Brustkrebs-Therapie

Schwere Mängel in Mariahilf-Klinik?

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Rolf Zamponi
Die Helios Mariahilf Klinik in Harburg

Die Helios Mariahilf Klinik in Harburg

Institut beanstandet Qualität in der Brustkrebsbehandlung. Krankenhaus spricht von Dokumentationsfehler

Harburg.  Die Helios Mariahilf Klinik in Harburg hat bei einer bundesweiten Erhebung zur Qualität in Krankenhäusern nicht gut abgeschnitten. Betroffen ist die Abteilung für Mammachirurgie – der Behandlung von Brustkrebs. Die Klinik zählt zu den 73 Krankenhäusern, bei denen das Berliner Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) bei einzelnen Abteilungen schwerwiegende Mängel festgestellt und „unzureichende Qualität“ vermerkt hat.

„Wir nehmen die entsprechende Bewertung sehr ernst und haben die Ergebnisse unverzüglich überprüft“, teilte Klinikgeschäftsführer Phillip Fröschle am Montag mit. Er geht nach einer ersten Einschätzung davon aus, dass „ein Dokumentationsfehler unsererseits“ vorliege. „Dieser ist nachweisbar, und wir bedauern, dass es dadurch zu Irritationen gekommen ist.“

Das Berliner Institut hatte zuvor Krankenhausdaten von 1085 Kliniken ausgewertet. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), federführendes Gremium der Selbstverwaltung des deutschen Gesundheitswesens, hatte die Daten erstmals veröffentlicht. Zuerst hatte Spiegel-Online darüber berichtet.

Die Auswertung umfasst elf Qualitätsindikatoren in den Bereichen Geburtshilfe, Operationen bei Brustkrebs sowie gynäkologischen Eingriffen. Bei den 73 Krankenhäusern hat der Ausschuss jeweils einen der elf Indikatoren bemängelt. Die Auswertung basiert dabei auf den Abrechnungsdaten der Krankenhäuser. Insgesamt 2,5 Millionen Datensätze hatte das 2015 per Gesetz gegründete Institut (siehe Infokasten) geprüft. Bei statistisch auffälligen Werten wurden die Daten in einem mehrmonatigen Prozess auf mögliche Fehler geprüft, unter anderem durch stichprobenartige Einsicht von Patientenakten. In einem „strukturierten Dialog“ seien die Stellungnahmen der Krankenhäuser berücksichtigt worden, so Spiegel-Online. Beim Berliner Krankenhaus-TÜV arbeiten inzwischen 150 Beschäftigte. Aufgebaut hat das Institut am Berliner Tiergarten sein Leiter Christof Veit, der als junger Chirurg zunächst in Hamburg-Altona arbeitete.

Helios begrüßte am Montag zwar die Initiative des Gemeinsamen Bundesausschusses, der in seinem Bericht Qualitätsindikatoren deutscher Kliniken auswertet. Klinikgeschäftsführer Fröschle versichert aber, dass „in internen Audits und Reviews die entsprechenden Indikatoren eine eher überdurchschnittliche Qualität nachgewiesen“ hätten. Letztlich seien „alle operativen Standards eingehalten, jedoch nicht vorschriftsgemäß dokumentiert worden. Um dem künftig entgegenzuwirken, haben wir unser Personal gezielt geschult und rechnen für das aktuelle Jahr mit einer deutlichen Verbesserung.“ Das Dokumentationsdefizit sei zudem im Audit zur Re-Zertifizierung des Brustzentrums intensiv thematisiert worden. „Wir handeln in unserem Brustzentrum nach den gängigen operativen Standards.“

Die Qualitätsindikatoren sowie die operativen Standards würden regelmäßig durch unabhängige Experten von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Gesellschaft für Senologie geprüft, so Fröschle. Die aktuellste Zertifizierung datiert dabei aus dem Juni.

Der Geschäftsführer verweist darauf, dass weniger als fünf Prozent der Patientinnen bei Helios „zur Sicherstellung der kompletten Entfernung des erkrankten Gewebes ein zweites Mal operativ behandelt werden müssen.“ Dagegen liege der Durchschnitt deutscher Brustzentren mit 14 Prozent deutlich höher.

Die Helios Klinik ist seit 2007 als Brustzentrum zertifiziert. Pro Jahr lassen sich rund 400 Patientinnen mit den entsprechenden Erkrankungen an der Stader Straße behandeln.

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