Harburg
Seevetal

Städtepartnerschaft soll aufleben

Ingrid Ahlers-Karlsson, die Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins Seevetal-Decatur, will den Verein in der Öffentlichkeit bekannter machen 

Ingrid Ahlers-Karlsson, die Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins Seevetal-Decatur, will den Verein in der Öffentlichkeit bekannter machen 

Foto: Christiane Tauer

Neue Vereinsvorsitzende will Kontakte zwischen Seevetal und Decatur vertiefen. Junge Nachrücker werden gesucht

Seevetal.  Erst wollte Ingrid Ahlers-Karlsson gar nicht. Doch als klar war, dass der Städtepartnerschaftsverein Seevetal-Decatur vor dem Aus stehen würde, sollte sich kein neuer Vorsitzender finden, kandidierte sie doch. Die gebürtige Schwedin hatte gerade die Vorstandsarbeit in der schwedischen Landeskirche in Hamburg aufgegeben und wollte es ruhiger angehen lassen. Daraus wurde aber nichts. Seit einem halben Jahr führt die 76-Jährige nun den Verein und hat sich nichts Geringeres zum Ziel gesetzt, als die Städtepartnerschaft zwischen Seevetal und der US-amerikanischen Stadt Decatur wieder neu zu beleben. „Wenn ich etwas mache, dann richtig“, sagt sie.

Derzeit ist es in der Gemeinde Seevetal eher so, dass man beim Namen „Decatur“ zuallererst an die Brücke über den Rangierbahnhof Maschen denkt, die seit zwei Jahren gesperrt ist. Die Stadt im fernen Amerika kommt einem gar nicht in den Sinn – obwohl der Brückenname ja eigentlich auf die Partnerstadt zurückgeht. „Das Image des Namens ist ein Albtraum“, sagt Ingrid Ahlers-Karlsson, die früher zehn Jahre als Leiterin des Schwedischen Fremdenverkehrsamts für den deutschsprachigen Raum gearbeitet hat und damit für den Vorsitz des Städtepartnerschaftsvereins quasi prädestiniert ist. Auch wenn sie an der Brücken-Problematik wenig ändern kann, kann sie sehr wohl etwas dafür tun, dass der Name „Decatur“ positiver besetzt ist. Das möchte sie in erster Linie dadurch erreichen, dass der Verein in der Öffentlichkeit präsenter wird. Ein neuer Flyer war somit der erste Schritt nach ihrer Wahl im Frühjahr. „Damit können wir uns auf Veranstaltungen in den Ortschaften präsentieren“, sagt sie. 80 Mitglieder zählt der Verein derzeit, viele sind seit der Gründung Ende der 1990er dabei. „Es gibt auch einige Jüngere.“ Ihre Zahl könnte aber ausgebaut werden, weshalb die neue Vorsitzende explizit alle Seevetaler Bürger anspricht, die „Neugier und Entdeckungsfreude“ besitzen und sich für „amerikanische Geschichte, Lifestyle und Kontakte“ interessieren. So ist es im neuen Flyer formuliert.

Auch Eltern, die für ihre Kinder eine Möglichkeit suchen, an einem Schulaustausch teilzunehmen, sieht die Vorsitzende als potenzielle Zielgruppe an – über den Verein könne man ideal Kontakte knüpfen. Die Jugendlichen würden während des Aufenthalts in Gastfamilien leben und hätten auf diese Weise Gelegenheit, den Alltag in den USA hautnah und außerhalb des touristischen Programms kennenzulernen. „Man sieht, wie echte Amerikaner leben.“ Das Gymnasium Meckelfeld unterhält schon seit Jahren einen Austausch mit Decatur. Der Partnerschaftsverein selbst reist regelmäßig in die USA und besucht die amerikanischen „Kollegen“, zuletzt im Jahr 2015. „Da war ich auch mit und habe bei der dortigen Vorsitzenden gewohnt“, erzählt Ingrid Ahlers-Karlsson. Diese Erfahrung wolle sie nicht missen, zumal bei einigen Vereinsmitgliedern aus den offiziellen Besuchen reger privater Kontakt wurde.

Im vergangenen Jahr war dann eine Vertretung aus Decatur auf Gegenbesuch in Seevetal. Den Amerikanern wurde übrigens auch die gesperrte Decatur-Brücke gezeigt, was jedoch laut Ingrid Ahlers-Karlsson ohne nachhaltige Reaktionen blieb. „Denen waren natürlich die Konsequenzen für die Bürger nicht so klar.“ Derzeit ist die Vorsitzende dabei, das Programm für den Besuch der Seevetaler Abordnung in Decatur im September 2019 zusammenzustellen. „Wir werben unter den Mitgliedern für die Reise, aber auch jeder andere kann mitfahren“, sagt sie.

Die Fahrt ist für die letzte Septemberwoche geplant, während dieser Zeit wohnen die Deutschen in Gastfamilien. Im Anschluss kann jeder, der möchte, noch eine weitere Woche vor Ort bleiben, muss den Aufenthalt aber selbst finanzieren. Es wird dann Ausflüge in andere Regionen der USA geben, bisher ging es etwa nach Texas, Kalifornien, Montana oder zum Grand Canyon. Die Kosten für die zwei Wochen belaufen sich auf insgesamt 2800 Euro, wer nur eine Woche bleibt, zahlt in etwa die Hälfte. Der Verein rechnet mit 20 bis 30 Teilnehmern.

Ihr Amt als Erste Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins sieht Ingrid Ahlers-Karlsson allem Engagement zum Trotz als Übergangslösung. „Ich werde das bis 2021 machen und dann aufhören“, kündigt sie schon jetzt an. Sie bekomme sehr viel Unterstützung von ihrem Stellvertreter Friedrich Lührs, von Schriftführerin Rita Kaps und Schatzmeister Klaus-Peter Schulz, doch langfristig sollte man nicht mir ihr planen. „Ich hoffe, dass Jüngere nachrücken“, sagt sie.