021 sollen es bis zu 1000 sein“, so Sprecher Brandenburg.

Das „Rewe ToGo“-Angebot hat sich seit 2013 rasant entwickelt. In der einheitlich gestylten „Food Zone“ finden Kunden heiße und kalte Gerichte. Die Auswahl umfasst Hähnchen, Frikadellen, Schnitzel und französischen Flammkuchen ebenso wie Sandwiches, Wraps, Sushi, geschnittenes Obst und Gemüse, Salate, Suppen und Desserts wie etwa Apple Crumble.

Hinzu kommen ausgewählte Lebensmittel wie Müsli, Brotaufstriche, Nudeln, Reis, Gewürze, Zucker und Öl, ergänzt durch diverse Backwaren. Aus dem „PetitBistro“-Konzept von Aral bleiben den Kunden zumindest die überaus beliebten kalten und warmen Crossinos erhalten.

„Wir verzeichnen seit Einführung von Rewe ToGo sowohl eine höhere Kundenfrequenz, als auch steigende Umsätze pro Kunde“, zog Patrick Wendeler, Vorstandsvorsitzender von Aral, jüngst Bilanz. Sie übersetze sich bei den frischen Lebensmitteln für den Unterwegsverzehr in zweistelligen und bei denen für daheim in deutlich dreistelligen Prozentzuwächsen.

So ist auch Dibbersens Tankstellenpächter Jens Braunschweig optimistisch, dass seine Kunden das deutlich erweiterte Angebot ab 20. Dezember annehmen werden. Das Frische-Sortiment von „Rewe ToGo“ umfasse allein rund 1200 Produkte. „Zählt man das bekannte Angebot an gekühlten Getränken und Kaffeespezialitäten, Tabakwaren, süßen und salzigen Snacks, Zeitungen und Zeitschriften, Drogerieartikeln und Autopflegeprodukten hinzu, umfasst unsere Angebot sogar bis zu 3000 Artikel. Damit locken wir ganz sicher auch Bewohner aus Dibbersen und Dangersen, die kein Auto fahren“, so Braunschweig.

85.000 Kaffeegetränke täglich

Aral betreibt in Deutschland 2443 Stationen und ist mit einem Marktanteil von rund 21,5 Prozent, gemessen am Kraftstoffabsatz, Marktführerschaft in Deutschland.

Das Unternehmen hat seinen Sitz seit 1898 in Bochum und erfand 1924 den ersten Super-Kraftstoff der Welt, zusammengesetzt aus Aromaten und Aliphaten. Daher der Firmenname Aral.

Mehr als 85.000 Kaffeegetränke verkauft Aral täglich und ist damit erfolgreichster „Coffee ToGo“-Anbieter des Landes.

15 Mio. Autowäschen wurden im Vorjahr an den 1200 gesellschaftseigenen Stationen gezählt und damit mehr als 100 Millionen Euro umgesetzt. Statistisch gesehen ließ jeder dritte Autofahrer sein Fahrzeug mindestens einmal beim Anbieter Aral waschen.

Rewe gehört mit einem Gesamtumsatz von 17,7 Milliarden Euro (erhoben 2015), rund 119.000 Mitarbeitern und mehr als 3000 Märkten zu den führenden Lebensmittelhändlern der Republik.