Harburg
Neu Wulmstorf

Autobahn 26: Sand-Damm versinkt im Moor

Millionen Kubikmeter eiszeitlicher Sande werden über kilometerlange Rohre zur Autobahnbaustelle gespült.

Millionen Kubikmeter eiszeitlicher Sande werden über kilometerlange Rohre zur Autobahnbaustelle gespült.

Foto: HA

Der Abschnitt zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf wird später fertig. Ein Überblick zum Planungsstand.

Neu Wulmstorf.  Wer an der Bundesstraße 73 zwischen Neu Wulmstorf und Buxtehude auf einen kleinen Feldweg abbiegt und weiter Richtung Moor fährt, erreicht bald einen auffälligen und grasbewachsenen Wall in der flachen Landschaft. Dahinter verbirgt sich ein überraschend großer Baggersee, auf dem derzeit ziemlich einsam ein Baggerschiff dümpelt. Immerhin 20 Meter tief soll das Wasser hier schon sein. Für den so genannten Vorbelastungsdamm des dritten Abschnitts der Autobahn A26 wurde von hier der Sand zur eigentlichen Baustelle gepumpt.

Mit dem Damm soll sich der Boden unter der künftigen Trasse zunächst setzen und verdichten, bevor der eigentliche Straßenbau beginnt. Doch jetzt sei das Sandvorkommen im See „technisch erschöpft“, heißt es bei der Arbeitsgemeinschaft der beteiligten Baufirmen. Mehr könne man dort nicht mehr gewinnen.

Ein halbes Jahr Verzug für den Autobahn-Bauabschnitt

Und das hat einen Grund. Offensichtlich schluckt der weiche Untergrund zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf mehr Sand, als vermutet. Bis zu zwei Meter tiefer sei der Damm schon gesackt, sagt Hans-Jürgen Haase, Leiter des Geschäftsbereichs Stade bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau. 2,6 Millionen Kubikmeter Sand seien bereits verbaut worden, gut 500.000 zusätzlich würden noch benötigt und kommen derzeit von mehreren kleineren Sandquellen aus der Region.

Die Folge? „Wir werden später fertig“, so Haase. War die Freigabe für den dritten A 26-Abschnitt zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf zunächst für Mitte 2021 geplant, geht der Stader Straßenplaner derzeit von einer Freigabe im Dezember 2021 aus – also von einer halbjährlichen Verspätung.

Was die Pendler ärgert, freut die Planer

Das mag für Berufspendler ärgerlich sein, verschafft aber den Planern an anderer Stelle mehr Luft. Denn noch gibt es im Verlauf dieses dritten Abschnitts der „Moor-Autobahn“ noch einige offene Punkte: Da ist zum einen der weitere Bau des dann vierten Abschnitts bis zur A 7 in Moorburg, der von Hamburg im Wesentlichen geplant wird.

Ein Planfeststellungsbeschluss dazu wurde vor einiger Zeit verschoben und soll nun der Wirtschaftsbehörde zufolge Ende dieses Jahres erfolgen. 2023 könnte dann auch dieser Abschnitt fertig sein, hieß es bisher – was aber angesichts der bisherigen Erfahrungen mehr als optimistisch erscheint. So oder so: Einige Jahre würde die von Stade kommende Autobahn im Neu Wulmstorfer Ortsteil Rübke enden.

Dort gibt es bereits eine vorhandene Verbindung auf einer Umgehungsstraße bis zur B 73 in Richtung Süden. Eine Abfahrt nach Norden soll zum Schutz der Anlieger in Rübke und Hamburg-Neuenfelde indes ausgeschlossen werden bis der A 7-Anschluss fertig ist, wie Haase bestätigt.

Schwierige Planungen in und um Rübke

Wo und ob überhaupt später dort einmal eine Ortsumgehung Rübke verlaufen wird, ist derzeit aber noch unklar. Nach Auskunft von Hamburger Behörden hat das Land Niedersachsen eine Ortsumgehung Rübke als Landesstraße bisher abgelehnt und allenfalls Fördermittel für den Kreis Harburg in Aussicht gestellt. Hamburg habe indes stets betont, hier „tragfähige Lösungen“ anzubieten, jedoch auch immer deutlich darauf hingewiesen, dass es keine Gefährdung des laufenden Planfeststellungsverfahrens zum vierten Abschnitt der A 26 geben dürfe.

Ähnlich offen ist die Lage auch bei einer möglichen Anschlussstelle in Buxtehude. Hier mutet die bisherige Planung eher dem Straßenbrutalismus der 70er Jahre an. Noch rumpelt der Verkehr zwischen der Stadt und Rübke auf einer holprigen Moorstraße. Diese Rübker Straße, an der direkt viele Einzelhäuser liegen, soll aber nun den eigentlichen Zubringer bilden. Der hohe Sanddamm der künftigen Auffahrt reicht hier schon dicht an die Häuser heran.

Ein A7-Tunnel ohne Deckel? Oder eine Umgehung?

Geplant ist ein etwa drei Meter hohe Beton-Trog, der dann quer durch dieses Wohngebiet geführt wird. „Das ist wie der A 7-Tunnel – nur ohne Deckel“, sagt der Buxtehuder Grünen-Politiker Ulrich Felgentreu, der auch Sprecher einer Bürgerinitiative ist, die seit Jahren gegen diese Lösung wettert und ein Gerichtsverfahren dagegen auf den Weg gebracht hat. Mit einer Entscheidung rechet die Initiative in den nächsten Wochen und würde bei einem Misserfolg auch in die nächste Instanz gehen.

Doch es gibt in Buxtehude auch noch einen vagen Plan B. Ein alter Vorschlag sieht eine westliche Anbindung der B 73 mit der vorhandenen A 26-Anschlussstelle Jork vor. Das Charmante daran: Sämtlicher Zubringer-Verkehr würde außerhalb der bewohnten Stadtgebiete führen. Lange lag diese Idee in den Schubladen, ist aber gerade wieder aktuell geworden.

Für einen neuen Buxtehuder Verkehrsentwicklungsplan will das beauftragte Büro jetzt auch noch einmal diese Variante durchspielen. Von einem konkreten Plan ist ein solches Vorgehen aber noch weit entfernt. Gut möglich also, dass Buxtehude zunächst ohne eigenen Anschluss da steht, wenn der dritte Abschnitt für den Verkehr freigegeben ist und die Bürgerinitiative vor Gericht gewinnt.