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Salzhausen

Im Salzhäuser Milchhof gibt es Gurkensalat in der Waffel

Foto: martina berliner / Martina Berliner

Das Abendblatt stellt Bauernhöfe vor, die das Besondere bieten. Heute: der Salzhäuser Milchhof Lübberstedt, der Speiseeis anbietet.

Wollen Sie mal die Sorte Gurkensalat probieren?“, fragt Margit Lübberstedt und reicht eine Eiswaffel mit hellgrüner Kugel über den Kühltresen. Gurkensalat?! Tatsächlich: Gurken, Joghurt, Zucker, Glukose, Wasser, Zitronensaft, Dill und Johannisbrotkernmehl als Dickungsmittel stehen auf der Zutatenliste. Die kühle Creme zergeht auf der Zunge und erzeugt ein ganz neues Geschmackserlebnis. Nicht zu süß, nicht zu würzig. Erfrischend anders.

Margit Lübberstedt versteht ihr Handwerk. Das Markenzeichen „Kulinarischer Bauernhof“ prangt neben der Eingangstür zum Hofladen. Gleich nebenan produziert sie seit nunmehr sieben Jahren Speiseeis. Das breite Sortiment wechselt saisonal. Heute umfasst es sowohl bekannte Sorten wie Erdbeer oder Vanille als auch ungewöhnliche Kreationen wie Eis mit Ferrero Rocher oder Eis mit Baileys. Es gibt auch Buchweizen mit Preiselbeeren. „Ich wollte eine Sorte passend zur Heideregion“, erklärt Margit Lübberstedt.

Sie lebt am Rande Salzhausens unweit des Freibads inmitten der Feldmark. Auf den benachbarten Weiden, grasen Lübberstedts Milchkühe. 80 Stück plus Nachzucht hält die Familie. Weil die Milchpreise so niedrig sind, macht Margit Lübberstedt Eis. Um wenigstens einen Teil der Milch zu veredeln.

„Bauernhof-Eis“ nennt sich das Konzept, das die Firma Ice-Delite für Milch- oder Obstbauern, die ihre Produkte durch Eisherstellung aufwerten möchten, entwickelt hat. Das niederländische Unternehmen unterstützt mit dem Verkauf von Maschinen, Verpackungsmaterial, Etiketten, liefert Know-how und Rezepte.

Wer sich entschließt, mit Bauernhof-Eis zusammen zu arbeiten, genießt Gebietsschutz. Die dem Hof Lübberstedt nächstgelegenen bäuerlichen Produzenten finden sich in der Nähe von Verden, Bad Bramstedt oder Lübeck. „Aber Interessenten werden immer mehr, da viele über ein zweites Standbein nachdenken“, weiß Margit Lübberstedt.

Sie hat sich vor einigen Jahren bei einer landwirtschaftlichen Messe vom Konzept überzeugen lassen. Wie hoch der Aufwand für den Start sein würde, ahnte sie damals freilich nicht. „Produktionsstätte mit Hygieneschleuse, Lager, Verkaufsraum, Toilette – alles mussten wir neu bauen.“

Auch die Eisherstellung war für die gelernte Verwaltungsfachangestellte zunächst nicht einfach, zumal sie zusätzlich den Alltag eines Drei-Generationen-Haushalts zu bewältigen hat. „Anfangs habe ich meist nachts produziert, dann hatte ich wenigstens Ruhe. Und die Beratungshotline von Bauernhof-Eis ist ja rund um die Uhr erreichbar.“

Inzwischen hat sie Routine. Aber weil die Nachfrage so groß ist, ist das Eisgeschäft inzwischen Fulltime-Job für sie. Außer im eigenen Eislädchen sind die kalten Leckereien auch in einigen Restaurants, Cafés und Hofläden der Umgebung zu haben. Ob Milch-Sahne-Eis, Sorbet oder Joghurt-Eis – die Kreationen sind begehrt. Weil sie gut schmecken, weil sie gesund und bekömmlich sind, frei von Konservierungsstoffen, künstlichen Aromen und Geschmacksverstärkern.

Im Angebot sind Töpfe mit 100 oder 500 Millilitern Inhalt. Auf Bestellung stellt Margit Lübberstedt auch größere Gebinde, Eistorten, Eisgebäck oder Eisbomben her. Abzuholen ist die Ware vom Kunden. Nur Hochzeitstorten werden im näheren Umkreis angeliefert - auch zum Mitternachtsbuffet.

Längst bieten die Lübberstedts ihre eiskalte Verführung auch bei öffentlichen Veranstaltungen, privaten oder betrieblichen Feiern an. Mit mittlerweile zwei Eiswagen sind sie in der näheren und weiteren Umgebung unterwegs. Margit, ihr Mann Jürgen und die Kinder Karin und Niko wechseln sich beim Außendienst ab.

Die 25-jährige Karin möchte Lehrerin werden, hilft ihrer Familie aber gern, soweit ihr Studium das zulässt. Ihr jüngerer Bruder hat gerade seine Ausbildung zum Agrarbetriebswirt abgeschlossen und setzt nach längerer Abwesenheit nun wieder seine Kraft auf dem elterlichen Hof ein.

Margit Lübberstedts Angebot und damit ihr Arbeitspensum erweitern sich. Gerade hat sie eine Fortbildung absolviert und stellt nun auch Joghurt her. Die entsprechenden Kulturen und Fruchtzubereitungen bezieht sie aus der Nachbarschaft, vom Käsereibedarf Jürgensen mit Sitz in Luhmühlen. Für den Kirsch-Trinkjoghurt kauft sie Echtsaft mit 100 Prozent Fruchtanteil von einer befreundeten Kirschmanufaktur. „Super lecker. Ein echter Renner bei uns“, schwärmt Karin Lübberstedt.

Margit Lübberstedt hat schon erwogen, auch Bohnenkaffee und Kuchen anzubieten, sich aber nach reiflicher Überlegung dagegen entschieden. „Ein richtiges Café zu führen, schaffe ich zeitlich nicht. Ich bräuchte wesentlich mehr Personal. Außerdem müssten wir nochmals bauen. Dafür bekommen wir hier im Außenbereich aber nur schwer eine Genehmigung. Schon für die Eisproduktion haben wir den ehemaligen Unterstand für Maschinen und Anhänger umbauen müssen.“

Vor ihrem Eisladen hat sie ein Tischchen mit Sonnenschirm aufgestellt. Auch unter den Bäumen des Obstgartens gibt es Sitzgelegenheiten im Schatten. Hier kann man es sich auf Kissen bequem machen, grasenden Kühe beobachten und Eis schlecken. Ein außergewöhnlicher Genuss ist die goldgelb-weiß gestreifte Sorte. Heidehonigeis mit Limettensorbet. Herbe Süße verschmilzt mit säuerlichem Zitrus-Aroma. Eine himmlische Kombination.

Hof Lübberstedt, Am Waldbad 10, Salzhausen, Tel: 04172/9614 35, www.hof-luebberstedt.deÖffnungszeiten Eisladen: April-Oktober: freitags, sonnabends 9- 18, sonntags 13-18 Uhr. Kugeleis: Freitag bis Sonntag und feiertags ab 13Uhr. Oktober bis März: freitags 9- 17, sonnabends 9-14 Uhr, kein Kugeleisverkauf Kulinarischer Bauernhof „Kulinarischer Bauernhof“ ist eine von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen angemeldete Marke, die dem Verbraucher das Erkennen „echter“ Bauernhofcafés erleichtern soll. Ein Kulinarischer Bauernhof kombiniert Landwirtschaft mit Gastronomie und stellt dabei einen großen Teil des Angebotes selbst her.


Zutaten sollten möglichst vom eigenen Betrieb, benachbarten Höfen oder kleinen Handwerksbetrieben aus der Region stammen. In der Lüneburger Heide wurden bisher sechs Betriebe mit dem Gütesiegel ausgezeichnet.