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Zukunft des Reitergeländes bleibt ungewiss

Bürgermeister Udo Heitmann sieht in dem Reitergelände ein „Sahnestück“

Bürgermeister Udo Heitmann sieht in dem Reitergelände ein „Sahnestück“

Foto: Jürgen Müller / HA

Umwandlung in gemischtes Wohn- und Gewerbegebiet wird immer unwahrscheinlicher. Neubau einer Ganztagsschule momentan vorrangig.

Jesteburg.  Für Bürgermeister Udo Heitmann ist das Gelände des ortsansässigen Reit- und Fahrvereins Nordheide (RuFV) ein „Sahnestück“. Kein Wunder, dass es Begehrlichkeiten weckt. Bauamtsleiter Thomas Burmester spricht denn auch von „drei offenen Flanken“, die eine Entscheidung zur künftigen Nutzung äußerst schwierig machen würden.

Bekanntlich sollen die Reiter nach dem Auslaufen des Pachtvertrages spätestens 2020 auf ein 5,5 Hektar umfassendes Areal Am Alten Moor hinter den Sportanlagen des VfL Jesteburg umsiedeln. Allerdings liegt das neue Domizil in der Gemarkung Asendorf. Dessen Gemeinderat hatte zwar Unterstützung avisiert und sogar eine vorhabenbezogene Baugenehmigung in Aussicht gestellt. Doch nun verlangt die Kreisverwaltung wegen der Nähe zu schutzwürdigen Habitaten ein B-Planverfahren.

Anfang des Jahres war die CDU-Fraktion in die Offensive gegangen und wollte das aktuelle Reitergelände für die Ansiedlung von Handel und Gewerbe nutzen. „Jahrelang hat die Gemeinde vorrangig auf Einnahmen aus der Einkommenssteuer gesetzt und Möglichkeiten für Gewerbesteuereinnahmen vernachlässigt. Dem müssen wir jetzt entgegenwirken“, begründete Fraktionschefin Britta Witte den Vorstoß.

Mitte des Jahres hatte sich schließlich die Firma Adler Smart Solutions gemeldet, die das zwei Hektar große Terrain als gemischtes Wohn- und Gewerbegebiet entwickeln will. Das Hamburger Unternehmen, das sich der Integration erneuerbarer Energien im Immobilienbereich verschrieben hat, entwarf eine Gewerbeinsel mit vier Bürogebäuden, Spielplatz und Teich, das von 21 Doppelhäusern und zwei kombinierten Gewerbe-/Wohnbauten mit sechs weiteren Wohnungen umschlossen werden sollte.

Als der Bauausschuss der Gemeinde in seiner jüngsten Sitzung nun aber über den Abschluss eines Städtebaulichen Vertrages befinden sollte, wurde das Thema kurzfristig von der Agenda genommen. Es müssten „ohne zeitlichen Druck“ mehrere Punkte geklärt werden, um sich nicht selbst „Chancen zu verbauen“, begründete Ausschussmitglied Steffen Burmeister (SPD) die Volte.

Auf dem Turnierplatz soll eine neue Grundschule entstehen

Das wohl drängendste Problem ist der Umbau der benachbarten Grundschule in eine Ganztagsschule. Drei Optionen sind dazu in der jüngsten Sitzung des Schulausschuss der Samtgemeinde präsentiert worden. „Favorisiert wird Variante C, die einen kompletten Neubau der Schule vorsieht“, so Bauamtsleiter Burmester.

Dafür müsste jedoch ein Großteil des jetzigen Turnierplatzes bebaut werden, der für die avisierte Entwicklung eines kombinierten Wohn- und Gewerbegebiets dann nicht mehr zur Verfügung stünde.

Der große Vorteil dieser Variante: Ein Neubau würde den laufenden Schulbetrieb kaum beeinträchtigen und die Bestandsbauten stünden für eine Nachnutzung durch eine mögliche Kindertagesstätte zur Verfügung. Zudem wäre er mit einer Bauzeit von 18 Monaten am schnellsten umzusetzen und mit einem finanziellen Aufwand von geschätzten 12,1 Millionen Euro zudem günstiger als die Anbauvariante A (12,9 Mio.) und die Neubauvariante B inklusive Teilabriss von Bestandsbauten (13,2 Mio.).

Die Neuplanung des alten Reitergeländes wird indes auch von der anhaltenden Diskussion um die Neuaufstellung des ebenfalls benachbarten Bauhofs tangiert. Nachdem bereits weitgehend Einigkeit mit Bendestorf über eine Verlagerung auf ein Grundstück an der Kreuzung Jesteburger Chaussee/Kleckerwaldstraße herrschte, bestand der Landkreis nach einem Ortstermin aber auf der strikten Einhaltung der Abstände zur Kreis- und zur Landesstraße von je 15 Metern und zu einer kleinen Restwaldfläche von 20 Metern.

Weil die Fläche so deutlich beschnitten wurde, drohte die Verlagerung zu scheitern. Was möglicherweise eine Erweiterung des Jesteburger Bauhofs zur Folge gehabt hätte. Nach weitergehenden Untersuchungen durch einen Tiefbauplaner konnte Thomas Burmester nun aber vermelden, dass das nötige Flächenpotenzial für einen gemeinsamen Samtgemeinde-Bauhof in Bendestorf gegeben sei: „Da er aber im Außenbereich entstehen soll, bedarf es nicht nur einer Änderung des Flächennutzungsplans, sondern auch eines Bebauungsplanverfahrens mit umfassender Öffentlichkeitsbeteiligung.“

Wie das alte Reitergelände künftig tatsächlich genutzt wird, bleibt also vorerst ungewiss.