Harburg
Neu Wulmstorf

Pläne für ein neues Bahnhofsviertel

Die Bahnhofstraße in Neu Wulmstorf

Die Bahnhofstraße in Neu Wulmstorf

Foto: Axel Tiedemann

Neu Wulmstorf: Bauprojekte verändern das Gesicht der Gemeinde. An der Bahnhofstraße sollen gut 400 Wohnungen entstehen.

Neu Wulmstorf.  Viele Jahrzehnte war die Neu Wulmstorfer Bahnhofstraße mehr ein Sammelsurium aus Eigenheimen und vereinzelten Gewerbebauten. Seit dem Bau des Rathauses in den 80er Jahren wandelte sich der südliche Abschnitt der Straße bis zur Bundesstraße im Laufe der Zeit zu einem eher urbanen Zentrum mit vielen Geschäftshauszeilen.

Nur am nördliche Abschnitt vom Rathaus bis zum Bahnhof und darüber hinaus blieb über weite Strecken das alte Bild einer Gemeinde, die nicht recht weiß, ob sie städtisch, dörflich oder ein zusammengesuchter Mix aus beidem sein will. Das dürfte sich in den kommenden Jahren drastisch ändern. Zum Positiven, wie der Vorsitzende des örtlichen Bauausschusses Thomas Grambow glaubt. „Hier wird sich sehr viel tun, wir bekommen jetzt ein echtes Zentrum“, sagt der Neu Wulmstorfer SPD-Politiker.

Tatsächlich hat sich der Bauausschuss der Gemeinde in jüngster Zeit immer wieder mit Änderungen des dort bisher gültigen Bebauungsplans befasst, um verschiedene Projekte in die Spur zu bringen, die Lücken schließen und Neubauten auf Brachflächen ermöglichen sollen. Gut 400 Wohnungen zusätzlich könnten hier in der nächsten Zeit gebaut werden, dazu etliche Läden, gleich zwei Kinder­tagesstätten und ein neues Hotel samt Gastronomie.

Am Rathaus entsteht ein Block mit Wohnungen und Gewerbe

Bereits deutlich sichtbar ist ein neuer Wohn- und Geschäftsblock auf dem früheren Gelände einer längst abgerissenen Gaststätte schräg gegenüber dem Rathaus. Hier soll demnächst ein großer Drogeriemarkt einziehen. Daneben baut das Immobilienunternehmen HBI – direkt gegenüber dem Rathaus – derzeit einen Block mit 26 Wohnungen und drei Gewerbeflächen im Erdgeschoss. Unter anderem soll dort nach Abendblatt-Information eine Schrader-Bäckerei mit Café einziehen. Fertigstellung laut HBI ist im Frühsommer 2019. Das Nottensdorfer Unternehmen verkauft in der Regel die Wohnungen an Investoren, übernimmt aber die Verwaltung und will Ende des Jahres in die Vermietung gehen.

In Neu Wulmstorf ist HBI erst seit kurzem aktiv. 2016 hat die Firma unmittelbar am Bahnhof einen großen Block mit sieben Gewerbeflächen im Erdgeschoss und 44 Wohnungen realisiert, die längst alle vermietet sind, wie HBI-Vertriebsleiter Mike Wettering sagt. Offenbar hat der Zuspruch das Unternehmen nun zu weiteren Plänen im Ort beflügelt. Gleich zwei große Projekte plant HBI auch nördlich der Bahngleise im Bereich der Bahnhofstraße, wo damit quasi ein eigenes Bahnhofsviertel entsteht. „Wir wollen das richtig voranbringen hier“, sagt Wettering.

Neben dem Parkhaus sind 230 Wohnungen und eine Kita geplant

Da ist zunächst die geplante Bebauung zwischen dem Parkhaus am Bahnhof und dem kleinen, neuen Geschäftszentrum rund um einen Edeka-Markt am Ortsausgang Richtung Rübke. Die Pläne sehen dort immerhin etwa 230 Wohneinheiten in 20 zwei- bis viergeschossigen Gebäuden vor, die auf einem grünen, parkartigen Areal gebaut werden sollen. PKW-Stellplätze sollen in einer Tiefgarage verschwinden. Auch eine Kita ist auf dem Gelände laut Bebauungsplan vorgesehen.

Zur Bahn hin soll es quasi als Lärmschutz auch Gewerbebauten mit Läden und Büros geben. Der geänderte Bebauungsplan dazu befindet sich gerade in der öffentlichen Auslegung und könnte nach Einschätzung des SPD-Politikers Grambow Ende des Jahres von der Gemeinde verabschiedet werden, womit dann theoretisch mit dem Bau begonnen werden könnte.

Mit einem weiteren HBI-Projekt hat sich der Neu Wulmstorfer Bau­ausschuss bereits am Donnerstagabend befasst. Ebenfalls in Bahnhofsnähe soll am Ende der Bahnhofstraße auf dem Gelände eines heutigen Reiterhofes mit dem geänderten Bebauungsplan ein weiteres Großprojekt entstehen.

Es gibt Pläne für ein Hotel mit 40 Zimmern

In der Gemeinde gibt es nach Abendblatt-Information dazu die Überlegung, den Reiterhof in den Ortsteil Wulmstorf zu verlegen. Geplant ist auf dem heutigen Gelände indes die Realisierung von noch einmal rund 120 Wohneinheiten in Geschoßbauten samt einer Kindertagesstätte. Zur Straße hin soll mit dem geänderten Bebauungsplan zudem der Bau eines neuen Hotels ermöglicht werden.

Im Erdgeschoss soll demnach ein Gastronomiebetrieb einziehen, darüber ein Hotel­betrieb mit etwa 40 Zimmern, verteilt über drei Geschosse. Auch vier Ferienwohnungen sind dort geplant. Ende 2020, so die Hoffnung des Hotel-Investors, könnte bereits die Fertigstellung erfolgen. Und spätestens dann wird die Bahnhofstraße in Neu Wulmstorf sich endgültig und in gesamter Länge in ein urbanes Zentrum gewandelt haben, meint SPD-Politiker Grambow.

Nicht zuletzt, weil die jetzt beplanten Grundstücke im Besitz von Neu Wulmstorfern und nicht „irgendwelchen Fonds“ gewesen seien, sagt Thomas Grambow. „Sonst hätten wir das nicht geschafft.“

Supermarkt vergrößert Verkaufsfläche

Auch die Nahversorgung in Neu Wulmstorf soll verbessert werden. Dafür rüstet die Gemeinde jetzt ebenfalls an der Bahnhofstraße auf.

Der Rewe-Supermarkt zwischen Rathaus und Bahnhof soll sich jetzt deutlich vergrößern können. Die Verkaufsfläche wird um immerhin knapp 500 Quadratmeter auf dann 1600 Quadratmeter erweitert, um die Nahversorgung im Zentrum zu stärken.

Bedenken hatte es unter anderem von dem Umweltverband BUND gegeben. Die Vergrößerung würde die ohnehin angespannte Verkehrslage und Parkplatzsituation verschlimmern, so das Argument. Die Gemeinde beruft sich indes auf einen Gutachter, der die Vergrößerung des Marktes für verträglich hält.