Harburg
Förderung

Harburg hat jetzt eine Kulturlotsin

Kita-Einstieg: Kulturlotsin Anett Wohlers (rote Haare) und Studentin Zoé Totz (weiße Bluse), Prof. Dr. Liane Simon (rosa Pulli) bei einem der wöchentlichen Treffen mit Müttern und Kinder in der Unterkunft Am Röhricht 19

Kita-Einstieg: Kulturlotsin Anett Wohlers (rote Haare) und Studentin Zoé Totz (weiße Bluse), Prof. Dr. Liane Simon (rosa Pulli) bei einem der wöchentlichen Treffen mit Müttern und Kinder in der Unterkunft Am Röhricht 19

Foto: Katharina Geßler / HA

Sozialpädagogin soll Kleinkinder – und deren Eltern – auf die Kita vorbereiten. Hochschule MSH unterstützt

Harburg.  „Brücken bauen für die frühe Bildung“, das ist der Untertitel des Bundes-Projektes Kita-Einstieg. Das Berliner Ministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend hat es Ende vergangenen Jahres aufgelegt und stellt dafür bis 2020 insgesamt 1.050.000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Hamburg (schießt zehn Prozent der Kosten zu) und vor allem auch Harburg, gehören zu den ersten, die gesagt haben: „Wir wollen mitmachen!“ Ergebnis: Harburg hat eine Kulturlotsin, von Oktober an sogar zwei.

Anett Wohlers, Sozialpädagogin und Angestellte des Harburger DRK, kümmert sich seit einem halben Jahr in der Folgeunterkunft für Flüchtlinge Am Röhricht um Eltern mit Kleinkindern. Immer mittwochs von 10 bis 11.30 Uhr trifft sie sich im Haus 21 mit ihnen. Wohlers vorrangiges Ziel: den Eltern zu erklären, wie das deutsche Betreuungssystem funktioniert, wie wichtig frühe Förderung ist und welche Hilfe es gibt. Wohlers ist dabei nicht allein. Die Kulturlotsin wird unterstützt von der Medical School Hamburg (MSH).

Als Liane Sommer, Professorin für Transdisziplinäre Förderung, von dem Projekt erfuhr, was sie sofort begeistert. Seit dem Sommer unterstützen sie und eine Hand voll ihrer Studentinnen die Arbeit von Anett Wohlers. Eine ideale Ergänzung zur Theorie des Studiums sei das, sagt Studentin Zoé Totz (20) aus Buchholz. Im Fokus stehen die Eltern-Kind-Beziehungen, erklärt ihre Professorin. Die seien teilweise geprägt vom Trauma der Flucht. In der Theorie erlernte Methoden, familiäre Bindungen zu fördern, könnten ihre Studenten hier in der Praxis anwenden. Die Studenten dokumentieren ihre Arbeit, analysieren und diskutieren die Ergebnisse. Denn später wird das ihren Berufsalltag bestimmen: „Sie sollen in der Lage sein, kindliche Entwicklung zu erkennen und fördern und die Eltern entsprechend zu beraten“, sagt Professorin Simon.

Bei den wöchentlichen Zusammenkünften in der DRK-Unterkunft in Neugraben-Fischbek haben Kulturlotsin Anett Wohlers und ihre Mitstreiterinnen der MSH allerdings schnell gemerkt, dass den Frauen aus dem Irak, aus Ghana oder Afghanistan eines besonders am Herzen liegt: Sie wollen Deutsch lernen, so schnell wie möglich­ – unabhängig davon, dass bei den wöchentlichen Treffen auch immer Übersetzerinnen dabei sind.

Doch nicht nur diese Treffen binden die Arbeitskraft der Kulturlotsin. Sie ist auch regelmäßiger Gast in der benachbarten Kita Storchenwiese. Frühe Förderung soll keine Einbahnstraße sein. Vielmehr geht es auch darum, denen zu helfen, die mit Kindern arbeiten, die durch die Erlebnisse der Flucht geprägt sind. Kultursensible Eingewöhnung und Elternarbeit, Traumapädadogik, das sind Stichwörter, die die Kulturlotsin in diesem Zusammenhang nennt.

Träger des Projektes Kita-Einstieg ist in Hamburg die Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (AGFW), zu der u. a. der Paritätische Wohlfahrtsverband, das DRK und die Arbeitwohlfahrt gehören. Außer in Harburg sind in Hamburg neun weitere Kulturlotsinnen im Einsatz.

Sie alle haben das Ziel, Integration und gesellschaftliche Teilhabe von Familien zu ermöglichen, die sonst außen vor bleiben würden – mit und ohne Migrationshintergrund. Gleichzeitig gibt es Angebote zur Qualifizierung des pädagogischen Fachpersonals. Fortbildungstermine finden Interessierte stets aktuell im Internet auf der Seite kita-einstieg-hamburg.de.

Die Hamburger AGFW war nicht nur schnell bei der Umsetzung des Bundesprojektes, sie hat auch ein eigenes Motto kreiert: „Gemeinsam groß werden, damit alle Kinder voneinander lernen können.“