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Buchholz

SPD fordert eine Offensive für Pendler

Der Metronom

Der Metronom

Foto: Birgit Tiefenbach

Bahn soll Kapazitäten im Personennahverkehr deutlich erweitern. Gipfeltreffen am 19. Oktober in Winsen.

Buchholz.  Die SPD-Fraktion im Buchholzer Stadtrat hat jüngst „dringend erforderliche Maßnahmen zur Verbesserung der Situation für Pendler“ angemahnt. Die Zahl jener, die mit Bussen und Bahnen regelmäßig aus der südlichen Metropolregion nach Hamburg fahren würden, wachse seit Jahren erheblich. „Durch die Schaffung neuen Wohnraums und ein verändertes Mobilitätsverhalten ist auch künftig mit deutliche steigenden Fahrgastzahlen zu rechnen. Im Gegenzug wurde aber versäumt, die Kapazitäten zu erweitern. Da besteht akuter Handlungsbedarf“, so SPD-Ratsfrau Gudrun Eschment-Reichert.

Der Vorstoß zum jetzigen Zeitpunkt ist kein Zufall. Am 19. Oktober ist im Kreishaus in Winsen ein Spitzengespräch geplant, an dem unter anderen Enak Ferlemann, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, und der niedersächsische Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, Dr. Bernd Althusmann, teilnehmen werden. Hauptthema ist die Verkehrssituation im Hamburger Umland.

„Zwar wird es dort nicht nur um den öffentlichen Personennahverkehr auf der Schiene gehen. Aber dieser Aspekt steht natürlich auch auf der Agenda“, so der Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse.

Die Sozialdemokraten haben zu diesem Anlass konkrete Vorschläge unterbreitet, wie den gravierenden Defiziten bei der Beförderung der Pendler beizukommen wäre. Dabei haben sie weit über die Grenzen des Landkreises bis nach Hamburg geschaut. Zur Reduzierung der Behinderungen des Personenverkehrs durch Güterzüge wird etwa der Bau eines Kreuzungsbauwerks in Wilhelmsburg gefordert.

Um neue Kapazitäten im Personenverkehr zu schaffen, wird zudem der Neubau eines weiteren Bahnsteigs im Hamburger Hauptbahnhof angeregt, samt zusätzlicher Treppenauf- und -abgänge in den südlichen Bahnsteigbereichen der Gleise 11/12 und 13/14 zur Entlastung des oft überfüllten Südstegs.

Verlängert werden müssten überdies die Bahnsteige auf den Strecken Harburg–Buchholz–Bremen und Harburg–Lüneburg, um auf diese Weise längere Züge der Regionalbahnlinien 31 und 41 zu ermöglichen. Außerdem soll die neue S-Bahn-Linie 32 bis Harburg verlängert werden.

Im Stadtplanungsausschuss am Mittwochabend stieß die Initiative der Sozialdemokraten vor allem bei der Buchholzer Liste und den Grünen auf ungeteilte Zustimmung. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) von und nach Hamburg müsse gestärkt und verbessert werden. „Insofern sollten alle Stadtratsfraktionen den SPD-Antrag unterstützen“, so Grünen-Ratsherr Frerk Meyer.

Bürgermeister Röhse attackiert Hamburger Senat

Laut Bürgermeister Röhse würden all diese Punkte längst intensiv diskutiert. Es sei allerdings nicht genug, den Bürgermeister mit entsprechenden Empfehlungen in die schwierigen Verhandlungen mit der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) und dem Hamburger Verkehrsverbund (HVV) zu schicken. Es bedürfe auch eines gewissen Drucks aus den Parteien, um endlich zu Fortschritten zu kommen.

Der Christdemokrat erinnerte daran, dass sich da ohne Hamburg gar nichts bewege. Dort aber gebe es derzeit einen rot-grünen Senat, der offenbar „nur ein deutlich begrenztes Interesse“ habe, die ÖPNV-Situation im Umland nachhaltig zu verbessern. Jüngster Beleg dafür sei das Treffen mit LNVG und HVV Mitte April dieses Jahres zur Einbindung der Städte Buxtehude, Winsen und Buchholz in günstigere Tarifzonen.

„Vertreter der Freien und Hansestadt Hamburg waren trotz Einladung nicht dabei. Ohne Absage, ohne Begründung. Das war schon enttäuschend und sehr ernüchternd“, sagte Röhse dem Abendblatt.

Es wäre aber hinlänglich bekannt, dass Hamburg mit Blick auf die Hafenwirtschaft der Güterverkehr deutlich wichtiger sei, als der Personenverkehr ins Umland. Hier einen besseres Verhältnis hinzubekommen, sei auch Gegenstand beim nächsten Statustreffen des Dialogforums Schiene Nord am 30. November in Celle.

Erweiterung der Tarifzonen würde bis zu 3,4 Millionen Euro kosten

Rund 60.000 Pendler wohnen im Landkreis Harburg. Knapp ein Viertel stammen aus Buchholz.

Die drei Städte Buxtehude, Winsen und Buchholz liegen im Tarifbereich D. Während etwa die Einzelfahrt vom unbedeutenden Klecken (City-Zone AB) 3,30 Euro kostet, muss der in Buchholz zusteigende Pendler 7,20 Euro berappen.

Neue Zuschnitte der Tarifzonen würden laut Landesnahverkehrsgesellschaft und HVV je nach Modell Mehrkosten zwischen 2,3 und 3,4 Millionen Euro pro Jahr verursachen.

Im HVV-Einzugsgebiet leben rund 3,5 Millionen Menschen. 29 Unternehmen betreiben hier vier U-Bahn-, sechs S-Bahn-, 22 Bahn-, rund 700 Bus- und 8 Fährlinien.