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Winsen

Großer Andrang bei den Landkreis-Kitas

Mit der Beitragsfreiheit für Kita-Plätze in Niedersachsen ist die Nachfrage auch im Landkreis Harburg gestiegen

Mit der Beitragsfreiheit für Kita-Plätze in Niedersachsen ist die Nachfrage auch im Landkreis Harburg gestiegen

Foto: CHROMORANGE / Christian Ohde / picture alliance

In Winsen werden 40 Kinder mehr betreut. SPD und CDU wollen die Ausbildung von Erziehern aufwerten.

Winsen. Rolf Zamponi

Ungewöhnlich viele Eltern im Landkreis Harburg haben sich zu Beginn des neuen Kita-Jahres einen Betreuungsplatz für ihr Kind gewünscht. Die gestiegene Nachfrage hängt mit dem Wegfall der Elternbeiträge für Kinder ab drei Jahren zusammen, den die niedersächsische Landesregierung zum 1. August beschlossen hatte.

„Wir haben beobachtet, dass sich die Anmeldezahlen für die Elementargruppen erhöht haben“, sagt Christian Riech, Erster Stadtrat in Winsen. Vor allem die Ganztagsbetreuung werde zunehmend nachgefragt, womit sich ein Trend der vergangenen Jahre fortsetze. Konkret werden in diesem Jahr 40 Kinder mehr in den 17 Einrichtungen der Stadt betreut, die Elementargruppen für Kinder zwischen drei und sechs Jahren anbieten.

Dies liegt laut Riech aber nicht allein an der Beitragsfreiheit. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: In diesem Jahr hatten Eltern erstmals die Möglichkeit, ihr Kind ein Jahr länger im Kindergarten betreuen zu lassen – wenn es im Juli, August oder September geboren ist. Bisher waren solche Kinder bereits schulpflichtig. Zudem gehört Winsen zu den wachsenden Kommunen. Derzeit leben 36.416 Menschen in der Kreisstadt, 350 mehr als noch vor einem Jahr.

Ähnlich sieht es in Neu Wulmstorf aus. „Wir haben viel Zuzug in der Gemeinde, deshalb verzeichnen wir auch erhöhte Anmeldezahlen in den Kitas“, sagt Bürgermeister Wolf-Egbert Rosenzweig. Die Gemeinde stelle sich darauf ein, dass die Nachfrage weiter steige. „Wir planen wie verrückt und schaffen neue Plätze“, sagt Rosenzweig. „Aber das geht nicht so schnell.“

Eine weitere Ursache für den Ansturm auf die Kitas nennt Ulrich Emcke, stellvertretender Bürgermeister in der Samtgemeinde Salzhausen. „Mit der steigenden Zahl von Krippenkindern, die in den Kindergarten wechseln, steigt gleichzeitig die Nachfrage nach Ganztagsplätzen.“

Wenn Kleinkinder bereits in der Krippe sechs oder acht Stunden betreut wurden, nehmen ihre Eltern diese Zeiten auch im Elementarbereich in Anspruch. Unter anderem deshalb steigt auch in Salzhausen die Nachfrage nach Ganztags-Kindergartenplätzen. Inwiefern sich der Wegfall der Elternbeiträge zusätzlich auswirke, werde man in den kommenden Monaten sehen, sagt Emcke.

„Wir nehmen eine Tendenz wahr, dass kaum noch Kinder die Betreuung mittags beenden. Vielmehr wird der Ganztag stärker nachgefragt, seitdem die Betreuung kostenfrei ist“, sagt Svenja Riebau, Sprecherin der Gemeinde Seevetal. Es würden nicht mehr Kinder betreut, aber die Zeiten verlängerten sich. In Buchholz ist dagegen noch kein signifikanter Anstieg der Anmeldezahlen zu beobachten. Sprecher Heinrich Helms führt dies darauf zurück, dass bereits heute viele Kindergartenkinder ganztags betreut werden.

Um auf ausreichend Erzieher für die stärker nachgefragte Betreuung zurückgreifen zu können, haben SPD und CDU jetzt auf Landesebene einen gemeinsamen Antrag gestellt. Darin wird die Landesregierung aufgefordert, Ausbildungs- und Fortbildungsangebote auszubauen, den Quereinstieg zu erleichtern und das Schulgeld bei Einrichtungen von Freien Trägern abzuschaffen. „Wir wollen den Beruf des Erziehers aufwerten und mehr junge Leute gewinnen“, sagt André Bock (CDU), der Vorsitzende des zuständigen Landes-Kultus-Ausschusses.

Wichtiges Ziel ist es, den Beruf wie etwa im Handwerk in eine duale Ausbildung zu bringen. Dann müssten die Einrichtungen die Schüler einstellen und ein Entgelt zahlen. Der Ausschuss wird darüber am 17. August und am 31. August beraten. Ein solches Modell ließe sich danach in Modellregionen testen. „So stelle ich mit das jedenfalls vor“, sagt Bock. „Wenn der Landkreis Harburg hier eine Rolle spielen könnte, wären wir sicher gerne dabei.“

Bereits entschieden ist, dass das Land gut 32,5 Millionen Euro für den Wechsel der Sprachförderung in die Kindertagesstätten bereitstellt. Die Jahressumme fließt in diesem Jahr anteilig. Damit erhalten die Gemeinden und private Träger wie DRK oder die Kirche Geld für eine Aufgabe, die bislang von Lehrern wahrgenommen wurde. Wie viel der Summe in den Landkreis Harburg fließt, ist noch offen.

Beitragsfreiheit kostet 300 Milionen Euro

Die niedersächsische Regierungskoalition aus SPD und CDU hat die Elternbeiträge für die Kindergartenbetreuung zum 1. August abgeschafft.

Die Beitragsfreiheit gilt für Kinder ab drei Jahren in den sogenannten Elementargruppen und für eine Betreuung von bis zu acht Stunden am Tag. Für Krippenkinder werden weiter Beiträge fällig. Das Land Niedersachsen kalkuliert für das erste Jahr mit Kosten von mehr als 300 Millionen Euro.

Im Landkreis Harburg gibt es 137 Kindertagesstätten mit Elementargruppen. Dort wurden zu Beginn des vergangenen Kindergartenjahres 6907 Kinder zwischen drei und sechs Jahren betreut, etwa die Hälfte ganztags.