Harburg
Deutsche Bahn

Autozug: Harburg als Sprungbrett in den Süden

Ein Autozug wird im Bahnhof Altona in Hamburg entladen.

Ein Autozug wird im Bahnhof Altona in Hamburg entladen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Malte Christians / picture alliance / dpa

Bezirks-SPD möchte Hamburgs Autoreisezüge in Harburg verladen lassen, statt in Altona. CDU stimmt zu, Bahn zeigt sich skeptisch

Hamburg.  Kann der Bezirk Harburg gesamthamburgische Probleme lösen? Selbstverständlich, lautet die Antwort, wenn man die Harburger fragt. Ein Beispiel für die Harburger Hilfsbereitschaft ist ein Antrag der SPD in der Harburger Bezirksversammlung, die Autoreisezugverladung für Hamburg in Harburg abzuwickeln. Hintergrund: Bei der Planung des neuen Fernbahnhofs Altona war keine Autoverladung mehr vorgesehen. Das hanseatische Oberverwaltungsgericht erklärte deshalb den Planfeststellungsbeschluss für den Bahnhof für ungültig. Die Bahn muss nachbessern. Nur ist eigentlich in Altona kaum Platz für die Autoverladung.

Dabei ist der Stadt Hamburg viel an der Verlegung des Fernbahnhofs gelegen (siehe Berichte vorn): Um den bestehenden Kopfbahnhof im Altonaer Zentrum anfahren zu können, ist ein 500 Meter langes und bis zu 250 Meter langes Gleisdreieck mitten in Altona notwendig. Für die Bahn bedeutet das Zeitverlust, für die Stadt Flächenverschwendung, für die Bürger urbane Wüste. Der neue Bahnhof im Altonaer Norden ist unkomplizierter anzufahren. Längst sind große Teile des Altonaer Gleisdreiecks für den Wohnungsbau reserviert. Diese Altonaer Probleme sind es aber nicht, die die Harburger Sozialdemokraten antreiben. Der Vorschlag wurde in der Arbeitsgruppe Verkehr der Initiative Harburg21 erarbeitet. Die Initiative setzt sich für nachhaltige Stadtentwicklung ein. Der SPD-Verkehrsexperte Frank Wiesner ist Mitglied der Arbeitsgruppe. „Alle Möglichkeiten, Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen, entlasten die Autobahnen und die Umwelt“, sagt Wiesner, „Deshalb sollten auch Autoreisezüge weiter gefördert werden.“

Die Deutsche Bahn ist seit 2017 völlig aus dem Autoreisezugverkehr ausgestiegen. Deshalb hatte die DB bei der Planung des neuen Bahnhofs in Langenfelde auch keine Verladerampe vorgesehen. Weil aber andere Bahngesellschaften – die Österreichische Bundesbahn und zwei private deutsche Anbieter – weiterhin Strecken ab Hamburg bedienen, ist die DB verpflichtet, hier eine Autozugverladung vorzuhalten, befand das Gericht unter Hinweis auf das Eisenbahnregulierungsgesetz.

Die SPD-Abgeordneten sehen im Bezirk Harburg drei mögliche Standorte: Die Gleisanlagen des alten Harburger Rangierbahnhofs, die Güterbahngleise an der Seehafenstraße und die Hafenbahngleise nördlich des Containerterminals Altenwerder.

„Die Voraussetzungen sind an allen drei Orten gegeben“, sagt Wiesner. „Am besten eignet sich wohl die Seehafenstraße.“

Um Autoreisezüge zu verladen, ist laut Wiesner – er ist hauptberuflich Verkehrsplaner – ein 400 Meter langes, möglichst elektrifiziertes, Gleis notwendig; außerdem etwas mehr als 1000 Quadratmeter Aufstellfläche für wartende Fahrzeuge sowie einige kleine Gebäude für die Abfertigung und Versorgung der Reisenden und für die Mitarbeiter. Der Verladebahnhof sollte möglichst nah an einer Autobahn liegen. „Denn die Autoreisezüge haben ein sehr großes Einzugsgebiet“, sagt Wiesner. „Zum Teil kommen die Fahrgäste aus Skandinavien und nutzen den Zug, um auf dem Weg nach Italien oder in die Alpen über Nacht ruhen zu können und trotzdem Strecke zu bewältigen.“

Sind die Autos erst einmal verladen, könnte der Zug von Altenwerder oder der Seehafenstraße aus in den Harburger Bahnhof weiterfahren, um dort Schlafwagengäste aufzunehmen, die ohne Auto reisen. „Das hätte natürlich einen immensen Vorteil für die Harburger“, sagt Wiesner. „Denn bislang halten nur wenige Schlafwagenzüge auch in Harburg.“

Lediglich der alte Rangierbahnhof zwischen Seevekanal und Reeseberg wäre hier problematisch, sagt Wiesner. Dort müsste der Zug nach dem Einstieg der Fußpassagiere noch einmal halten.

In Harburg ist der SPD-Antrag wohl mehrheitsfähig. Die Grünen sind ebenfalls in der Initiative Harburg21 engagiert und auch die CDU ist für den Antrag: „Alles was Harburg attraktiver macht und Verkehrsprobleme löst, ist gut“, sagt der Marmstorfer CDU-Bezirksabgeordnete Reiner Bliefernicht, Vorsitzender des Verkehrsausschusses. „Aber es muss gut geplant werden!“

Bei der Bahn möchte man von den hilfsbereiten Harburgern bislang allerdings nichts wissen: „Die Machbarkeitsstudie zur Verlegung der Autoverladung ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die neue Anlage in unmittelbarer Nähe nördlich des künftigen Standortes des Bahnhofs Hamburg-Altona sein soll“, sagt DB-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis.