Harburg
Francop

Der Schlickhügel wird zur Parkanlage

Auf wenigen Hektar muss die Deponie-Oberfläche noch hergerichtet werden

Auf wenigen Hektar muss die Deponie-Oberfläche noch hergerichtet werden

Foto: Angelika Hillmer / HA

1991 startete der Deponiebetrieb in Francop. Jetzt ist die Einlagerung beendet. Nach Stilllegung soll das Gelände geöffnet werden.

Francop.  Margeriten und violette Flockenblumen wiegen sich im warmen Sommerwind, ein Schmetterling fliegt über die blühende Wiese nahe des Ufers der Alten Süderelbe. Unweit von dieser Idylle verschieben Bagger und Planierraupen Sandmassen über eine Großbaustelle.

Der Schlickhügel Francop, eine von zwei Hamburger Deponien für mit Schadstoffen belasteten Hafenschlick, hat zwei Gesichter. Doch das Ende der Baggerarbeiten ist absehbar: Die Deponie ist gefüllt und wird nun nach und nach zum Naherholungsgebiet.

Knapp neun Millionen Kubikmeter getrockneter Schlick haben hier ihre letzte Ruhe gefunden, Fachleute sprechen von METHA-Material. Denn ohne METHA wäre der grüne Hügel südlich von Finkenwerder nicht entstanden. Das Akronym steht für Mechanische Trennung von Hafensedimenten.

In einem großtechnischen Verfahren wird das Baggergut, das aufgrund seiner Schadstoffbelastung nicht zur Nordsee geschippert oder vor Wedel abgelagert werden kann, in vier Fraktionen getrennt: Grobgut (Steine, Hölzer etc.), Sand, Feinsand und Schlick. Da sich Schadstoffe zu rund 90 Prozent am Schlick anlagern, muss nur er als Abfall deponiert werden. Nach einem Trocknungsprozess landet – je nach Baggergut – etwa ein Drittel des Ausgangsmaterials auf dem Schlickhügel.

Am Schlickhügel wurde länger gebaut als zunächst geplant

„Die METHA-Anlage mit der anschließenden Deponie war die technische Lösung der Schadstoffproblematik Ende der 1970er/Anfang 1980er Jahre“, sagt Henrich Röper. Er ist bei der Hafenverwaltung HPA (Hamburg Port Authority) für Strategien rund um die Instandhaltung der Wassertiefen zuständig.

„Damals waren die Hafensedimente deutlich stärker belastet als heute. Die Schadstoffe stammten (und stammen noch heute) weit überwiegend aus der Oberelbe: von Industriebetrieben der ehemaligen Tschechoslowakei und aus dem Erzbergbau der DDR.“

Im Laufe der Jahre wurden die Sedimente deutlich sauberer. Das führte dazu, dass am Schlickhügel Francop länger gebaut wird als zunächst geplant – eigentlich sollten schon 2010 erste Spaziergänger den Weitblick vom Containerterminal Altenwerder bis zum Airbus-Gelände genießen können.

Etwa bis zur Jahrtausendwende lief METHA auf Hochtouren, wurde mehrfach erweitert auf eine Kapazität von gut 500.000 Tonnen entwässertem Baggergut. Inzwischen sind die Mengen, die an Land behandelt werden müssen, etwa halb so groß. „In der Zukunft rechnen wir mit rund 150.000 Tonnen pro Jahr“, sagt Röper. Der schadstoffhaltige Teil wird im zweiten Hamburger Schlickhügel in Feldhofe (HH-Moorfleet) deponiert.

Das Ausbaggern der Flusssedimente im Hafengebiet mache die Elbe sauberer, betont Röper. Schließlich werden dabei große Mengen Schadstoffe entfernt und fachmännisch an Land beseitigt. Die verzweigten, strömungsarmen Hafengewässer wirken hier wie ein riesiges Absetzbecken: Der Fluss lagert feine Sedimente ab, die er bei höheren Fließgeschwindigkeiten in der Schwebe gehalten hat.

Ilka Carls von der Abteilung Wasserwirtschaft der Umweltbehörde nennt ein Beispiel: „Noch immer transportiert die Elbe eine Tonne Quecksilber Richtung Nordsee. Etwa die Hälfte wird im Hamburger Hafengebiet entnommen und in der METHA behandelt. Das entlastet den Fluss und die Nordsee.“

Dass der schadstoffhaltige Schlick ausgerechnet vor ihrer Haustür aufgetürmt werden soll, stieß in Finkenwerder, Francop und Neuenfelde Ende der 1980er Jahre auf Widerstand. Mehrere Anwohner klagten gegen das Vorhaben. Doch längst ist Gras über die Sache gewachsen. Inzwischen scheint sich das Image des nunmehr grünen Hügels, dessen höchste von drei Erhebungen 38 Meter misst, gewandelt zu haben. „Wir werden immer wieder gefragt, wann denn die Zäune wegkommen und das Gelände betretbar wird“, sagt Röper.

Rehe, Füchse und Hasen besiedeln das Terrain

Tatsächlich wirkt die 95 Hektar große Deponie schon heute weitgehend wie ein Naherholungsgebiet: Zur Alten Süderelbe und entlang der Umgehungsstraße von Finkenwerder wachsen kleine Wäldchen, ebenso in den „Talmulden“. Auf den Hängen wechseln sich mehr oder weniger blühende Wiesen ab mit eingezäunten Bereichen, in denen Gebüsch und Bäume, etwa Birken und Ebereschen, herauswachsen. Der Zaun soll vor Wildverbiss schützen. Schließlich lebt hier bereits ein knappes Dutzend Rehe, dazu Hasen und Füchse.

Während die Wildtiere bereits während des Deponiebetriebs Einzug hielten, müssen sich die Menschen noch etwas gedulden. Röper geht davon aus, dass das geplante Naherholungsgebiet in drei Jahren öffentlich begehbar sein wird: „Zuvor müssen wir Stilllegungsmaßnahmen ergreifen: Schächte sichern, neue Zugänge schaffen, allgemein die Verkehrssicherheit herstellen.“ Darüber hinaus wird über Jahrzehnte Nachsorge betrieben, etwa Sickerwässer behandelt, das Setzungsverhalten überwacht oder das Drainagesystem der Deponie unterhalten.

Der Schickhügel Francop bleibe ein überwachungsbedürftiges Bauwerk, sagt Röper. Ihm wäre es lieber, wenn die Oberlieger an der Elbe mehr für den Schutz des Flusses täten: „Schadstoffe sollten an der Quelle saniert werden und nicht hier in Hamburg.“ So sieht es auch Ilka Carls: „Unser eigentliches Ziel ist unbelastetes Material. Sedimente gehören zum Flusssystem und sollten in ihm belassen werden können.“

Natürlich würde weiterhin das abgelagerte Material entnommen werden müssen, um der Schifffahrt die nötigen Wassertiefen garantieren zu können. Aber es würde dann wieder zu 100 Prozent in der Nordsee oder in der Unterelbe landen – halt per Schiff und damit schneller als auf natürlichem Wege.

Deponieaufbau

Der Schlickhügel basiert auf einem Großteil der Fläche auf alten Spülfeldern. Sie wurden zunächst abgedichtet (mit feinkörnigem Boden). Darauf wurde der getrocknete Hafenschlick abgelagert.

Der Aufbau der Deponie erfolgte Schichtweise: der behandelte, feste Schlick wechselt sich ab mit Sandschichten. Diese sammeln Sickerwasser und leiten dieses in Schächte ab. Von dort gelangt es in eine Anlage, die das Wasser reinigt. Die oberste Schicht wird wiederum mit einer Deckschicht versehen, damit möglichst wenig Wasser in den Baukörper eindringt. Es folgen eine Wurzelsperre und eine 1,20 Meter dicke Bodenschicht für die Pflanzungen.

Gut fünf Prozent des Hamburger Baggerguts ist mit Schadstoffen belastet und muss deshalb an Land behandelt werden.