Harburg
Neu Wulmstorf

Viele Pläne für ein neues Bahnhofsviertel

Neu Wulmstorf: Der Bereich der nördlichen Bahnhofstraße verändert mit etlichen Bauprojekten das Gesicht der Gemeinde

Neu Wulmstorf. Viele Jahrzehnte war die Neu Wulmstorfer Bahnhofstraße mehr ein Sammelsurium aus Eigenheimen und vereinzelten Gewerbebauten. Mit dem Bau des Rathauses in den 80er Jahren wandelte sich der südliche Abschnitt der Straße bis zur Bundesstraße im Laufe der Zeit dann zu einem eher urbanen Zentrum mit vielen Geschäftshauszeilen.

Nur am nördliche Abschnitt vom Rathaus bis zum Bahnhof und darüber hinaus blieb über weite Strecken das alte Bild einer Gemeinde, die nicht recht weiß, ob sie städtisch, dörflich oder ein zusammengesuchter Mix aus beidem sein will. Das dürfte sich nun in den kommenden Jahren drastisch ändern. Zum Positiven, wie der Vorsitzende des örtlichen Bauausschusses Thomas Grambow glaubt. „Hier wird sich sehr viel tun, wir bekommen jetzt ein echtes Zentrum“, sagt der Neu Wulmstorfer SPD-Politiker.

Tatsächlich hat sich der Bauausschuss der Gemeinde in jüngster Zeit immer wieder mit Änderungen des dort bisher gültigen Bebauungsplans befasst, um verschiedene Projekte in die Spur zu bringen, die Lücken schließen und Neubauten auf Brachflächen ermöglichen sollen. Gut 400 Wohnungen zusätzlich könnten hier in der nächsten Zeit gebaut werden, dazu etliche Läden, gleich zwei Kindertagesstätten und ein neues Hotel samt Gastronomie.

Bereits deutlich sichtbar auf dem früheren Gelände einer längst abgerissenen Gaststätte ist ein neuer Wohn- und Geschäftsblock schräg gegenüber vom Rathaus. Hier soll demnächst ein großer Drogeriemarkt einziehen.

Daneben baut das Immobilienunternehmen HBI – direkt gegenüber vom Rathaus – derzeit einen Block mit 26 Wohnungen und drei Gewerbeflächen im Erdgeschoss. Unter anderem soll dort nach Abendblatt-Information eine Schrader-Bäckerei mit Café einziehen. Fertigstellung laut HBI ist im Frühsommer 2019. Das Nottensdorfer Unternehmen verkauft in der Regel die Wohnungen an Investoren, übernimmt aber weiter die Verwaltung und will Ende des Jahres in die Vermietung gehen.

In Neu Wulmstorf ist HBI seit kurzem erst aktiv und hat unmittelbar am Bahnhof bereits 2016 einen großen Block mit sieben Gewerbeflächen im Erdgeschoss und 44 Wohnungen realisiert, die längst alle vermietet sind, wie HBI-Vertriebsleiter Mike Wettering sagt. Offenbar hat der Zuspruch das Unternehmen nun zu weiteren Plänen im Ort beflügelt. Gleich zwei große Projekte plant HBI auch nördlich der Bahngleise im Bereich der Bahnhofstraße, wo damit quasi ein eigenes Bahnhofsviertel entsteht. „Wir wollen das richtig voranbringen hier“, sagt Wettering.

Da ist zunächst die geplante Bebauung zwischen dem Parkhaus am Bahnhof und dem kleinen, neuen Geschäftszentrum rund um einen Edeka-Markt am Ortsausgang Richtung Rübke: Die Pläne sehen dort immerhin etwa 230 Wohneinheiten in 20 zwei- bis viergeschossigen Gebäuden vor, die auf einem grünen, parkartigen Areal gebaut werden sollen. PKW-Stellplätze sollen in einer Tiefgarage verschwinden. Auch eine Kita ist auf dem Gelände laut Bebauungsplan vorgesehen. Zur Bahn hin soll es quasi als Lärmschutz auch Gewerbebauten mit Läden und Büros geben. Der geänderte Bebauungsplan dazu befindet sich gerade in der öffentlichen Auslegung und könnte nach Einschätzung des SPD-Politikers Grambow Ende des Jahres von der Gemeinde verabschiedet werden, womit dann theoretisch mit dem Bau begonnen werden könnte.

Mit einem weiteren HBI-Projekt hat sich der Neu Wulmstorfer Bauausschuss nun gerade am Donnerstagabend befasst. Ebenfalls in Bahnhofsnähe am Ende der Bahnhofstraße auf dem Gelände eines heutigen Reiterhofes soll mit dem geänderten Bebauungsplan ein weiteres Großprojekt entstehen. In der Gemeinde gibt es nach Abendblatt-Information dazu die Überlegung, den Reiterhof in den Ortsteil Wulmstorf zu verlegen. Geplant ist auf dem heutigen Gelände indes die Realisierung von noch einmal rund 120 Wohneinheiten in Geschoßbauten samt einer Kita. Zur Straße hin soll mit dem geänderten Bebauungsplan zudem der Bau eines neues Hotel ermöglicht werden. Im Erdgeschoss soll eine Gastronomie einziehen, darüber ein Hotelbetrieb mit etwa 40 Zimmern über drei Geschosse. Auch vier Ferienwohnungen sind dort geplant. Ende 2020, so die Hoffnung des Hotel-Investors, könnte bereits die Fertigstellung erfolgen. Und spätestens dann wird die Bahnhofstraße in Neu Wulmstorf sich endgültig und in gesamter Länge in ein urbanes Zentrum gewandelt haben, sagt SPD-Politiker Grambow. Nicht zuletzt, weil die jetzt beplanten Grundstücke im Besitz von Neu Wulmstorfern und nicht „irgendwelchen Fonds“ waren. Grambow: „Sonst hätten wir das nicht geschafft.“