Harburg
Tostedt/Stade

Betrügerischer Ballonfahrer wird im Gerichtssaal verhaftet

Karsten F. aus Handeloh muss ins Gefängnis – weil er gegen Bewährungsauflagen verstoßen hat und Fluchtgefahr besteht

Tostedt/Stade.  Der Ballonfahrt-Unternehmer Karsten F. aus Handeloh sitzt hinter Gittern. Der Grund: Der wegen gewerbsmäßigem Betrugs zu einer Freiheitsstrafe auf drei Jahre zur Bewährung verurteilte Geschäftsmann hat gegen Bewährungsauflagen verstoßen. Zu dem Ergebnis kam die Richterin am Amtsgericht Tostedt, wo der Fall neu verhandelt worden ist. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Karsten F. weiterhin Ballonfahrttickets im Internet verkauft hat, obwohl ihm dies im Urteil des Amtsgerichts vom Dezember 2017 wegen „gewerbsmäßigem Betrugs in einem besonders schweren Fall“ ausdrücklich verboten worden war.

Karsten F. wurde im Amtsgericht Stade verhaftet, wo er sich wegen einer Steuersache verantworten musste. Plötzlich erschienen Polizisten im Gerichtssaal. „Die Verhandlung wurde unterbrochen, die Haftrichterin erschien und übernahm kurzerhand den Vorsitz“, sagte F.s Rechtsanwalt Rainer Frank dem Abendblatt. „Mein Mandant kam sofort in Haft – angeblich, weil angesichts der für ihn zu erwartenden hohen Freiheitsstrafe im Betrugsverfahren Fluchtgefahr bestehe.“

Der Ballonfahrtbetrüger sitzt seitdem in der JVA Bremervörde in Untersuchungshaft. F. hatte jahrelang Kunden in ganz Norddeutschland geprellt, in dem er ihnen Gutscheine für Ballonfahrten im Internet verkauft hatte, die aber niemals stattfanden. Mindestens 52 Kunden, die Gutscheine im Wert von 200 bis 500 Euro gekauft hatten, gingen leer aus. Sie warten bis heute auf ihr Geld. Die Dunkelziffer der Geschädigten soll nach Angaben der Polizei um ein Vielfaches höher liegen.

Karsten F. hatte zuletzt im September Schlagzeilen gemacht, als die Polizei in einer groß angelegten Aktion neun Gebäude in ganz Norddeutschland durchsucht hatte, in denen sie mehr als 70 Fahrzeuge des angeblich bankrott gegangenen Ballonfahrtunternehmers entdeckte – darunter wertvolle Oldtimer. Sämtliche Autos, Motorräder und Unimogs aus dem Besitz von Karsten F. wurden beschlagnahmt, 28 Ballonhüllen und zwölf Fahrkörbe nahmen die Beamten ebenfalls mit. Rechtsanwalt Rainer Frank hat beim Landgericht Stade Beschwerde gegen die Inhaftierung seines Mandanten eingelegt. Nachdem es Karsten F. gerichtlich verboten worden ist, in Deutschland im Ballonfahrtgeschäft tätig zu sein, habe dieser versucht, sich in England und in Dänemark als Ballonfahrtunternehmer neu zu etablieren.

Die Absicht seines Mandanten, seinen Wohnsitz für die Neuausrichtung möglicherweise ins europäische Ausland zu verlegen, könne keinesfalls als Fluchtgefahr bewertet werden. „Wir befinden uns im Schengen-Raum. Dort herrscht Freizügigkeit. Es gibt außerdem Auslieferungsabkommen.“ Am Ende sei es unerheblich, ob sein Mandant „nun aus Handeloh oder aus Sonderburg zum nächsten Prozess anreist“, so der Hamburger Rechtsanwalt.