Harburg
Straßensperrung

Ehestorfer Heuweg: Nächstes Jahr wird es noch viel schlimmer

Gastwirt Thomas Soltau ist genervt: Die Sperrung wird ihm das Geschäft vermiesen

Gastwirt Thomas Soltau ist genervt: Die Sperrung wird ihm das Geschäft vermiesen

Foto: Lars Hansen / xl

LSBG plant neun Monate Vollsperrung. Durchkommen nur im Sammelverkehr in Begleitung des Poliers. Anlieger sind entsetzt.

Harburg.  Erst waren die Bürger empört, dann die Politiker – und zwar nicht über die Bürger, sondern mit ihnen. In der Bürgerfragestunde der Bezirksversammlung erfuhren die Abgeordneten, dass die Vollsperrung des Ehestorfer Heuwegs am Ende des Jahres 2018 zwar beendet wird, aber nur vorübergehend. Ab März 2019 soll wieder gesperrt werden, länger und rigoroser als bislang angekündigt. Dies habe der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) den Anliegern in einer nicht öffentlichen Informationsveranstaltung mitgeteilt.

„Von März bis Dezember soll der gesamte Ehestorfer Weg voll gesperrt sein“, berichtete Gastronom Thomas Soltau von der Veranstaltung am 23. Oktober in der Rudolf-Steiner-Schule. „Grundsätzlich soll kein Kraftverkehr dort erlaubt sein. Anwohner müssen für eine Durchfahrtserlaubnis beim Polier anrufen und warten, bis sie jemand mit ihrem Fahrzeug durch die Baustelle geleitet – und das möglichst nur einmal am Tag. Paketdienste und Lieferanten sollen sich vorher anmelden und einmal am Tag gesammelt durch die Baustelle fahren dürfen. Das ist doch Wahnsinn!“

Soltau, der das Landhaus Jägerhof betreibt, kündigte in der Bezirksversammlung an, er würde seinen Betrieb verkaufen, wenn der LSBG seine Pläne so verwirklicht. Der Jägerhof mit seinen 20 Mitarbeitern ist die größte verbliebene Saalgastronomie im Bezirk. Auch ein weiterer Gastronomiebetrieb, das Steakhaus auf der Landesgrenze, wäre ein Dreiviertel Jahr lang komplett von seinen Gästen abgeschnitten. „Außerdem befinden sich entlang des Ehestorfer Heuwegs und seiner Seitenstraßen viele Selbstständige – Architekten, Steuerberater, Medienbüros – die ebenfalls erreichbar sein müssen“, sagte Thomas Soltau.

Besonders betroffen wäre allerdings die Rudolf-Steiner-Schule. Nach Planungen des LSBG soll morgens um 7.30 Uhr ein Bus die Schüler von der Cuxhavener Straße zum Schulgelände bringen. Wie das bei 550 Schülern funktionieren soll, konnten die LSBG-Vertreter nicht beantworten, berichtete Steiner-Schulleiter Klaus-Michael-Maurer den Abgeordneten. „Ebensowenig, wie sie die Frage beantworten konnten, wer den Bustransfer zahlt, wie die Schüler zurückkommen und was mit unseren regelmäßigen Abendveranstaltungen geschieht.“

Noch während der Versammlung verfasste der SPD-Fraktionsvorsitzende Jürgen Heimath stellvertretend für alle Fraktionen handschriftlich einen Dringlichkeitsantrag, in dem sie fordern, dass die Sanierung des Ehestorfer Heuwegs so erfolgt, dass der Verkehr halbseitig an der Baustelle vorbeigeführt werden kann. Er wurde einstimmig angenommen. „Das war auch für die Vorbereitungsmaßnahmen in diesem Jahr unsere Forderung“, sagte Rainer Bliefernicht (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Inneres, Bürgerservice und Verkehr. „Aber wir sind dem LSBG gegenüber nicht weisungsbefugt.“

Nur wenige Tage vor der Veranstaltung des LSBG in der Rudolf-Steiner-Schule hatte Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann die Abendblatt-Harburg-Redaktion besucht und verkündet, er habe mit dem Hamburger Staatsrat Andreas Rieckhoff eine Lösung gefunden, wie eine Vollsperrung am Ehestorfer Heuweg vermieden werden könne. Die Rede war von einem eigenen Seitenstreifen, auf dem der Verkehr temporär an der Baustelle vorbei geleitet würde.