Harburg
Stadtjubiläum

Buchholz: Besuch im Stadtgedächtnis

Die Buchholzer Stadtarchivarin Susanne Lang an ihrem Schreibtisch

Die Buchholzer Stadtarchivarin Susanne Lang an ihrem Schreibtisch

Foto: Lutz Kastendieck

Archivarin Susanne Lang wacht über Dokumente. Sie ist in diesem Jahr besonders gefragt, denn 60 Jahre Stadtrecht wird gefeiert.

Wer die Buchholzer Stadtarchivarin Susanne Lang besuchen will, muss nicht in ein finsteres, muffiges Kellergewölbe hinabsteigen. Das „Gedächtnis der Stadt“ befindet sich unterhalb der Stadtbücherei im Erdgeschoss des Geschäftshauses an der Kirchenstraße 6, Tür an Tür mit der Tourist-Information. „Das ist ein guter, zentraler Platz. Vielleicht bekomme ich gerade deshalb so oft Besuch von Bürgern, die sich für die Geschichte ihrer Stadt interessieren“, sagt die 54 Jahre alte Verwaltungsfachfrau.

400 Anfragen registriert sie im Schnitt pro Jahr. In diesem dürften es deutlich mehr werden. Dieser Tage jährt sich die Verleihung des Stadtrechts zum 60. Mal. Aus diesem Anlass lädt die Stadtverwaltung am 18. August von 11 bis 16 Uhr nicht nur zu einem Tag der offenen Tür rund ums Rathaus. Zum Jubiläum ist auch eine hundertseitige Broschüre geplant, die Buchholz’ Wandel vom Heidedorf zur größten Stadt des Landkreises dokumentieren soll.

So gaben sich Autoren des umfassenden Werkes in den vergangenen Wochen praktisch die Klinke in die Hand, um im Stadtarchiv die wichtigsten Meilensteine dieser beeindruckenden Entwicklung zu recherchieren. Beim Abendblatt-Besuch sichtete dort gerade Stadtsprecher Heinrich Helms historische Dokumente aus der Zeit des Dritten Reichs.

„Dank der enormen Fleißarbeit unserer Stadtarchivare wird man zum Glück schnell fündig. Es hat sich gelohnt, dem Stadtarchiv im Laufe der Jahre mehr Platz einzuräumen, auch wenn es längst schon wieder an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen ist“, sagte Helms.

Entstanden ist das Archiv 1983 - übrigens zehn Jahre bevor das Land Niedersachsen Kommunalarchive per Gesetz verpflichtend vorschrieb. Anfangs war es in einem ehemaligen Klassenraum in der Waldschule untergebracht. „Nach vier Jahren siedelt es erst in eine 3-Zimmerwohnung in der Königsberger Straße um. Im Juni 2006 folgte dann der Umzug in die Kirchenstraße“, berichtet Susanne Lang.

Wurde das Archiv zunächst zweimal wöchentlich ehrenamtlich betreut, bewilligte der Stadtrat 2001 schließlich eine halbe hauptamtliche Stelle. Eigentlich zu wenig, um das enorme Aufkommen an eingehenden Dokumenten fachgerecht ordnen zu können.

Dazu gehört nicht nur „archivwürdiges Schriftgut aus der Verwaltung“, also Akten und andere Unterlagen, die Rechtstitel enthalten oder durch ihre Bedeutung dauerhaft aufbewahrt werden müssen. Dazu gehört auch eine Pressesammlung aller wichtigen Artikel über die Stadt, eine Bücher- und Fotosammlung sowie mehrere separate Themensammlungen, etwa zur Stadtentwicklung, zu wesentlichen Bauprojekten, dem wirtschaftlichen und dem kulturellen Leben.

Das alles lagert in 800 Kartons und Hunderten Ordnern, die inzwischen 53 laufende Regalmeter füllen, in einem breiten Kartenschrank und einem massiven Stahlschrank lagern. Nicht nur in dem großen Archivraum, dessen Temperatur mittels einer Klimaanlage auf konstant 18 Grad gehalten wird. Teile des Archivs finden sich zudem im Rathaus. Eine neue Herausforderung besteht in der fortschreitenden Digitalisierung des Archivs.

„Hier wurde in den vergangenen Jahren eine neue Struktur aufgebaut, die fortlaufend angepasst und erweitert wird“, berichtet Susanne Lang. Die meisten Dokumente seien zwar noch in Papierform: „Doch alle Bilder finden sich mittlerweile in einer Fotodatenbank, die mehr als 38.000 Dateien, zumeist im TIF-Format umfasst, und täglich werden es mehr.“

Gerade erst erhielt das Archiv von einer Buchholzerin mehrere Fotos von jener Torte, die Bäcker Kröger anlässlich der Verleihung der Stadtrechte am 15. Juli 1958 für das Rathaus herstellte. „Wir sind aber ständig auf der Suche nach weiteren Fotos und Dokumenten, um unsere Stadtgeschichte noch lückenloser dokumentieren zu können“, sagt Susanne Lang.

Denn das Stadtarchiv ist nicht nur Anlaufpunkt für Heimatforscher, Historiker und Studenten. Zu ihr kommen auch Mitarbeiten von Firmen, um für Betriebsjubiläen zu recherchieren und Mitglieder von Vereinen, die an Chroniken arbeiten. Und immer wieder Bürger, die nach Geburts- und Sterbeurkunden in Erbschaftsfällen suchen, oder einfach nur die eigene Familiengeschichte erforschen wollen.

Ihnen allen steht die Vollblutarchivarin mit Rat und Tat zur Seite. „Ich denke, das macht eine gute Archivarin aus. Außerdem ist es ja schon spannend, wenn sich Stadtgeschichte in ganz persönlichen Geschichten nachvollziehen lässt.“

Vielfältiges Programm zum Jubiläum

Die Jubiläumsfeier am Sonnabend, 18. August, bietet von 11 bis 16 Uhr eine Vielzahl an Aktivitäten in Rathaus, Jugendzentrum, Familienbüro, Kaleidoskop und Stadtbücherei. Neben zahlreichen Musikveranstaltungen gibt es unter anderem Improvisationstheater in der Stadtbücherei.

Im Rathaus werden zahlreiche Informationen über die unterschiedlichen Bauvorhaben in Buchholz geboten, daneben Verbraucherinformationen und ein Stand zum Thema Arbeitgeber Öffentlicher Dienst.

Das Kaleidoskop bietet Spontantheater sowie unterschiedliche Kunstworkshops zum Mitmachen für alle.