Harburg
Regio-Adventskalender

Frank Eberlein kann jedes Schloss überwinden

Frank Eberlein von der Schlüsselzentrale öffnet problemlos jede Tür.

Frank Eberlein von der Schlüsselzentrale öffnet problemlos jede Tür.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Wir präsentieren bis Weihnachten Menschen, die Türen öffnen. Heute in Teil 4: Frank Eberlein von der Schlüsselzentrale.

Harburg.  Türen zu öffnen, das ist sein Metier. Um so verschlossener, desto besser. Es gibt kein Schloss, dass dieser Mann nicht knacken kann. Und wenn er mit der Tür ins Haus fällt, nehmen ihn die Bewohner dafür meistens dankbar in den Arm. Manche brechen sogar in Tränen aus, wenn Frank Eberlein erfolgreich war. Der 52-Jährige verschafft sich binnen von Minuten Zutritt zu den Menschen. Ohne dabei große Worte zu verlieren. Er hat das Werkzeug dazu. Immer parat im Kofferraum.

Eberlein ist Mechaniker, einer von zehn Mitarbeitern der Schlüsselzentrale. Er ist da, wenn im Leben der Menschen eine Tür zugefallen ist, deren Schlüssel zwar vorhanden, aber auf der falschen Seite steckt. Manchmal braucht er dafür nur eine einfache Öffnungskarte, manchmal muss er das ganze Schloss herausfräsen. Das Ende vom Lied ist immer das gleiche. Dann heißt es wie bei Volker Rosins Zirkussong: „Hereinspaziert!“

In entscheidenden Situationen wird der Mann aus Drage damit zur Schlüsselfigur im Leben eines Menschen. „Für die Betroffenen ist es ein schrecklicher Moment, wenn sie merken, dass sie die Haustür nicht öffnen können, weil der Schlüssel drinnen liegt, verloren gegangen ist oder das Schloss klemmt“, sagt Frank Eberlein. „Wenn wir von der Schlüsselzentrale kommen und das Problem lösen, sind die Menschen einfach glücklich.“ Diese Momente sind es, die auch ihm Freude machen.

Es ist eine Aufgabe mit vielen Überraschungen. Als Eberlein auf Anweisung der Polizei eine Wohnungstür öffnen sollte, weil der Briefkasten seit Monaten nicht geleert worden war – und alle vom Schlimmsten ausgingen – stand plötzlich vor dem knieenden Monteur ein nackter Mann, der ihm seine Männlichkeit auf Augenhöhe präsentierte. Ein anderes Mal griff ihm eine Frau beim Öffnen ihres Tresors an den Po. Eberlein war damals mitte 40. Die Kundin doppelt so alt wie er. Sanft aber bestimmt musste er der Dame mitteilen, dass diese Tür verschlossen bleibt.

Bevor der Schlüsseldienst jedoch überhaupt eine Tür öffnen darf, muss nachgewiesen sein, dass die Auftraggeber auch tatsächlich hinter dieser zuhause sind. „Sonst begehe ich Einbruch“, sagt er. Wer für ihn, den „Berufseinbrecher“ Türen im Leben öffnet? „Gute Freunde“, lautet seine Antwort. „Und ich mir selbst.“

Eberlein beherrscht allerdings noch eine weitere Gabe. Er öffnet den Kunden Türen, in dem er sie sicher verschließt. „Wir liefern Schließanlagen und Sicherheitssysteme“, sagt er. „Die Menschen wollen sich sicher fühlen. Und das geht nur hinter verschlossenen Türen.“