Harburg
Stau im Süden

Streit um Baustellen in Harburg und Staus

Gastwirt Thomas Soltau ist genervt: Die Sperrung wird ihm das Weihnachtsgeschäft vermiesen

Gastwirt Thomas Soltau ist genervt: Die Sperrung wird ihm das Weihnachtsgeschäft vermiesen

Foto: Lars Hansen / xl

Bezirkspolitiker bemängeln nach wie vor eine schlechte Koordinierung – trotz ausgeklügelter IT-Systeme in den Behörden.

Harburg.  Dadurch, dass mittlerweile Herbst ist, ist der Harburger Stausommer für die Bezirkspolitik nicht gegessen: CDU und Linke beschäftigen sich in drei Anträgen zur nächsten Bezirksversammlung mit den großen Straßenbaustellen und ihren Folgen.

Die CDU hat zwei Anträge formuliert. Die Christdemokraten fordern eine bessere Koordination der Baumaßnahmen und eine Überprüfung der Vorschriften, die zur Begründung der Vollsperrung des Ehestorfer Heuwegs herangezogen wurden. „Zeitgleiche und nicht aufeinander abgestimmte Bauarbeiten belasten die Bürger Harburgs und die Natur“, schreibt der CDU-Fraktionsvorsitzende Ralf-Dieter Fischer und fordert zum einen, dass ein Koordinator für die Baustellen im Süden eingesetzt wird, und zum anderen, den Ehestorfer Heuweg halbseitig freizugeben. Auch im zweiten Antrag fordert die CDU eine Teilöffnung des Ehestorfer Heuwegs auch während der laufenden Bauarbeiten.

Dass dessen Vollsperrung berechtigt ist, zweifelt die CDU nämlich an: „Angeblich werden im Straßenbau-Regelwerk RESTRA neuerdings aus Arbeitsschutzgründen Mindestabstände von 1,50 Meter zu Straßenbaustellen gefordert, was mehr Vollsperrungen nötig macht, als bislang. Davon sei auch der Ehestorfer Heuweg betroffen“, schreibt CDU Verkehrsexperte Rainer Bliefernicht, „aber wir können im RESTRA keinen entsprechenden Eintrag finden. Es gibt eine Arbeitsschutzrichtlinie, die diesen Abstand vorschreibt. Die ist allerdings noch gar nicht in Kraft getreten.“

Was die Koordination der Baustellen angeht, gibt es bereits eine Koordinierungsstelle im Landesbterieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG), die KOST, sowie das Computersystem ROADS: „Insbesondere auf den Straßen ist es notwendig, die erforderlichen Baumaßnahmen möglichst so zu planen, dass die Behinderung des Verkehrs so gering und so kurz wie möglich ausfällt. Dazu bedarf es neben organisatorischer Maßnahmen auch einer geeigneten Softwareunterstützung. Zu diesem Zweck wurde im LSBG die Software ROADS (Roadwork Administration and Decision System) erstellt“, heißt es in einer Pressemitteilung des LSBG.

„ROADS ermöglicht die Koordinierung von Baumaßnahmen zu einem früheren Zeitpunkt als bislang. ROADS fasst die an verschiedenen Stellen vorhandenen relevanten Informationen übersichtlich zusammen. Durch eine farbliche Darstellung der zeitlichen Dimension der Baumaßnahmen in der Karte sehen die Verantwortlichen auf einen Blick mögliche Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Maßnahmen. Die Software ermöglicht es dem Planer, Konflikte und Optimierungspotentiale von Baumaßnahmen rechtzeitig vor dem eigentlichen Eingriff in den Straßenverkehr zu erkennen.“

ROADS beeindruckte die Fachwelt dermaßen, dass es im Sommer 2017 mit dem deutschen Ingenieurspreis ausgezeichnet wurde. Trotzdem standen im Sommer 2018 die Autos teilweise auf allen Hauptverkehrstraßen des Bezirks gleichzeitig im Stau. Der Verkehrsexperte der Harburger Linkspartei, Michael Schulz, hatte sogar die Vermutung, dass ROADS in Harburg gar nicht zur Anwendung kommt und verlangte in einem Antrag Aufklärung darüber. „Nur kurz, nachdem ich den Antrag formuliert hatte, traf ich Mitarbeiter der Tiefbauabteilung bei der Informationsveranstaltung zum Ehestorfer Heuweg auf dem Kiekeberg. Die sagten mir, dass der Bezirk seine eigenen Baustellen durchaus in ROADS einpflegt. Das lässt doch vermuten, dass der LSBG mit seinen Hauptstraßen-Baustellen darauf keine Rücksicht nehmen.“

Direkt bei den LSBG-Koordinatoren nachfragen konnte Schulz nicht: „Vom LSBG war nur die Radwegeplanerin Heinke Wiemer gekommen. Die Leiter der Koordinierungsstelle KOST waren nicht anwesend.“ Die Pressestelle des LSBG war am Freitag telefonisch nicht zu erreichen. Das Bezirksamt Harburg bestätigt jedoch eines: „Unsere Mitarbeiter pflegen die Bezirks-Baustellen in ROADS ein“, sagt Pressesprecher Dennis Imhäuser.

Mehr Baustellen

Außer am Ehestorfer Heuweg baut der LSBG im Hamburger Süden derzeit auch an der Stadtautobahn A 253 mit Sperrung der Hohen Straße und der Abfahrt Wilstorf bis Ende Oktober, an der Hannoverschen Brücke (Vollsperrung wegen Neubau) bis Frühjahr 2019, an der Kornweide bis 2020, am Ehestorfer Weg bis Oktober und an der A 1.

In den Herbstferien kommt eine umfangreiche Sanierung der Winsener Straße hinzu, mit Fahrspursperrungen sowie tageweise gesperrten Kreuzungen. 2019 beginnt der Umbau des Harburger Rings für die Velorouten.