Harburg
Traditionshaus

Hotel Heimfeld wird dicht gemacht: Der Pächter gibt auf

Im Hotel Heimfeld residierten unter anderem Helmut Kohl und Roberto Blanco

Im Hotel Heimfeld residierten unter anderem Helmut Kohl und Roberto Blanco

Foto: Jörg Riefenstahl

Drei-Sterne-Haus schließt. Sanierungsbedürftige Gründerzeit-Villen stehen zum Verkauf. In den 70er-Jahren residierten hier die Stars

Harburg.  Das Hotel Heimfeld schließt seine Pforten. Ende des Jahres endet der Hotelbetrieb in dem Traditionshaus an der Heimfelder Straße. Das teilte der Pächter des Dreisterne-Hotels gestern dem Abendblatt mit. Der Hotelier will das Gebäude und das Grundstück Anfang des Jahres räumen und dem Anwalt der Eigentümerin am 10. Januar übergeben. Damit endet nach vielen Jahrzehnten der Hotelbetrieb an der Heimfelder Straße 91.

„Wir hätten sehr gern weitergemacht“, sagte der Pächter dem Abendblatt, der das Hotel seit fünf Jahren führt. Das Haus sei stets gut gebucht gewesen, es sei stark frequentiert. Mit der Inhaberin des Hauses habe sich jedoch keine für ihn akzeptable Einigung erzielen lassen. Seit Längerem schwelt ein Rechtsstreit zwischen dem Gastronomen und der Tochter der 94 Jahre alten Eigentümerin des Hauses, deren Vormund sie zugleich ist. Seit Anfang des Jahres versucht die Tochter, das Hotel mit dem Nebengebäude samt Grundstück zu verkaufen – allerdings ohne den Pächter.

Weil der bisher nicht weichen wollte und sich auf eine vor längerer Zeit angeblich mündlich zugesicherte Pachtvertragsverlängerung der Eigentümerin berief, hatte ihr Vormund über ihren Rechtsanwalt beim Landgericht Hamburg eine Räumungsklage gegen den Pächter angestrengt.

Im Juni kam es zum Prozess – mit Erfolg für die Hausbesitzerin. Das Gericht habe ihm signalisiert, dass er den Prozess gewonnen habe, bestätigte der Anwalt dem Abendblatt. Der Pächter werde das Grundstück freiwillig räumen und übergeben.

Die Mitarbeiter des Hotels wurden gestern vom Pächter über die bevorstehende Schließung informiert. Die festangestellten Mitarbeiter will der Gastronom in einem seiner anderen Betriebe weiterbeschäftigen.

Ob es in der Heimfelder Straße 91 indes jemals wieder einen Hotelbetrieb geben wird, ist fraglich. Fest steht, dass die in die Jahre gekommen Villen, die in den goldenen Zeiten in den 60er- und 70er-Jahren prominente Hamburg-Besucher wie Roberto Blanco, Gerhard Wendland, Bernhard Brink und später Helmut Kohl beherbergten, dringend saniert werden müssen. Insider sprechen von einem Investitionsbedarf von mindestens 500.000 Euro, allein um die Fassade und die Dächer zu erneuern und die heutigen Sicherheitsauflagen für Elektroinstallationen und Brandschutz für einen modernen Hotelbetrieb zu erfüllen.

Was tun? Einen Käufer für das Grundstück zu finden, ist nicht einfach. Abriss und Neubebauung kommt nicht in Frage. Dem steht die Erhaltungssatzung des Bezirks entgegen. Die verbundenen Gebäude seien „im Siedlungszusammenhang des Villengebietes Heimfeld ein wichtiger Baustein der spätgründerzeitlichen Architektur Anfang des 20. Jahrhunderts und spiegelten eine wichtige Epoche der Entwicklung Heimfelds und Harburgs wider“, heißt es vom Harburger Bauamt. Ein Abriss sei aus genannten Gründen nicht zu genehmigen.

Hohe Kosten hatten bereits in der Vergangenheit dazu geführt, dass potenzielle Kaufinteressenten schnell wieder absprangen. Auch der Privathotelbetrieb Lindtner, der auf dem Gelände des Hotels Heimfeld ein Boardinghouse für sein Fünfsterne-Haus errichten wollte, zog sich zurück. Im Sommer wurde ein Preis von 2,5 Millionen Euro für die Immobilie taxiert. Mittlerweile soll der Preis informierten Kreisen zufolge auf 1,7 Millionen Euro gesunken sein. Ernsthaftes Kaufinteresse bekundet nach Abendblatt-Informationen der Immobilienfonds Real Estate. Er wolle auch nach dem Auszug des Pächters seine Kaufverhandlungen fortführen.