Harburg
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Zwei Millionen Euro für die Berufsausbildung

Jobcenter Chefin Bettina Wullkotte. Jessica Höch, Arbeitsagentur-Teamleiterin der Arbeitsvermittlung und vom Kundenportal, Harburgs Arbeitsagentur-Chefin Ines Rosowski und Arbeitsagentur-Teamleiterin Arbeitgeberservice, Susanne Peller

Jobcenter Chefin Bettina Wullkotte. Jessica Höch, Arbeitsagentur-Teamleiterin der Arbeitsvermittlung und vom Kundenportal, Harburgs Arbeitsagentur-Chefin Ines Rosowski und Arbeitsagentur-Teamleiterin Arbeitgeberservice, Susanne Peller

Foto: Rolf Zamponi

Arbeitsagentur will finanzielle Hilfen für Qualifizierung im Bezirk Harburg 2019 ausweiten. Arbeitslosigkeit soll weiter sinken.

Harburg.  Mit zwei Schwerpunkt-Themen gehen die Arbeitsagentur und das Jobcenter in Harburg ins neue Jahr. Im Vordergrund steht zum einen die Qualifizierung für Berufsabschlüsse, „Jeder, der will und kann, bekommt von uns 2019 ein Ausbildungsangebot. Das gilt altersunabhängig“, sagt Ines Rosowski, die Chefin der Harburger Arbeitsagentur.

Zudem wird der Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit im Mittelpunkt stehen. Beide Themen passen für den Bezirk, der mit einem hohen Anteil an Ungelernten sowie Menschen mit Migrationshintergrund unter den sieben Hamburger Bezirken die zweithöchste Arbeitslosenquote aufweist.

Klar ist: Die Zuschüsse für Berufs- und Teilabschlüsse sowie für Lohnzuschüsse für Arbeitgeber sollen im kommenden Jahr erneut aufgestockt werden. Schon 2017 flossen in Harburg für die Förderung von Kursen und Ausbildungen allein 1,9 Millionen Euro.

„Wir wollen Menschen ohne Ausbildung dazu bringen, einen Abschluss oder eine Extern-Prüfung zu machen“, erklärt Rosowski. Externe Prüfungen sind für Personen vorgesehen, die vor allem als Helfer, bereits praktische Erfahrungen gesammelt haben. Mit einem Berufsabschluss steigen die Chancen, einen unbefristeten Job zu erhalten, deutlich an.

Denn Fachpersonal wird von Firmen händeringend gesucht. „Dabei sind die Firmen heute eher bereit, Menschen eine Chance zu geben, die auf den ersten Blick keine perfekten Bewerber sind“, sagt Bettina Wullkotte, die Leiterin des Harburger Jobcenters.

Gesucht wird vor allem in den Bereichen Gesundheit und Pflege, Sicherheit, Handel und in der Logistik. Für die Klientel des Jobcenters – entweder Langzeitarbeitslose oder Menschen ohne Ansprüche aus der Arbeitslosenversicherung – hat sich der Arbeitskräftebedarf des US-Inline-Versandriesen Amazon „positiv“ ausgewirkt, wie Wullkotte sagt. Selbst wer im neuen Logistikzentrum in Winsen nur befristet gearbeitet hat, kann danach bei anderen Arbeitgebern auf seine Erfahrungen verweisen.

Die Arbeitslosigkeit im Bezirk ist in diesem Jahr weiter gesunken. Allein im Vergleich zum Oktober 2017 ging die Quote von 8,1 Prozent auf 7,7 Prozent zurück. Nach zehn Monaten liegt die durchschnittliche Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr bei rund 6800. Für das Jahr 2017 lag dieser Wert dagegen noch bei 7179. „Der positive Trend wird sich 2019 fortsetzen“, sagt Rosowski. Sie rechnet damit, dass im kommenden Jahr die durchschnittliche Arbeitslosenquote auf 7,4 Prozent sinken könnte.

Ins Visier rücken derzeit und vor allem für 2019 Langzeitarbeitslose und Menschen, denen nach Monaten ohne Job Langzeitarbeitslosigkeit droht. „Ziel ist es, dass diese Menschen erst gar nicht länger als zwölf Monate ohne Job sind und in Hartz IV wechseln müssen“, sagt Rosowski.

Dafür hat die Arbeitsagentur für 2019 ein 14-Punkte Programm aufgestellt. Enthalten in den Angeboten sind neben Weiterbildungen in Berufe etwa Beratungen mit besonders geschulten Experten, Zuschüsse für Arbeitgeber, die Arbeitslose einstellen (Eingliederung) und eine gemeinsame Informationsveranstaltung von Agentur und Jobcenter nach sieben Monaten Arbeitslosigkeit, also rechtzeitig vor Auslaufen des Arbeitslosengeldes.

Für Alleinerziehende mit Kindern planen die beiden Jobcenter-Standorte Harburg und Süderelbe jetzt zum zweiten Mal eine Messe. Themen sind Kinderbeteuung, Berufsorientierung, und Fördermöglichkeiten für Ausbildungen auch in Teilzeit. Termin ist der 5. Dezember im Sozialen Dienstleistungszentrum, Harburger Rathausforum 1. Ziel ist der Wiedereinstieg in einen Beruf. „Im Bezirk leben 1700 alleinerziehende Kunden, 1156 mit Kindern unter 18 Jahren haben wir eingeladen“, sagt Wullkotte. Bei der Infomesse sind eine Kinderbetreuung und eine Spielecke eingerichtet.

Nach dem Wechsel in der Teamleitung des Arbeitgeberservices der Agentur von Bianka Schrader zu Susanne Peller wird die Arbeitsagentur in Harburg weiter von drei Frauen geleitet. Die Volljuristin Peller kam im August über den Jobcenter Hamburg und die Hamburger Jugendberufsagentur in den Süden der Hansestadt. Als zweite Teamleiterin ist Jessica Höch seit eineinhalb Jahren für die Arbeitsvermittlung und das Kundenportal verantwortlich. Ines Rosowski leitet die Agentur nun seit neun Jahren.

Jobcenter

Jobcenter betreuen die Bezieher von Arbeitslosengeld II („Hartz IV“). Im Jobcenter arbeiten die gemeinsamen Einrichtungen (gE) der Bundesagentur für Arbeit (BA) und eines kommunalen Trägers (zum Beispiel einer Stadt) zusammen.

Zu den Aufgaben der Jobcenter gehört es, den Lebensunterhalt von Arbeitsuchenden finanziell durch eine Grundsicherung zu gewährleisten. Die Kunden des Centers werden zudem an potenzielle Arbeitgeber vermittelt. Vom Jobcenter aus werden Eingliederungsmaßnahmen und die berufliche Weiterbildung gefördert.

Betroffenen Menschen werden Suchthilfe, eine Schuldnerberatung oder auch psychosoziale Betreuung angeboten. Die Grundlage für die Arbeit der Jobcenter ist das Sozialgesetzbuch II.