Harburg
Parteitag

CDU-Kandidaten treffen sich in Harburg

Marcel Neitzel, stellvertretender Hoteldirektor im Privathotel Lindtner, bereitet den Saal für deie NRW-Delegation vor.

Marcel Neitzel, stellvertretender Hoteldirektor im Privathotel Lindtner, bereitet den Saal für deie NRW-Delegation vor.

Foto: Lars Hansen / xl

Die Nordhrein-Westfälische Delegation der CDU ist die größte, die nach Hamburg zum Parteitag kommt. Vorabend-Meeting im Hotel Lindtner

Heimfeld.  Die Vorbereitungen laufen routiniert: Über die Hälfte der 48 Tische steht bereits im großen Saal des Privathotel Lindtner, ständig bringen Angestellte und Azubis neue Tische und Stühle herein. Heute kommen 400 Gäste. Das ist im Heimfelder Privathotel Lindtner nicht ungewöhnlich. So viele Gäste fasst der Saal. Aber diese 400 Gäste heute könnten Geschichte schreiben – oder an diesem Abend zumindest das Vorwort von Geschichte. Gut möglich, dass der nächste Kanzler der Bundesrepublik heute hier mit seinen Parteifreunden anstößt.

Heute kommen im Lindtner die Bundesdelegierten des Landesverbands Nordrhein-Westfalen der Christlich-Demokratischen Union (CDU) zu ihrem Delegiertentreffen am Vorabend des Bundesparteitags zusammen. Unter ihnen sind zwei der drei aussichtsreichsten Kandidaten für den CDU-Bundesvorsitz: Friedrich Merz, Anwalt aus Brilon und Jens Spahn, Politikwissen­–schaftler aus Ahaus. Dem Bundesvorsitzenden werden beste Chancen nachgesagt, Kanzlerkandidat der CDU zu werden und dass die CDU den oder die nächsten Kanzler oder Kanzlerin stellt, ist zwar keine ausgemachte Sache, aber von allen Ausgängen der nächsten Bundestagswahl der wahrscheinlichste.

Erst einmal muss der Parteitag – er findet in den Hamburger Messehallen statt – jedoch am Freitag bestimmen, wer in Zukunft der CDU vorsitzt. Da hat die nordrhein-westfälische CDU ein gewaltiges Wörtchen mitzureden, denn sie stellt nicht nur zwei aussichtsreiche Kandidaten, sondern auch fast ein Drittel der Delegierten. Würden diese alle geschlossen abstimmen, ginge an ihnen vorbei kaum etwas. Allerdings hat der Landesverband Nordrhein-Westfalen beschlossen, nicht geschlossen abzustimmen – und da wird der Delegiertenabend interessant. Beide Kandidaten können hier noch Delegierte auf ihre Seite bringen – sehr viel besser, als auf dem Parteitag selbst.

„Als die CDU Nordrhein-Westfalen uns mit der Ausrichtung des Delegiertenabends beauftragte, ging es noch um einen ganz normalen Termin für einen netten Abend“, sagt Marcel Neitzel. „Das hat einiges an Brisanz gewonnen, seit Angela Merkel angekündigt hat, nicht mehr für den CDU-Vorsitz zu kandidieren – und es zieht jetzt Aufmerksamkeit auf sich.“

Der Delegiertenabend hat für die CDU Nordrhein-Westfalens Tradition. Das Bundesland ist groß und weitläufig. Viele CDU-Aktive der mittleren Ebene sehen sich nur zu solchen Gelegenheiten. Der heutige Abend ist eine informelle Zusammenkunft ohne großes Programm. „Es wird ein Drei-Gänge-Menü geben“, verrät Marcel Neitzel im Vorwege. „Zwischen Aperitif und Vorspeise wird der Landesvorsitzende Armin Laschet eine Begrüßungsrede halten und es wird eine kurze Podiumsdiskussion stattfinden. Dann tragen wir auf.“

20 Servicekräfte werden im großen Saal arbeiten, damit alles glatt läuft. In der Küche sind noch einmal 20 Mitarbeiter damit beschäftigt, dass dreimal 400 Teller gleichzeitig geschickt werden können. Parallel dazu laufen im Lindtner noch zwei weitere große Feiern. Auch das ist nichts Ungewöhnliches: Insgesamt verfügt das Privathotel über 21 Säle und Lounges, die alle parallel belegt und bedient werden können. Das Stammpersonal besteht aus 100 Angestellten.

Übernachten wird die Nordrhein-Westfälische Delegation nicht im Lindtner. Dafür sind es zu viele Delegierte. Das Hotel ist zwar groß, aber auch exklusiv – und Exklusivität braucht Platz. Immerhin 128 Zimmer und Suiten bietet das Haus. Für 296 Delegierte plus Parteimitarbeiter plus eventuelle Begleitungen reicht das nicht aus. Friedrich Merz hat seine Gattin mit zum Delegiertenabend angemeldet, Jens Spahn seinen Lebenspartner. Ein Vorabtrupp der CDU ist seit gestern im Lindtner um sicherzugehen, dass zum Delegiertenabend alles in Ordnung ist.

Das Vorauskommando hat wenig zu tun, denn Neitzel und seine Leute haben bislang alles im Griff. Auch die Sicherheitsvorkehrungen – immerhin ist der Landesvorsitzende Armin Laschet auch Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Kandidat Spahn aktuell Bundesminister für Gesundheit – bringen Neitzel nicht aus der Ruhe: „Das kennen wir in unserer Branche“, sagt er, „die Herren bringen eigene Sicherheitsbeamte mit, damit haben wir nichts weiter zu tun.“

Beinahe hätte der Delegiertenabend allerdings verlegt werden müssen. Vor wenigen Wochen kündigte Hamburg Wasser kurzerhand an, die Zufahrtsstraße zum Hotel aufzugraben und komplett zu sperren. Erst die beherzte Intervention der Lindtner-Geschäftsführung stoppte diese Planungen. Jetzt wird abschnittsweise gebaut. Bälle und Weihnachtsfeiern sind gerettet.