Harburg
Wilstorf/Langenbek

Bürger fordern eine bessere Busanbindung

Haltestelle Einhausring: Der Bus wendet, die Fahrgäste müssen zu Fuß weiter.

Haltestelle Einhausring: Der Bus wendet, die Fahrgäste müssen zu Fuß weiter.

Foto: Lars Hansen / xl

Umfrage am Langenbeker Feld und in Wilstorf ergab eine Mehrheit für eine Buslinie durch die Radickestraße. Politik will handeln.

Wilstorf/Langenbek.  In den Streit um die Busanbindung des Lan­genbeker Feldes ist Bewegung gekommen: Die Mehrheit der Anwohner würde die neue Busstrecke befürworten, ergab eine Umfrage, welche die Hamburger Hochbahn in Auftrag gegeben hatte. Damit können die Planungen jetzt in die nächste Phase gehen, sagen SPD, Linke und Grüne, die das Projekt befürworten.

Die Idee ist schon einige Jahre alt: Wenn man eine der vielen Buslinien, die die gesamte Winsener Straße bedienen, verschwenken würde, so dass die Busse über die Rönneburger Straße, die Radickestraße und die Gordonstraße zurück zur Winsener Straße und dann weiter zu ihrem eigentlichen Ziel fahren würden, wären große Teile des Langenbeker Feldes, sowie das neue Wohngebiet am Ostende der Rönneburger Straße sehr viel besser an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.

Auch die Schulen im Gebiet und die Supermärkte an der Rönneburger Straße wären besser zu erreichen. Auf Wunsch der Bezirksversammlung entwickelte die Hamburger Hochbahn das Konzept für die Linie 143,die derzeit ohnehin einen Schlenker ins Langenbeker Feld fährt, allerdings lediglich bis zum Einhausring. Als die Pläne vorgestellt wurden, gab es Proteste von Anwohnern, die den Bus nicht wollten. Unterschriften wurden gesammelt.

Es entstand der Eindruck, als seien alle, die von der neuen Linie profitieren sollten, dagegen. Die Politik wollte es genau wissen und beauftragte die Hochbahn, eine Anwohnerbefragung durchzuführen – auch, weil für die Radickestraße eine Bebauungsplanänderung und damit eine Bürgerbeteiligung nötig wäre. Das Ergebnis liegt jetzt vor: Über die Hälfte, nämlich 55 Prozent derer, die eine Meinung äußerten, sind für die neue Linie. Nur 45 Prozent sind dagegen, erfuhren die Bezirksabgeordneten im Ausschuss für Inneres, Bürgerservice und Verkehr.

Vier Wochen lang hatten Mitarbeiter eines Instituts im Auftrag der Hochbahn Hausbesuche bei den Anliegern gemacht. 4500 Bewohner hatten die Forscher in einem Gebiet zwischen Rönneburger Straße, Rotbergfeld, Hanhoopsfeld und Trelder Weg ausgemacht. Bis zu vier Versuche, jemanden anzutreffen machten die Meinungsforscher pro Haushalt.

Am Ende bekamen sie Antworten von 1151 Menschen. „Das ist eine Quote von 25 Prozent und sehr gut für eine derartige Befragung“, erklärte Hochbahn-Referentin Tina Lesch dem Ausschuss, „damit kann man das Ergebnis auf alle Fälle repräsentativ nennen.“

Die Meinungen verteilen sich nicht gleichmäßig unter den Bevölkerungsgruppen: Am meisten Zuspruch erhielt die neue Linienführung in der Altersgruppe von 14 bis 29, am meisten Ablehnung in der Altersgruppe von 50 bis 59. Haushalte mit Kindern befürworten den Plan mehr, als Haushalte ohne – wobei zu sagen ist, dass auch die kinderlosen mehrheitlich für den neuen Bus sind, nur ist bei ihnen die Mehrheit knapper. Regelmäßige Nutzer des Nahverkehrs sind zu zwei Dritteln für die neue Linie, Busmuffel lehnen sie ab oder hatten keine Meinung.

Hauptgründe für die Ablehnung sind Befürchtungen, dass es auf den Straßen des Wohngebietes enger und lauter werden würde und dass Parkplätze wegfallen. Mit der neuen Buslinie würden entlang der Gordonstraße in der Tat etwa 30 Parkplätze wegfallen, die von Anwohnern derzeit hauptsächlich für die Zweitwagen genutzt werden.

Die Befürworter argumentieren, dass für große Teile der Siedlung der Weg zur Bushaltestelle viel kürzer würde. Tatsächlich müssen Bewohner des oberem Langenbeker Feldes zehn Minuten bis zur nächsten Bushaltestelle gehen. Diese Distanz würde sich halbieren. Ebenfalls führen die Befürworter an, dass mit der neuen Linienführung die Nahversorger an der Rönneburger Straße mit dem Bus erreichbar würden.

Die Bezirkspolitik nahm die Umfrage mit Interesse auf: „Das ist ein Votum, dass wir ernst nehmen werden“, sagt SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath. „Wir werden jetzt sehen, wie wir es umsetzen können.“Auch Grüne und Linke befürworten die neue Linie. Damit könnte die Bebauungsplanänderung auf den Weg gebracht werden. Die ist nötig, weil ein Teil der Radickestraße als das Langenbeker Feld bebaut wurde, für Autos gesperrt wurde.

Hier müsste der Bus fahren dürfen. Andere Fahrzeuge sollen ausgesperrt bleiben. Und hier setzt die Kritik der politischen Gegner an: „Automatische Schranken oder Poller sind schnell defekt“, sagt Kay Wolkau, Fraktionsvorsitzender der Neuen Liberalen. „Wir befürchten, dass andere Fahrzeuge durch die Radickestraße fahren und über Rönneburg den Stau auf der Winsener Straße umgehen.“

Wohnen am Park

Das Langenbeker Feld, östlich der Winsener Straße grob zwischen Buchholzer Weg und dem Wilstorfer Hügelkamm gelegen, wurde in den späten 1980er-Jahren von der Stadt Hamburg erworben. Bis dahin wurde dort noch Landwirtschaft betrieben. Auf der Hälfte der Fläche entstanden größtenteils Sozialwohnungen – auch als Eigenheime. Auf der anderen Hälfte wurde ein Landschaftspark angelegt.