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Jesteburg

Gesundheitszentrum feiert Richtfest

 Das neue Gebäude mit dem Dachstuhl aus der Vogelperspektive

Das neue Gebäude mit dem Dachstuhl aus der Vogelperspektive

Foto: Lutz Kastendieck

Das bereits totgesagte Projekt verzeichnet vier Monate vor der Eröffnung eine Vermietungsquote von über 70 Prozent.

Jesteburg.  Das neue Gesundheitszentrum im Mittelpunkt Jesteburgs gilt noch immer als eines der umstrittensten Projekte in der kleinen Seeve-Gemeinde. Allen Unkenrufen zum Trotz feierten die Investoren jetzt dennoch Richtfest für das Wohn- und Geschäftsgebäude an der Hauptstraße 47. „Am Anfang hatte ich schon ziemlich weiche Knie. Doch jetzt ist absehbar, dass sich alle Mühen gelohnt haben. Weil hier ein großartiges Mehrgenerationenhaus entsteht, das die Ortsmitte von Jesteburg über viele Jahre mit prägen wird“, sagte Co-Investor Nicolas Feltgen, ein Augenarzt aus Göttingen.

Noch im Frühjahr vergangenen Jahres hatte es vehemente Forderungen seitens der FDP gegeben, die Gemeinde möge den Verkauf an den Investorenverbund aus vier Familien umgehend rückgängig machen und das Filetstück anderen Interessenten anbieten. Kurz zuvor hatten erst Dr. Petra Leschig und Dr. Katrin Pinninghoff-Buss den Umzug ihrer Gemeinschaftspraxis ins neue Gesundheitszentrum verworfen, wenig später winkte zudem Ole Bernatzki, Chef des hiesigen Pflegedienstes AHD und Initiator des Projekts, ab.

Als die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) dann auch noch mitteilte, ihr sei kein Hausarzt bekannt, der die Neugründung einer Praxis in Jesteburg plane, und für sämtliche fachärztlichen Versorgungsbereiche bestünde im Landkreis Harburg ohnehin eine Niederlassungssperre, war das Projekt nach Ansicht der Liberalen bereits gescheitert.

UWG bleibt hinsichtlichder Nutzung skeptisch

Sollte das neue Gesundheitszentrum dennoch gebaut werden, werde dort wohl wieder nur „ein weiterer Friseursalon, ein Piercingstudio oder ein Spielsalon“ einziehen, ätzte seinerzeit FDP-Samtgemeinderat Frank Gerdes. Überdies könne man sich nur fragen, „wer da wem was schuldig war, oder wer mit wem gern in die Sauna geht, um Geschäftliches zu besprechen“, so Gerdes damals.

Auch die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG Jes!) monierte, von der ursprünglichen Intention des „Masterplans Ortsmitte“, die Clementfläche in einen „transparenten, barrierefreien und lebendigen Ort der Begegnung“ zu verwandeln, sei nicht viel übrig geblieben. „Dafür ist das neue Gesundheitszentrum zu wuchtig, ja monströs in seiner äußeren Anmut und zu schwammig hinsichtlich seines Nutzungskonzepts“, sagte UWG-Chef Hansjörg Siede im Vorjahr. Zumal es praktisch schräg gegenüber ein Ärztehaus mit mehreren Ärzten, Heilpraktikern und Physiotherapeuten gebe.

„An unserer Haltung hat sich prinzipiell nichts geändert“, sagte Siede dem Abendblatt am Rande des Richtfests. Die Skepsis der UWG hinsichtlich der Nutzung der Gewerbeflächen bestehe fort: „Wir wollen doch erst mal sehen, wer da nun wirklich einzieht und ob das Versprechen eines Gesundheitszentrums tatsächlich eingelöst werden kann.“

Davon ist der Architekt und Mitinvestor Axel Brauer überzeugt. Nach dem finalen Innenausbau würden die Praxisräume vom Team des Physiotherapeuten Matthias Abel bezogen, die Apotheke werde künftig von Armin Hecht geführt. „Für die Physiotherapie haben wir den Grundriss extra noch mal modifiziert und mehrere, kleinere Behandlungsräume geschaffen“, so Brauer. Abel wie Hecht würden sich jedenfalls jetzt schon auf die hellen, modernen Räume im Gesundheitszentrum freuen.

Ebenso wie die bereits feststehenden Mieter der 13 Wohnungen mit einer Größe zwischen 70 und 120 Quadratmetern im Ober- und Dachgeschoss. Alle Wohneinheiten verfügen über einen Balkon oder eine Dachterrasse, Fußbodenheizung, Parkettböden, moderne Bäder mit begehbaren Duschen sowie hochwertige offene Küchenbereiche.

Doch nicht nur innen präsentiere sich der 42 x 28 Meter umfassende Bau licht und großzügig. „Das Gebäude zeichnet sich durch eine klassische Linienführung mit Arkadengängen aus, die Kubatur greift vorhandene Elemente der ortsbildprägenden Bauweise auf“, kontert Brauer den Vorwurf einer zu massiven Bebauung des Areals.

Zudem sei die Fassade mit einem in sich changierenden rot-bunten Brandstein verklinkert, der aus einer kleinen Manufaktur nahe Mönchengladbach stamme. „Damit fügt sich der Bau harmonisch in die vorhandene Bebauung ein“, so Brauer.

Ein markantes Markenzeichen ist der aus Sandstein gehauene Schlussstein der Künstlerin Hella Meyer-Alber, der den Portikus krönt. Wer genau hinschaut, erkennt dort die für die Anlage „Hof & Gut“ typische Tulpe. Ein Querverweis des Familienverbunds CoBraFe GbR, die in den vergangenen Jahren bereits das weitläufige Gelände rund um den ehemaligen Bauernhof in Itzenbüttel erfolgreich entwickelt hat.

Das Gesundheitzszentrum in Zahlen

2014 wurde die Idee von Ole Bernatzki im Gemeinderat erstmals diskutiert. 2015 erhielt die CoBraFe GbR den Zuschlag. Baustart war Mitte 2017.

5,5 Millionen Euro sind für Planung und Bau des Gesundheitszentrums veranschlagt.

70 Prozent der insgesamt 1800 Quadratmeter Gewerbe- und Wohnflächen sind bereits vergeben.

11,20 Meter beträgt die Firsthöhe des Gebäudes. Das Untergeschoss bietet 17 Parkplätze, 28 im Außenbereich.

Weitere Infos zum Projekt Gesundheitszentrum unter www.hauptstrasse47.de.