Neues Quartier

Fischbeker Reethen: Großbaustelle belastet Süderelbe

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Axel Tiedemann
Entwurf des Quartiers Fischbeker Reethen

Entwurf des Quartiers Fischbeker Reethen

Foto: HA

2021 sollen die wesentlichen Bauabschnitte in einem Zug gebaut werden. Das führt zu erheblichen Belastungen durch den Baustellenverkehr

Fischbek.  Während auf dem Gelände der früheren Röttiger Kaserne in Fischbek die ersten Bewohner einziehen, drückt die städtische Planungsgesellschaft IBA für eine weiteres riesiges Neubaugebiet in dem Stadtteil jetzt aufs Tempo: Rund 2200 Wohneinheiten und etliche Gewerbebauten sollen quasi gegenüber auf den weitläufigen Wiesen zwischen Fischbek und Neu Wulmstorf gebaut werden, durchzogen von einem Graben und zahlreichen Grünflächen. Das ganze firmiert beim Senat als „Gartenstadt des 21. Jahrhunderts“. Projektname: Fischbeker Reethen.

Am Montag informierte die IBA-Projektkoordinatorin Silke Bainbridge-Nott den Stadtplanungsausschuss der Harburger Bezirksversammlung über zahlreiche neue Details, die in einem Funktionsplan dargestellt sind. Eingeladen war auch der Bauausschuss Neu Wulmstorfs, da die niedersächsische Gemeinde unmittelbar an das Gelände angrenzt. Denn dort sind die Verflechtungen eng und der Bau eines so großen Geländes wird auch in Neu Wulmstorf zu spüren sein.

Einige für den Ort gute Nachrichten hatte die IBA-Planerin aber mitgebracht. So soll unmittelbar an der Landesgrenze eine Kleingarten-Ansiedelung entstehen, die noch einmal deutlich größer ausfallen wird, als ursprünglich geplant. Zudem soll es zu Neu Wulmstorf nur Wegeverbindungen für Radfahrer und Fußgänger geben, keine Autostraße.

Was allerdings alle Anwohner zunächst spüren werden, dürfte ein enormer Baustellenverkehr sein, wie der Neu Wulmstorfer Bauausschussvorsitzende Thomas Grambow (SPD) anmerkte. Tatsächlich strebt die IBA an, dass im Frühjahr 2021 mit den Hochbauten im ersten Bauabschnitt rund um das künftige Zentrum begonnen werden kann. Die weiteren Bauabschnitte sollen dann aber schon nach wenigen Wochen folgen. „Die Frage ist, ob man das nicht ein wenig entzerren sollte“, sagte der SPD-Politiker und äußerte die Befürchtung, dass gerade auf die ohnehin stark befahrene Bundesstraße 73 ein massiver Baustellenverkehr zurollen könnte.

Tatsächlich dürfte dort zunächst eine enorme Baustelle entstehen: Rund 70 Hektar ist das Areal groß. Etwa 45 Prozent der Fläche sind für Gewerbebauten vorgesehen, die unmittelbar an der Bahnlinie entstehen und so als eine Art Lärm-Puffer für die Wohngebäude dienen. Drei Kitas sind dort zudem bislang geplant. Außerdem soll die Schule am Fischbeker Ohrnsweg ausgebaut werden.

Bei den Wohngebäuden soll es eine Mischung aus Reihen-, Einzel-, und Mehrfamilienhäusern geben — mit einem großen Anteil geförderter Wohnungen. Etwa 60 Prozent der Wohnungen werden in Mehrfamilienhäusern gebaut, 35 Prozent in Reihenhäusern. Im Durchschnitt werden die Gebäude 3,25 Geschosse aufweisen, lediglich einige wenige „Hochpunkte“ mit bis zu acht Geschossen sind nun geplant. Eines davon an der B 73, wo laut IBA auch ein Hotel denkbar wäre.

Speziell bei der Planung der Reihen- und Einzelhäuser hat es weitere Änderungen in der Planung gegeben. Statt 55 sind im südwestlichen Bereich des Areals nun 61 Einfamilienhäuser geplant. Spannender noch dürften die Planänderungen für die Reihenhäuser sein. Hier sollen am künftigen Boulevard unterschiedliche Typen angeboten werden. Bainbridge-Nott sprach da von „gestapelten Reihenhäusern“ und „Hybridtypen“. Dabei würden drei Geschosse als klassisches Reihenhaus genutzt werden können, während in einem oberen Geschoss eine weitere Wohnung angeboten wird.

Geplant sind für PKW-Stellplätze dort auch „Parkdecks“ oberhalb des eigentlichen Erdgeschosses oder auch der andere Weg, wobei die Gärten der Bewohner praktisch auf den tieferen Parkebenen angelegt werden könnten. Bainbridge-Nott: „Das wird so gemacht, dass man dort auch Bäume anpflanzen kann.“ Zudem wolle die IBA bei den Reihenhäusern versuchen, einzelne Reihenhausscheiben direkt an die Nutzer zu vermarkten und nicht den Weg über zusätzliche Projektentwickler gehen, die ganze Zeilen bauen. „Dazu gibt es in anderen Ländern schon gute Beispiele und das könnte die Kosten senken“, so die Planerin.

Eine weitere Planänderung betrifft das angrenzende EU-Vogelschutzgebiet im Norden. Hier sehen die neuen Pläne einen „Katzengraben“ oder auch einen „Katzenzaun“ vor, damit die Vögel vor Katzen der Bewohner geschützt werden können.

Der Zeitplan sieht nun vor, dass der Stadtplanungsausschuss über den jetzt vorgestellten Funktionsplan noch in diesem Monat entscheiden wird. Parallel dazu arbeitet die Verwaltung an einem konkreten Bebauungsplan — so dass bereits 2020 die ersten Bauten genehmigt werden könnten.

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