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HVV-Anschluss für den Fischbeker Heidbrook

So soll das Neubaugebiet an der Fischbeker Heide aussehen, wenn es fertig gebaut ist. Nur ein schmaler Waldstreifen trennt es von Neu Wulmstorf

So soll das Neubaugebiet an der Fischbeker Heide aussehen, wenn es fertig gebaut ist. Nur ein schmaler Waldstreifen trennt es von Neu Wulmstorf

Foto: IBA Hamburg GmbH / bloomimages

Hamburg wächst und schafft immer mehr Neubaugebiete. In einem wurden jetzt neue Bushaltestellen eröffnet. Doch Bewohner üben Kritik.

Fischbek.  Wer von der Bundesstraße 73 ganz im Südwesten Hamburgs abbiegt und durch die ehemalige Einfahrt der früheren Röttiger-Kaserne fährt, sieht so gut wie nicht mehr von der alten Nutzung: Zahlreiche mobile Baustellen-Toiletten fallen hier vielmehr auf, sandige Baugruben und Gerüste an Rohbauten. Die Straßen sind meist eher Provisorien und Baufahrzeuge ackern noch durchs Areal. Doch die ersten Bewohner im Fischbeker Heidbrook sind hier bereits vor Monaten eingezogen, die ersten 40 Einfamilienhäuser von insgesamt 1200 geplanten Wohneinheiten sind fertig.

Seit einigen Tagen hat dort nun auch ein Rewe-Supermarkt geöffnet, ein dm-Drogeriemarkt wird in Kürze folgen, selbst die Sparkasse ist schon Ort. Und seit wenigen Tagen ist das hügelige Wohngebiet jetzt auch an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen. Von vier Bushaltestellen und über die verlängerte Buslinie 240 sind nun die S-Bahnhöfe in Fischbek (mit einigen Metern Fußweg) und Neugraben zu erreichen.

Auch mit dem benachbarten, niedersächsischen Neu Wulmstorf und seinem Freibad ist das Gebiet jetzt per Bus verbunden. Ein wichtiger Etappenschritt: „Wir ermöglichen es auch jungen Familien innerhalb Hamburgs bezahlbaren Wohnraum zu finden“, sagt IBA-Geschäftsführerin Karen Pein und spricht von einer „optimalen Anbindung“ an den Nahverkehr.

Tatsächlich ist das frühere Kasernengelände eines der neuen Hamburger Wohngebiete, wo der Senat „mehr Stadt an neuen Orten“ schaffen möchte, wie Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) sagt. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass mit der reinen so genannten Innenentwicklung, der jährliche Zuzug von rund 10.000 Neubürgern nicht zu schaffen ist. Also neue Orte: Allein in Neugraben-Fischbek sind so mit dem Heidbrook und den gegenüber liegenden Fischbeker Reethen sowie dem Vogelkamp in Neugraben zusammen rund 5000 Wohneinheiten in Planung oder bereits in Bau.

Tausende werden es auch im Bezirk Bergedorf werden. Doch klappt die Planung, kommt die Infrastruktur mit Straßen, Schulen, Kitas und dem Nahverkehr hinterher, wenn in Randlagen der Stadt gebaut wird? Dafür ist im Süden Hamburgs vor allem die IBA zuständig, die eigentlich einmal für die Internationale Bauausstellung in Wilhelmsburg gegründet worden war.

Spricht man mit den ersten Bewohnern im Heidbrook hört man viel Kritik. Der Tenor ist immer gleich: Man freut sich, so wunderbar im Grünen zu wohnen und doch noch Hamburger mit dem richtigen Auto-Kennzeichen bleiben zu können. Aber die Versorgung mit Kita- und Schulplätzen sei noch schlecht, Spielplätze anders als versprochen noch nicht fertig. Und auch die neue Bushaltestelle komme viel zu spät, heißt es.

„Die Planung der Infrastruktur ist ein Armutszeugnis – warum zum Beispiel sind die Kitas noch nicht fertig, bei so vielen Kindern hier?“, sagt der 44jährige Kehad Isa, ein Airbus-Manager, der mit Frau und zwei kleinen Kindern vor einiger Zeit in das neue Haus der Familie eingezogen ist. Vieles sei noch eine Notlösung, sagt er und deutet auf die Baustraße an seinem Rasen. Einen Zaun konnte er daher noch nicht ziehen und sorgt sich nun um seine Kinder.

Auch Nachbarn, die schon ein paar Monate „auf der Baustelle wohnen“, wie sie sagen, äußern teils heftige Kritik. „Die Kita kommt wohl erst, wenn unsere Kinder 18 Jahre alt sind“, sagt etwa Torsten Meirose, einer der allersten Bewohner dort. Fast ein Jahr habe man auch nun auf die neue Bushaltestelle warten müssen. „Nachbarn mussten sich extra ein eigenes Auto anschaffen, damit sie zur Arbeit kommen“, kritisiert der Neubürger.

Die IBA verweist indes auf weitere Etappenschritte, die noch folgen sollen: Bis Ende 2019 sollen alle Straßen, Plätze und Grünflächen hergestellt sein, versicherte die städtische Planungsgesellschaft. Lediglich „einzelne“ Hochausbauten würden dann noch in den folgenden Jahren fertiggestellt. Schon heute seien 70 Prozent aller Grundstücke verkauft, weitere 24 Prozent reserviert. Und auch die Kita-Planung komme voran.

So soll das noch bestehende östliche Kasernengebäude demnächst saniert werden, rund 116 Seniorenwohnungen sowie eine Kita im Kopfgebäude seien dort geplant. Fertigstellung der Kita und Inbetriebnahme mit 120 Plätzen sei für die zweite Jahreshälfte 2019 vorgesehen, teilte das Unternehmen auf Abendblatt-Anfrage mit. Zudem sei noch eine weitere Kita auf dem zentralen Plateau des Geländes geplant. Dort könnten dann von 2020 an weite 80 Plätze angeboten werden – gut drei Jahre nachdem die ersten Familien dort eingezogen sind.

Röttiger-Kaserne

Bundeswehr In der früheren Röttiger-Kaserne an der Landesgrenze zu Niedersachsen war viele Jahre lang vor allem die Panzergrenadierbrigade 7 stationiert. Im März 2004 verließen die letzten Bundeswehrangehörigen das Gelände, das auch unmittelbar an die Fischbeker Heide grenzt.

Neubaupläne Erste Ideen für eine Bebauung des alten Kasernengeländes wurden 2006 bei der Hamburger Architekturolympiade entwickelt. Die ersten Entwürfe für einen Bebauungsplan sahen dann zunächst nur 770 Wohneinheiten vor. Die Pläne wurde aber wieder auf Eis gelegt. 2013 bekam schließlich die IBA den Auftrag zur Entwicklung des Neubaugebiets. Zunächst war dann von auch lediglich nur 800 Wohneinheiten die Rede, zum Verkaufsstart der Grundstücke 2015 waren dann 1200 Wohneinheiten daraus geworden. Davon 25 Prozent in Einfamilien- und Doppelhäusern, 30 Prozent in Reihenhäusern und 45 Prozent in Mehrfamilienhäusern.