Harburg
Bildung

Musikschule in Seevetal will neue Wege gehen

Michael Ränger leitet die seit 40 Jahren bestehende Musikschule Seevetal seit 1995.

Michael Ränger leitet die seit 40 Jahren bestehende Musikschule Seevetal seit 1995.

Foto: Christiane Tauer

Michael Ränger leitet die Institution in Seevetal seit 1995 – er möchte den Unterricht noch wesentlich flexibler gestalten.

Ob Oboe, Trompete, Schlagzeug oder Klavier – wer in Seevetal ein Musikinstrument erlernen möchte, geht in der Regel zur Musikschule. 40 Jahre lang besteht die Einrichtung mittlerweile, was am 2. Dezember mit einem großen Jubiläumskonzert in der Burg Seevetal gefeiert wird. Schulleiter Michael Ränger will sich aber nicht nur auf den Blick zurück beschränken. Um der Musik auch zukünftig den Stellenwert zu geben, den sie seiner Meinung nach verdient, setzt er alles daran, sie stärker in den normalen schulischen Alltag einzubinden. „Sonst bricht uns irgendwann der berufliche Nachwuchs weg“, mahnt er.

Instrumentalunterricht am Vormittag in einer Grundschule? Anders als beispielsweise in England lässt das deutsche Schulrecht das nicht zu. „Meine Vision ist, dass sich das ändert“, sagt Ränger, der neben seiner Arbeit in Seevetal im Landesverband Niedersächsischer Musikschulen als Beisitzer aktiv ist und sich dort für dieses Thema stark macht. „Die Kinder sind vormittags einfach konzentrierter als am späten Nachmittag oder frühen Abend.“ Durch die Ganztagsschule ist der Musikunterricht zwangsläufig immer weiter nach hinten gerückt. Konnte früher bereits um 14 Uhr der Blockflötenunterricht starten, weil die Schule um 13 Uhr endete, sind viele Kinder heutzutage bis 16 Uhr eingebunden.

Dennoch brauchen sich die aktuellen Zahlen der Musikschule nicht verstecken: Sie stemmt wöchentlich 500 Unterrichtsstunden und hat mehr als 2000 Schüler und 47 Lehrer, die bis auf einige wenige freie Honorarkräfte sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Da mehrere Schüler auch zwei Instrumente erlernen, gibt es insgesamt sogar mehr als 3000 sogenannte Belegungen.

Die Zahlen sind auch deshalb so hoch, weil Schulen und Kindergärten in Seevetal in Projekten mit der Musikschule kooperieren, beispielsweise in Form der musikalischen Frühförderung oder den Bläserklassen in den Gymnasien Hittfeld und Meckelfeld. Auf diese Weise werden jährlich mehr als 800 Schüler zum Musizieren motiviert. Als Michael Ränger 1995 als Leiter begann, sah das noch anders aus. Die Musikschule zählte damals lediglich 438 Belegungen.

Neben den Schul-Kooperationen ist die Musikschule in zwei weiteren Bereichen sehr stark: In der Tanzabteilung und der Musical Company. Mehr als 100 Schülern tanzen und präsentieren jährlich das Tanzspektakel in der Burg, außerdem gibt es das Projekt Bewegtes Lernen (BewL), das von der Fachleiterin Kathi Lausberg-Pielhau entwickelt wurde und an dem die Grundschulen Ramelsloh, Maschen und Meckelfeld teilnehmen. Dabei werden im Unterricht Themen wie Koordination, Körperwahrnehmung, Haltung und Beweglichkeit integriert.

Die Musical Company wiederum hat sich in ihrem mittlerweile dritten Jahr des Bestehens zu einem echten Aushängeschild für ganz Seevetal entwickelt. Nach Produktionen wie etwa „Cats“ oder „Die drei Musketiere“ steht aktuell das Stück „High School Musical“ auf dem Programm. „Wir haben schon jetzt 1500 Tickets verkauft“, berichtet Ränger.

Seit der Gründung im Jahr 2016 haben insgesamt rund 10.000 Besucher die Musical-Aufführungen gesehen. Die Darsteller sind bunt gemischt und werden vom fachlichen Leiter Pascal F. Skuppe für jede Produktion neu gecastet, diesmal sind sie beispielsweise 15 bis 73 Jahre alt. Die seit Anfang des Jahres laufenden Proben und anschließenden mehrmaligen Aufführungen sind als Unterricht gedacht, wenngleich nicht alle Teilnehmer des Musicals Schüler der Musikschule sind.

Um den laufenden Musikschul-Betrieb von der kommerziellen und besonders aufwendigen Musical-Sparte abzugrenzen, gibt es zum 1. Januar eine Neugründung: Die Musical-Aufführungen werden über eine separate UG, also eine Unternehmergesellschaft, laufen. „Das entlastet uns als Musikschule sehr“, so Ränger. An der inhaltlichen Arbeit selbst wird das jedoch nichts ändern. Außenstehende und Schüler werden von der neuen Struktur gar nichts mitbekommen.

Die Musikschule

Gegründet wurde die Musikschule Seevetal im Jahr 1978 nach Gesprächen zwischen Eltern, Musiklehrern und Gemeinderatsmitgliedern, die allen musikalisch interessierten Bürgern qualifizierten und wohnortnahen Musikunterricht ermöglichen wollten.

Unterrichtet wird die gesamte Bandbreite an Instrumenten, wobei Klavier und Gitarre besonders stark nachgefragt werden. Der Blockflötenunterricht hat nachgelassen, immer beliebter werden Querflöte, Klarinette und Saxofon.

Das Jubiläumskonzert zum 40. Geburtstag am Sonntag, 2. Dezember, in der Burg Seevetal beginnt um 15 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen gibt es unter www.musikschule-
seevetal.de.