Harburg
Regio-Adventskalender 1

Therapiehund Levi erobert die Herzen der Senioren

Therapiehund Levi und sein Frauchen Jennifer Senge besuchen regelmäßig die Bewohner des Seniorenpflegeheims Domicil.

Therapiehund Levi und sein Frauchen Jennifer Senge besuchen regelmäßig die Bewohner des Seniorenpflegeheims Domicil.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Der besondere Adventskalender – Menschen, die Türen öffnen. Heute: Jennifer Senge und ihr Flat-Coated Retriever.

Er kommuniziert ohne Worte. Öffnet Türen allein durch seine Anwesenheit. Wenn Levi den Raum betritt, werden die Gesichter der Bewohner wach, die Mundwinkel ziehen in die Höhe, der Körper strafft sich und die Hand geht in den Streichelmodus. Es ist ein wertvoller Vormittag, den der Flat-Coated Retriever den Menschen in der Heimfelder Seniorenresidenz „Domicil“ schenkt. Jeden Dienstag ist der Therapiehund mit Frauchen Jennifer Senge dort zu Gast. Die Ergotherapeutin und ihr vierbeiniger Assistent verbringen eine im wahrsten Sinne des Wortes gute Stunde mit den alten Menschen.

Gemeinsam wecken sie Erinnerungen bei den Bewohnern, trainieren spielerisch deren Gedächtnis, Motorik, Sprache. „Es geht darum, die Menschen zu aktivieren, sie anzusprechen, Bewegungsabläufe und Handlungsplanung zu üben“, sagt Jennifer Senge. Die 37-Jährige leitet die Therapie. Ihr tierischer Begleiter jedoch ist es, der die Türen zu den Menschen öffnet. „Er dreht quasi den Schlüssel um, damit ich sie aufstoßen kann“, sagt Jennifer Senge. „Ein Hund gewinnt unmittelbar das Vertrauen der Menschen. Und er bringt ihnen Wertschätzung entgegen. Er ist in der Begegnung neutral. Hunde kategorisieren nicht. Sie nehmen die Menschen so, wie sie sind.“

Das ist es, was die Begegnungen so wertvoll machen: der Kontakt mit einem Lebewesen, das sich zuwendet, ohne vorher abzuwägen und bewerten. Für die Pflegeheimbewohner ist diese Stunde mit Levi von unschätzbarem Wert. Also kommen sie, jeden Dienstag, pünktlich um 9.45 Uhr in den Gruppenraum im zweiten Stock. Nicht nur, weil Levi eine willkommene Abwechslung im Alltag ist, sondern auch, weil er ihnen zeigt, was sie noch alles können und wieviel sie erinnern. „Levi arbeitet viel emotionaler“, sagt Jennifer Senge. „Ich erwarte etwas von den Bewohnern, Levi hingegen arbeitet auf Gefühlsebene.“ Das funktioniert. Auch bei jenen Bewohnern, die unendlich müde sind, ihre Hände nur noch schwerlich bewegen können und im Rollstuhl sitzen, passiert etwas, wenn der Hund im Raum ist. Plötzlich heben sie den Kopf, die Hände umfassen das Leckerli, es wird gesprochen und viel gelacht.

Levi macht alles mit, was Jennifer Senge von ihm verlangt. Die beiden verstehen sich allein durch Blickkontakt. Doch die 60 Minuten scheinbaren Spiels und vieler Streicheleinheiten sind für den Hund harte Arbeit. „Er muss viele Eindrücke aushalten, fremde Gerüche, unterschiedliche Menschen mit Erkrankungen“, sagt die Ergotherapeutin. Als Ausgleich belohnt sie ihn mit seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Dummytraining. Sie selbst nimmt von den Begegnungen im Pflegeheim etwas sehr Wertvolles mit: das Gefühl, Gutes getan zu haben. „Mich macht es glücklich, dass ich die Menschen glücklich machen kann“, sagt sie. „Manchmal denke ich darüber nach, wie ich im Alter leben und behandelt werden möchte. Dann sehe ich Levi und hoffe, dass später einmal jemand auch für mich da ist, der mir unvoreingenommen Wertschätzung und Vertrauen entgegenbringt.“