Harburg
Theater

Wie „Die Wortlose“ ihre Sprache wiederfindet

Die Protagonistin Renate befreit sich von ihren Fesseln

Die Protagonistin Renate befreit sich von ihren Fesseln

Foto: freies eisenacher burgtheater

Ein beeindruckendes Theaterstück zum Thema häusliche Gewalt wird in Holm-Seppensen gezeigt

Holm-Seppensen.  Vom Ehemann wird Renate jahrelang gedemütigt und drangsaliert – bis sie schließlich zur Mörderin wird. Dann beginnt ihre Aufarbeitung: Das Theaterstück „Die Wortlose“ schildert, was Mitarbeiterinnen in Beratungsstellen oder Frauenhäusern immer wieder erleben: die ganz alltägliche häusliche Gewalt. Das Stück wird an diesem Freitag im Kulturbahnhof Holm-Seppensen aufgeführt. Veranstalter ist der Arbeitskreis der Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Harburg.

Renate, gespielt von Susanne Kloß, erzählt in dem Ein-Personen-Stück von Wilfried Happel die Geschichte ihrer Befreiung. Renate, das Mauerblümchen der Schulklasse, ist hoffnungslos verliebt in Rainald Rommel. Doch der quält sie, zunächst als Mitschüler und später in ihrer Ehe. Renate gibt lange keinen Ton von sich, doch irgendwann nimmt sie die Gerechtigkeit selbst in die Hand und erschlägt ihren Mann, um ihr Martyrium zu beenden. Dann beginnt die Aufarbeitung: Im Gefängnis findet „Die Wortlose“ ihre Sprache wieder, Worte sprudeln aus ihr heraus und verwandeln sie.

Das Schweigen brechen, den Wortlosen eine Stimme geben – das wollen auch die Gleichstellungsbeauftragten, wenn es um häusliche Gewalt geht. „Wie im Stück wird häufig nach außen eine heile Welt vorgegaukelt, bis Demütigungen, Gewalt und Beleidigungen nicht mehr zu ertragen sind“, weiß Andrea Schrag, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Harburg. „Das Thema häusliche Gewalt ist immer noch mit einem Tabu belegt.“ Etwa 100.000 Fälle an häuslicher Gewalt kommen pro Jahr bundesweit zur Anzeige. „Die Dunkelziffer ist um einiges höher, da viele Betroffene aus Angst oder vor Scham lieber schweigen, anstatt sich gegen ihre Peiniger zu wehren, die meistens im direkten Umfeld zu finden sind“, sagt Schrag.

Im Landkreis Harburg hilft die Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt BISS den Betroffenen. Doch sie darf laut Förderrichtlinie nur die Erstberatung anbieten – im vergangenen Jahr hatten so immerhin 309 Frauen im Landkreis Kontakt zu Dörthe Heien, Mitarbeiterin der BISS. Andrea Schrag weist darauf hin, dass bundesweit Hilfs- und Unterstützungsangebote ausgebaut werden.

„Die Wortlose“, Freitag, 7. Dezember, 19.30 Uhr, Kulturbahnhof Holm-Seppensen, Bahnhofsweg 4, Eintritt frei