Harburg
Woxdorf

Woxdorf hat ein Schlamm-Problem

In Woxdorf verwandelt sich die Beckedorfer Straße nach einem Starkregenereignis regelmäßig in eine Schlammwüste. Ortsbürgermeisterin Berit Rohte und Ortsratsmitglied Michael Meißner setzen auf den Dialog mit der Baumschule von Ehren, die viele Bürger als Schuldige ansehen

In Woxdorf verwandelt sich die Beckedorfer Straße nach einem Starkregenereignis regelmäßig in eine Schlammwüste. Ortsbürgermeisterin Berit Rohte und Ortsratsmitglied Michael Meißner setzen auf den Dialog mit der Baumschule von Ehren, die viele Bürger als Schuldige ansehen

Foto: Christiane Tauer

Wasser von den Feldern sammelt sich im Ort und kann schlecht versickern – Baumschule von Ehren und Gemeinde Seevetal suchen die Lösung.

Woxdorf.  Bäume und Büsche so weit das Auge reicht. Rund 60 Hektar Land bewirtschaftet die Baumschule Lorenz von Ehren auf den sanften Hügeln rund um Woxdorf, Beckedorf und Metzendorf. Ein Idyll für Anwohner und jeden, der dort unterwegs ist. Doch nicht immer zeigt sich die Natur von ihrer lieblichen Seite. Bei Starkregen verwandelt sich insbesondere Woxdorf rasch in ein einziges Regental.

Durch die nach Norden hin abschüssige Beckedorfer Straße fließt dann jede Menge Wasser, in Windeseile setzt sich überall ein lehmiger Schlamm ab, der teilweise bis zur Bürgersteigkante reicht. Dieser Schlamm bleibt hartnäckig erhalten, selbst wenn das Wasser wieder abgelaufen ist. Für die Bürger im Ort ein mehrmals jährlich wiederkehrendes Ärgernis, das in den Augen einiger von ihnen einen Hauptschuldigen hat: die Baumschule von Ehren.

An diesem Nachmittag ist von diesen Problemen jedoch nichts zu spüren. Die Sonne scheint, viele Woxdorfer arbeiten im Garten. Auch Klaus Grastorff ist gerade dabei, seinen Rasen zu mähen. Doch wenn es um den Schlamm geht, darf die Maschine einmal Pause machen. „Früher haben hier Landwirte die Felder bestellt und die Ackerfurchen quer zum Hang angelegt“, erzählt er. So sei das Regenwasser beim Hinabfließen ausgebremst worden. Von Ehren hingegen habe die Furchen längs zum Hang angelegt, wodurch das Wasser direkt auf die Straße fließe.

Grastorff ist gebürtiger Woxdorfer und hat sein Haus vor 40 Jahren an der Beckedorfer Straße gebaut. Er ist sich sicher, dass solche Probleme wie heute damals so gut wie nie vorkamen. Alleine in diesem Jahr hat es drei Starkregen-Ereignisse gegeben, bei denen im Ort Land unter herrschte. Zuletzt verwandelte sich im Juli die Kreuzung Beckedorfer Straße/Lindenstraße in eine regelrechte Schlammwüste. „Da kam reine Erde vom Hang herunter“, sagt Grastorff.

Die Gemeinde Seevetal weiß um die Problematik in Woxdorf. Eine einfache Lösung gebe es aber nicht, sagt Rainer Mencke, stellvertretender Abteilungsleiter Tiefbau und für die Oberflächenentwässerung zuständig. Er betont, dass keinesfalls das Unternehmen von Ehren der Hauptschuldige sei. Vielmehr seien mehrere Akteure in der Verantwortung, da die Gemengelage äußerst komplex ist.

Fakt sei, dass Starkregenereignisse insbesondere seit der Jahrtausendwende aufgrund des Klimawandels immer mehr zugenommen haben. Zudem handelt es sich bei Woxdorf um ein sogenanntes Trockental, das eigentlich gar kein Wasser führt. Der lehmige Boden wird bei Trockenheit hart wie Beton, wenn es dann regnet, kann das Wasser nicht versickern.

Hinzu kommt, dass die Beckedorfer Straße bisher über keinerlei Entwässerungssystem verfügt. Zuständig wäre der Landkreis, da die Straße eine Kreisstraße ist. „Ein Ausbau hat aber offensichtlich nicht höchste Priorität“, sagt Mencke. Er fügt hinzu, dass ein normaler Regenwasserkanal auch gar nicht ausreichend wäre.

Angesichts der Trockental-Problematik müsste ein zweiter Kanal geschaffen werden. Des Weiteren ist auch die Gemeinde Rosengarten involviert. Sie müsste eines der zwei bestehenden Regenrückhaltebecken nahe Tötensen ausbauen, damit gar nicht erst so viel Wasser die Woxdorfer Ackerflächen erreicht. Das zumindest will Rosengarten in Angriff nehmen.

Zu guter Letzt ist natürlich auch von Ehren selbst in der Pflicht. Mencke räumt ein, dass die Ackerfurchen früher von den Landwirten tatsächlich quer zum Hang angelegt wurden und die bewirtschafteten Einheiten generell kleiner und durch mehrere Grünstreifen voneinander getrennt waren. „Das hat das Wasser stärker gebremst.“ Hier sei aber seitens von Ehren reagiert worden.

Generell sei die Gemeinde in einem guten Austausch mit dem Unternehmen, sagt Gemeindesprecherin Svenja Riebau. Von Ehren habe eine interne Informationsveranstaltung für die Gemeinderatsmitglieder angeboten, die in der kommenden Woche stattfindet. So soll die Arbeit der Baumschule transparent werden, um Konflikte auszuräumen. Ortsbürgermeisterin Berit Rohte hält das für einen guten Weg.

Sie ist in Kontakt mit vielen Woxdorfern und erfährt hautnah von den Problemen, die das Wasser und die schlammverdreckten Straßen nach sich ziehen. Sie weiß aber auch, dass Woxdorf naturbedingt ein Wasserproblem hat, das man bei der ganzen Diskussion nicht vergessen darf.

Und was sagt von Ehren zu dem Thema? Geschäftsführer Bernhard von Ehren verweist darauf, dass das Unternehmen die Woxdorfer als Freunde ansehe. „Wir versuchen, immer alles gemeinsam mit den Bürgern zu regeln.“ Er wisse, dass die Lage seit einigen Jahren etwas angespannt sei, man habe aber gerade in diesem Jahr viel unternommen: einen Schlammfang am Ortsausgang Richtung Metzendorf geschaffen, der möglicherweise zum Regenrückhaltebecken ausgebaut werden soll, und eine zehn Meter breite Insektenwiese angelegt, damit weniger Schlamm den Hang herunterkommt.

„Die Entwässerung der Straße geht viele an“, sagt von Ehren und sieht dabei vor allem den Landkreis in der Pflicht. Doch allzu viel Hoffnung auf baldige Besserung in dieser Angelegenheit sollten sich sowohl er als auch die Woxdorfer Bürger nicht machen. „Der Landkreis weiß um das Problem“, sagt Sprecherin Katja Bendig. Man sei mit der Gemeinde im Gespräch und ein Ausbau solle langfristig auch angestrebt werden. „Ein Zeitpunkt ist aber nicht abzusehen.“

besteht seit 150 Jahren und ist seit 30 Jahren an der Beckedorfer Straße vertreten. Sie bewirtschaftet in diesem Raum rund 60 Hektar Land, in der Region Rosengarten/Seevetal sind es insgesamt 300 Hektar, weitere 200 Hektar kommen in Bad Zwischenahn hinzu.

der im Raum Beckedorf vorhanden ist, liefert für die Pflanzen ideale Bedingungen. Nach einem Starkregen, wenn die Erde von den Feldern gespült wird, verbleibt er aber auch besonders hartnäckig auf der Straße. Von Ehren setzt deshalb seit langem eigene Kehrmaschinen zur Säuberung ein und wird dabei von der Gemeinde Seevetal unterstützt.