Harburg
HR-Regional

Hier kommt nichts weg

Aus der Wohnungstür zu treten ist für mich neuerdings wie auf den Basar zu gehen: Schon im Hausflur lauern Dinge, die meine Nachbarn aussortiert haben. Was früher zum Flohmarkt geschleppt wurde oder im Hausmüll gelandet ist, wird jetzt einfach auf den Sims im Flur gelegt. „Zu verschenken!“, steht daneben.

Mal sind es Gläser, Teller oder gar Messer, am nächsten Tag angebrochener Nagellack, enttäuschende Haarspülungen, veralteter Modeschmuck. Selbst angebrochene Gewürze, Saucen oder Liköre werden hier schon mal angeboten. „Hier kommt nichts weg!“ lautet die Botschaft. „Vielleicht gefällt dir ja, was ich nicht mehr gebrauchen kann!“ Oder loswerden will.

Begebe ich mich auf die Straße, wird das Bild vervollkommnet: Bücher, Platten, Videokassetten – alles umsonst. Alte Regale, Fernseher, Waschmaschinen – sie alle warten auf neue Besitzer und sind „zu verschenken!“ – bei Selbstmitnahme. Überfluss aller Orten. Eigentlich unfassbar in einem Land, das sich finanziell kaum in der Lage sieht, die Kosten für Flüchtlinge aufzubringen..

Sperrmüll koste Geld. Verschenken nicht! Auf Flohmarkt hat der Normalbürger von einem gewissen Alter an auch keine Lust mehr. Meistens fängt es an zu regnen, wenn gerade alles aufgebaut ist. Und nun: Dieser wunderschöne, altruistische Trend. Ich gebe zu, es gibt auch positive Aspekte dieser neuen Müllvermeidung. Offizielle Orte, an denen Dinge hinterlegt und getauscht werden. Find ich gut! Aber mit dem angebrochenen Zwiebel-BBQ-Dip meiner Nachbarin kann ich echt nicht anfangen!