Harburg
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Bezahlen ganz ohne Kassen-Personal

Dieser junge Mann wiegt Tomaten auf dem Self-Scanner ab – Wichtig: den Preis für die richtige Sorte eingeben

Dieser junge Mann wiegt Tomaten auf dem Self-Scanner ab – Wichtig: den Preis für die richtige Sorte eingeben

Foto: Laura Kosanke

Marktkauf-Harburg bietet jetzt Self-Scanning-Kassen für kleine Einkäufe bis 15 Produkte an.

Harburg. Marktkauf-Harburg bietet Kunden die Möglichkeit, ihre Artikel an Self-Scannern selber zu kassieren. Bis zu 15 Artikel können an den Selbstbedienungsterminals verbucht werden. Das System ist seit vier Wochen aktiv und verspricht schnellere Einkäufe ohne ausgebildete Kassierer. „Wir wollen mit der Zeit Schritt halten“, sagt der Harburger Marktkauf-Leiter Stefan Warner. Harburg ist die letzte Geschäftsstelle in der Region, die umgestellt wurde.

Ein Testlauf startete schon 2016 in Stade. „Das Self-Scanning ist dort gut angenommen“, sagt Hartmut Holst, Stader Geschäftsleiter. Er sagt: „In der Möbelbranche kommen selbstscannende Kassen sehr gut an, zum Beispiel bei IKEA. Wir bieten es deshalb auch unseren Kunden. Letztlich bleibt ihnen aber die Wahl.“ – Und das bleibt auch so. Kunden können weiterhin wie gewohnt an der Kasse zahlen. Dem Vorwurf, die Scanner sollen nur Personal sparen, tritt Holst entgegen. „Ganz im Gegenteil. Das Kassensystem ist teurer“, sagt Holst. In Stade habe sich der Personalstamm kaum verändert.

In Harburg ist das System noch in der Einführungsphase, sagt Marktkauf-Sprecherin Helene Dahlke. „Bis sich der Gewöhnungseffekt einspielt, braucht jede neue Technik Zeit. Unser Personal ist aber immer vor Ort und kann helfen“, sagt sie. Bislang sei die Resonanz überwiegend positiv. Kassenaufsicht Anja Sehestedt, gleichzeitig stellvertretende Betriebsratvorsitzende und Schwerbehindertenbeauftragte, sagt: „Es wird super gut aufgenommen, vor allem von den Jüngeren. Die brauchen keine Erklärung, lesen sich das durch und es klappt. Älteren Menschen helfen wir.“

Am Self-Scanner erwartet den Kunden ein Bildschirm mit „Willkommen“. Über den Bildschirm wird auch erläutert, wie alles funktioniert. Auf die linke Ablage kommen die Einkäufe, in der Mitte wird Obst oder Gemüse gewogen und gescannt, rechts geht es dann zur Waage, die den Gesamteinkauf mit den eingescannten Artikeln abgleicht. Die Zahlung erfolg bar oder mit Karte.

Was einfach aussieht, erlebt sich schwieriger. Obst und Gemüse muss der richtigen Sorte zugeordnet werden. Ein Kunde hat zum Beispiel versehentlich Fleischtomaten gebucht, obwohl die Sorte im Beutel eine andere ist. Anja Sehestedt klärt den Irrtum auf. „Anfangs gab es ein paar Probleme, aber jetzt nicht mehr.“

Kunden sollten vermeiden, die Wiegeflächen als Ablage für den Rucksack zu benutzen. Dann blinkt eine rote Lampe und schlägt stillen Alarm. Eine akustische Sperre tritt bei Alkohol und anderen Produkte mit Altersbeschränkung ein, weil ein Mitarbeiter kommen und den Einkauf freigeben muss.

Für die Bezahlung mit Karte oder Bargeld gibt es unterschiedliche Schlitze. Kunden sollten sich genau ansehen, welchen Schlitz sie nutzen wollen und sich im Zweifel Hilfe holen. Doch auch wenn das Geld im falschen Schlitz verschwindet, ist es nicht weg. Mitarbeiter können die Maschine auseinander bauen und neu starten.

Wichtig ist, den Kassenzettel, den der Automat auswirft, mitzunehmen. Der Strichcode auf dem Zettel ist nötig, um den Markt wieder zu verlassen. Ohne den Code schwingt das Tor am Ende des Self-Service nicht auf. Mitarbeiter helfen Kunden, wenn der Zettel dann doch weg ist. Mogeln ist übrigens nicht möglich. Sehestedt sagt: „Hier gibt es eine Detektivüberwachung und einen Sicherheitsdienst.“

„Das Self-Scanning ist gut. Es sollte überall angeboten werden. Damit spare ich viel Zeit, weil ich mich nicht mehr in die Schlange am Kassenband einreihen muss“, sagt Tuba Gezer, die zusammen mit Murad Hasan zum ersten Mal ihre Einkäufe im Do-It-Yourself-Style bezahlt hat. Peter Loell nutzt das Kassensystem zum dritten Mal: „Als älterer Mensch habe ich noch ein paar Bedienungsprobleme, aber das ist Gewöhnungssache.“

Seit 50 Jahren

Self-Scanning-Terminals, auch Selbstbedienungskassen genannt, nehmen weniger Platz als herkömmliche Kassen ein. Deshalb können mehr Self-Scanning-Geräte eingerichtet werden, was Kunden längere Wartezeiten spart.

Das Bezahlsystem gibt es schon seit 1966. Neben dem Einscannen des Barcodes mussten Kunden früher noch selbst die Preise in die Selbstbedienungskasse eingeben. Prominent sind heute vor allem die Self-Scanner in Großbritannien, weil sie in allen Städten und auch in vielen ländlichen Gegenden genutzt werden. In Deutschland arbeiten vor allem Märkte wie Real, Familia, Rewe und Kaufland mit der Kasseninnovation.