Harburg
Harburg & Umland

Achterbahn, Duo-Rennen und ganz großes Kino

Auf der Baustelle des Erlebnisbades MidSommerland an der Außenmühle ist bereits die Rotunde, die den Eingangsbereich aufnehmen soll, zu erkennen

Auf der Baustelle des Erlebnisbades MidSommerland an der Außenmühle ist bereits die Rotunde, die den Eingangsbereich aufnehmen soll, zu erkennen

Foto: Hanna Kastendieck

Die Regionalausgabe Harburg & Umland ist 45 Jahre alt geworden. Wir haben nachgeblättert: Was bewegte Harburg im Sommer 1995?

Harburg bekommt sein Cinemaxx. Ende des Jahres soll mit dem Bau des seit etlichen Jahren diskutierten Kinocenters in Harburg begonnen werden. Vorgesehen ist, dass das CinemaXX in Harburg acht Säle mit insgesamt 1700 Plätzen erhält. Eines der acht Kinos soll ein Filmkunsttheater werden. Investiert werden rund 45 Millionen Mark. Fertigstellungstermin: Frühjahr 1997.


Auf dem alten Betriebsgelände der Ölmühle Thörl an der 1. Hafenstraße zerbirst ein Getreidesilo. Erst ist es nur ein kleiner Riss, dann bricht die 20 Zentimeter starke Betonwand des Silos bis in 30 Meter Höhe und in einer Breite von etwa acht Metern auf. Rund 1000 Tonnen Weizen ergießen sich auf die Kaimauer und in den Seehafen 2.


Kein Riesenrad wie in den Vorjahren, dafür dominiert zum 467. Harburger Vogelschießen auf dem Schwarzenberg-Festplatz eine leuchtendrote Achterbahn, mit der es fast ebenso hoch hinaus, dann aber in atemberaubender Schussfahrt wieder in die Tiefe geht. Gildekönig Arthur-Rüdiger Diederichsen eröffnet das Fest Mitte Juni. 125 Mann zählt die Gilde zu diesem Zeitpunkt. Zum Ausmarsch der Schützen kommt sogar Hamburgs Erster Bürgermeister Henning Voscherau - allerdings ohne Jobbe. Am Ende schießt Peter Aldag den Vogel ab.


Nachwuchstalent Sebastian Backes trifft Peter Fleming, den fünffachen Wimbledonsieger im Doppel mit John McEnroe. „Ich möchte auch mal Profi werden und unter die besten zehn in der Weltrangliste kommen“, sagt der 13-Jährige Harburger. Ganz soweit hat er es dann doch nicht geschafft. Backes spielte jahrelang in der Bundesliga Tennis. Heute lebt er in Österreich, spielt dort erfolgreich in einer Herrenmannschaft und arbeitet außerdem als Trainer.


Bei den Deutschen Meisterschaften der Leichtathletik-Senioren in Minden/Westfalen belegen Brigitte Krog, Angelika Bahte, Ursula Jabs und Gisela Mittag vom TSV Eintracht Hittfeld mit der 4x100-Meter-Staffel in der Altersklasse W50 den ersten Platz.


Die erfolgreiche Springreiterin Stephanie Diercks vom RVV Buchholz-Vaensen, Mitglied im Landes- und Bundeskader, wird bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt. Sie ist zusammen mit ihrer Mutter Renate auf dem Rückweg von einem Turnier in Nahrendorf, als ihr Pferdetransporter mit einer Panne liegenbleibt und auf dem Seitenstreifen anhalten muss. Vor den Augen der entsetzten Mutter nähert sich mit rund 100 Kilometern pro Stunde ein Lkw mit Anhänger dem abgestellten Pferdetransporter, schleudert und fährt mit fast unverminderter Geschwindigkeit in den Wagen der Familie. Stephanie Diercks sitzt auf dem Vordersitz des Autos und wird mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus Boberg gebracht. Die Ärzte gehen davon aus, dass Stephanie Diercks von der Hüfte abwärts querschnittsgelähmt bleibt.


Aus für Crossfahrten auf der Elbe. Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann schränkt den Wassersport auf der Elbe ein. Verboten sind nun sogenannte Crossfahrten mit „Wasserscootern“, „Wasserbobs“, „Jetbikes“ oder „Jetski“ im gesamten Unterelbegebiet und in fast allen Abschnitten des Oberlaufs wegen Störungen der Schifffahrt und Erholungssuchender.


Die „Schaarhörn“ fährt wieder. Wie in alten Zeiten dampfte die als Hamburger Renommierdampfer bekannte „DS Schaarhörn“ wieder auf der Elbe. Das Schiff war in den vergangenen fünf Jahren in aufwendiger Restaurierarbeit vom Beschäftigungsträger „Jugend in Arbeit“ restauriert worden.


Widerstand gegen Bauschutt: Die Gemeinde Seevetal will den Bau einer Baustellenabfall-Recyclinganlage in der Kiesgrube der Firma Dörner in Eddelsen nicht ohne weiteres hinnehmen. Hohe Verkehrsbelastungen durch Lkw drohen Hittfeld.


An der Georg-Heyken-Straße beginnt der Bau des Briefzentrums Hamburg-Süd. Betonsäulen ragen bereits in den Himmel. Es soll als Teil des Post-Konzeptes „Brief 2000“ eines von 83 Briefzentren in Deutschland werden. Ziel ist es, Briefe schneller, zuverlässiger und kostengünstiger zu bearbeiten. Heute sind über 1000 Dienststellen notwendig, in fünf Jahren werden es dann 83 sein. Rund 600 Mitarbeiter werden in dem neuen Zentrum, unterstützt durch modernste Briefsortiertechnik, täglich zwischen ein und 2,2 Millionen Sendungen bearbeiten.


Das Projekt Kirchdorf-Mitte/-Nord ist tot. Die Entwicklung des großen Hamburger Siedlungsbauprojekts mit rund 1250 Wohneinheiten am Rande der Autobahn zwischen Kirchdorf-Süd und Deponie Georgswerder, wird von Seiten des Bezirks Harburg nicht mehr weiterverfolgt. Der Bezirk stellt das für die Gestaltung des 70 Hektar großen Wiesengeländes eingeleitete Bebauungsplanverfahren aufgrund zu hoher Erschließungskosten für das Marschgelände ein.


Die Lüneburger Straße, einst Harburg Vorzeige-Einkaufsmeile, droht zu verrotten. Da dem Bezirk die Gelder für die Sanierung fehlen, werden Sponsoren aus der Wirtschaft gesucht. Der Brunnen in der Lüneburger Straße, der schon seit Jahren nicht mehr sprudelt, soll abgerissen, die sogenannten Säuferinseln beseitigt werden.

Das Gelände der ehemaligen Scharnhorstkaserne an der Heimfelder Straße soll an die Hansestadt Hamburg verkauft und an die Gemeinschaft von fünf Wohnungsbauunternehmen weitergegeben werden.
Diese planen den Bau von etwa 650 Wohnungen, Läden und einer Kindertagesstätte. Eine Bürgerinitiative lehnt die Pläne ab, da die Bebauung nicht den Interessen der umliegenden Anwohner entspricht. In der Bezirksversammlung gibt es eine breite Mehrheit. Nur die GAL stimmt dem Planverfahren nicht zu.


In Hittfeld wird das zum Teil baufällige Kortsehlsche Haus abgetragen. Die Balken des historischen Fachwerkhauses sollen gereinigt, in einer Scheune gelagert und später — beim weitgehend originalgetreuen Wiederaufbau am alten Standort — wiederverwendet werden.


Kirchdorf Süd wird 20 Jahre alt. Knapp 6000 Menschen unterschiedlichster Nationen leben in den 2242 Wohneinheiten der zehn bis 13 Stockwerke hohen Häuser. Das Viertel entwickelt sich bald zu den Problemstadtteilen Hamburgs. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, wurden in Kirchdorf-Süd seit Mitte der 80er Jahre viele Projekte in Angriff genommen. So entstanden das Freizeithaus, der Kinderbauernhof und die Skateboard-Bahn.


In Hanstedt stoppt die Bezirksregierung die Expansionspläne. Die Lüneburger Behörde hat die Änderung des Flächennutzungsplanes für den Nordteil der Samtgemeinde nur teilweise genehmigt. Hanstedt wollte damit die Voraussetzungen für die Ausweisung von gut 30 Hektar Wohnbauland in Asendorf, Brackel, Dierkshausen, Marxen und Thieshope schaffen.


Emsen veranstaltet zum vierten Mal das Duo-Rennen auf dem Rübenacker. 30 Fahrer aus allen Teilen Deutschlands waren am Start. Die rasende Dreiräder erreichen mit ihren 3,6 PS immerhin 50 km/h Spitze. Zu DDR-Zeiten knatterten Körperversehrte mit den Fahrzeugen durch den Arbeiter- und Bauernstaat. Nach der Wende konnten sie auf behindertengerecht umgebaute Serienautos umsteigen.


Das Erlebnisbad MidSommerland an der Außenmühle nimmt Formen an. Die Grundrisse der Anlage haben Konturen bekommen. Die große Rotunde, die den Eingangsbereich und einen Gastronomiebetrieb aufnehmen soll, ist zu erkennen, ebenso die Grundmauern des Außenbeckens, des Restaurants und des Technikbereichs.


Der Supersommer beschert den Freibädern im Hamburger Süden reichlich Besucher. Sieben Wochen Sonnenschein gibt es am Stück. Die Schattenseiten der Hitze: Vertrocknete Rüben, zu kleine Maiskolben. Aufgrund der Trockenheit sind die Gartenbauabteilungen des Bezirks mit Tankwagen im Dauereinsatz und wässern junge Straßenbäume.


Lothar Fox ist im Freibad Bendestorf „das Mädchen für alles“. 15 Jahre kümmert sich der 35-Jährige bereits um Becken und Anlage. Jeden Morgen um 6 Uhr absolviert er selbst seine 1000 Meter im Becken. Ab 6.30 Uhr kommen die ersten Badegäste. Übrigens: Lothar Fox ist noch heute, im Jahr 2018, Bademeister in Bendestorf!