Harburg
Buchholz

Acker in Dibbersen sorgt für Streit

Auf dieser landwirtschaftlichen Fläche südlich der Dangersener Straße und östlichen des Sonnenkamps sollen bis zu 40 Wohneinheiten entstehen

Auf dieser landwirtschaftlichen Fläche südlich der Dangersener Straße und östlichen des Sonnenkamps sollen bis zu 40 Wohneinheiten entstehen

Foto: Lutz Kastendieck

CDU will dort bis zu 40 Wohneinheiten bauen lassen. SPD kritisiert allerdings die Umwidmung in Bauland.

Buchholz.  Die jüngste Sitzung des Ortsrats Dibbersen am Mittwochabend verzeichnete ungewöhnlichen Zulauf. Knapp 50 Bürger hatten sich im „Gasthof Frommann“ eingefunden. „Die meisten sind vermutlich nicht wegen des Doppelhaushalts für die kommenden beiden Jahre hier, sondern wegen des Antrags der CDU auf eine neue Wohnbebauung“, mutmaßte der christdemokratische Ortsbürgermeister Christian Horend.

Um der anhaltenden Nachfrage nach Wohnraum auch am nördlichen Rand von Buchholz nachzukommen, hatte die CDU-Fraktion die Bebauung eines momentan noch landwirtschaftlich genutzten, rund 2,8 Hektar großen Areals südlich der Dangersener Straße und östlich des Sonnenkamps angeregt. Bis zu 40 Wohneinheiten sollen dort entstehen, zumeist Einzel- und Doppelhäuser. Um auch bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sind maximal 20 Prozent in Reihen- und Mehrfamilienhäuser zu planen.

„Sonnenberg“ soll das ganze Projekt getauft werden. Vor allem die SPD sieht allerdings mehr Schatten, als Grund zur Freude. Die ehemalige Bürgermeisterin Gudrun Eschment-Reichert wollte den Tagesordnungspunkt sogar von der Agenda nehmen lassen, scheiterte aber mit 3:4 an der CDU-Mehrheit im Ortsrat.

„Das ändert an der grundsätzlich ablehnenden Haltung der SPD aber gar nichts“, sagte Eschment-Reichert in der folgenden Debatte. „Wir sind gegen eine Bebauung landwirtschaftlicher Flächen, wenn sie nicht zuvor von der Stadt angekauft werden. Außerdem sollen im Osten von Buchholz ohnehin bis zu 1500 neue Wohneinheiten entstehen, wie der Stadtrat längst beschlossen hat. Was also soll dieser Vorstoß zum jetzigen Zeitpunkt“, fragte die SPD-Ratsfrau.

Moderates Wachstum auch in Dibbersen sei eine der CDU-Forderungen im Kommunalwahlkampf gewesen, konterte Jan Bauer. „Der Bedarf an Wohnraum ist da, die Fläche auch. Warum sollten wir da jetzt nicht in die Offensive gehen“, so Bauer. Zumal das fragliche Terrain bereits im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) benannt worden sei.

Das stimme zwar, räumte Eschment-Reichert ein, verwies aber auf die Prioritätsbewertung: „Mit nur 16 von 47 Punkten verzeichnete die Fläche in Dibbersen den zweitschlechtesten Wert aller untersuchten Areale.“ Ein schlagkräftiges Argument für eine rasche Bebauung sei das sicher nicht. Hinzu komme der demografische Wandel. In ihrer Straße gebe es zwar zwei Familien mit Kindern, aber eben auch fünf alleinstehende, ältere Frauen: „Da steht die Frage im Raum, ob es wirklich vernünftig ist, immer mehr in die Fläche zu gehen. Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß.“

Die Grünen wollen sich einer Wohnbauentwicklung in Dibbersen nicht gänzlich verschließen. Allerdings nur unter klar definierten Rahmenbedingungen. „Der CDU-Antrag weist prinzipiell in die richtige Richtung, ist an vielen Stellen aber viel zu schwammig und unverbindlich“, monierte Bernhard O. Schönhofen.

Unter anderem fordern die Grünen eine öffentliche Fuß-/Radverbindung zur Dangersener Straße und zum Postweg, eine ortstypische Architektur, generell Hecken statt Zäune sowie eine insektenfreundliche Begrünung. Vor allem aber zeitgemäße energetische Konzepte wie Photovoltaik-, Solar- und Regenwassernutzungsanlagen sowie eine örtliche Mobilitätsstation mit Elektroautos, e-Bikes und Lastenrädern.

Wie Bürgermeister Christian Horend dem Abendblatt bestätigte, hatten die vier Flächeneigentümer bereits vor geraumer Zeit mit der Volksbank Lüneburger Heide Gespräche über den Ankauf ihrer Grundstücke aufgenommen. „Ob die Bank tatsächlich Projektentwickler wird, steht aber längst noch nicht fest“, so Horend.

„Abzuwarten bleibt zudem, ob es überhaupt zu einem Bebauungsplanverfahren kommt“, sagte Stadtbaurat Stefan Niemöller. Jetzt müsse der CDU-Antrag erst einmal im Buchholzer Stadtplanungsausschuss beraten und dann durch den Verwaltungsausschuss beschlossen werden: „Ob da etwas passiert, ist also völlig offen.“

Was die Bürger der Gemeinde von dem Ganzen halten, blieb am Mittwochabend ungewiss. Aus dem Auditorium gab es lediglich eine einzige Frage und die bezog sich auf die Zuwegung ins Plangebiet. Über den südlich verlaufenden Postweg voraussichtlich nicht, ließ Bürgermeister Horend wissen. Konkrete Aussagen blieben aber dem Verkehrskonzept vorbehalten, ohne das es keine neue Wohnbebauung am Sonnenkamp geben werde.

Doppelhaushalt

Dibbersen plant 2019 Ausgaben in Höhe von 44.200 Euro, 2020 sollen es 28.200 Euro sein.

15.000 Euro sollen 2019 in einen Carport für das neue DiDa-Mobil fließen, mit dem u.a. ältere Mitbürger zweimal in der Woche zum Einkaufen gefahren werden.

Verdoppelt wurden die Finanzmittel zur Ortsgestaltung, und zwar von 1500 auf 3000 Euro.

Je 4000 Euro pro Jahr sind für Gemeinschaftsveranstaltungen eingeplant, je 1000 Euro erhält die Kita „Rappelkiste“.