Harburg
Landkreis Harburg

Mit dem Porsche-Trecker zum Fußballgolf

„Bei uns kann man Golf spielen und Porsche fahren“, scherzt Günter Rühe. Sein Porsche mit Mähbalken aus dem Jahr 1960 funktioniert noch tadellos.

„Bei uns kann man Golf spielen und Porsche fahren“, scherzt Günter Rühe. Sein Porsche mit Mähbalken aus dem Jahr 1960 funktioniert noch tadellos.

Foto: martina berliner / Martina Berliner

Das Abendblatt stellt Bauernhöfe vor, die besondere Angebote machen. Heute: Hof Menke in Hanstedt mit Fußballgolf zum Vergnügen.

Wer heimlich Marihuana raucht, sollte eine Begegnung mit Günter Rühe vermeiden. „Ich rieche Cannabis sofort, selbst auf größere Entfernung“, sagt der Diplom-Agraringenieur. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Ist kein Wunder, dass ich diesbezüglich sensibilisiert bin. Ich habe den Duft ja fast täglich in der Nase.“ Denn unweit seines Hauses wächst Hanf auf einem Feld. Von dort zieht der Geruch insbesondere an lauen Sommerabenden bis zum Hof Menke.

Die Hofstelle besteht seit 500 Jahren und umfasst 40 Hektar Grünland, 40 Hektar Ackerfläche und 40 Hektar Wald. Nur das prächtige Gebäude im Zentrum Hanstedts, der Geidenhof, gehört nicht mehr dazu. Im Zuge der Aussiedlungen von Bauernhöfen wurde das Gebäude an die Gemeinde verkauft.

Günter Rühe und seine Frau Kathrin Menke-Rühe leben seit drei Jahrzehnten am Ortsrand. Und jetzt direkt gegenüber vom Hanffeld. Natürlich dient die Cannabis-Plantage unter freiem Himmel nicht der Produktion von Marihuana. Es handelt sich um Nutzhanf ohne Rauschwirkung. „Trotzdem ist das Mitnehmen von Pflanzen oder Pflanzenteilen strengstens verboten und stellt einen Strafbestand dar“, erklärt Günter Rühe.

Der Nutzhanf ist eine alte, fast in Vergessenheit geratene Kulturpflanze mit vielen positiven Eigenschaften für Natur, Mensch und Landwirtschaft. „Hanf wächst anfangs sehr stark und setzt sich deshalb gegen Unkräuter durch. Man muss also keine Herbizide spritzen. Die Wurzel der Hanfpflanze ist sehr groß und hinterlässt daher viel Biomasse auf dem Feld, was zu vermehrtem Humusaufbau führt und zur Kohlenstofffixierung beiträgt“, erklärt der Agraringenieur. Allerdings ist die Pflanze empfindlich, was den Wasserhaushalt angeht.

Sowohl zu viel Nässe als auch zu große Trockenheit setzen ihr erheblich zu. „Im letzten Jahr hat die Ernte nicht gelohnt, weil es zu feucht war. Dieses Jahr wird der Hanf ebenfalls stehen bleiben müssen, weil wir viel zu wenig Regen hatten. Aber immerhin wird das Feld im Winter dank der Körner ein Vogelparadies sein“, tröstet sich Rühe. Eine Fülle von Hanfprodukten – die Palette reicht von Hanföl bis Hanfbier – ist dennoch in Menkes Hofladen zu haben. Nur stammen sie eben nicht aus eigener Produktion.

Um die 2,5 Hektar große Hanfplantage werbewirksam zu nutzen, hat Günter Rühe ein Labyrinth daraus gemacht, wie schon in den Vorjahren. Etwa einen Kilometer lang ist der verschlungene Weg durch die Pflanzen mit den schönen handförmigen Blättern. Sackgassen und Kreise machen die Durchquerung des Felds spannend, besonders für Kinder. Kleine Leute zahlen einen Euro für den Orientierungslauf, Erwachsene das Doppelte.

Zum selben Preis kann man bei Menke auch Fußballgolf spielen. „Das funktioniert ähnlich wie Minigolf, nur ohne Schläger und mit großem Ball“, erklärt Günter Rühe. Auf neun unterschiedlich gestalteten Bahnen gilt es, mit möglichst wenigen Schüssen den Fußball ins Loch zu befördern. Ein besonders bei Kindergeburtstagen beliebter Wettbewerb. Eine Fasshütte zum Spielen und Picknicken steht gleich nebenan. „Die Ideen für all diese Aktivitäten hatte meine Tochter Esther“, bekennt Günter Rühe.

Die 28-Jährige gelernte Designerin absolviert zurzeit ihr Masterstudium der Landwirtschaft in Wien. Sie gestaltet die Homepage des elterlichen Hofes. Und die kreative junge Frau war es auch, die den Einfall für eine neue Vermarktungsstrategie von Kartoffeln hatte. Esther erfand die „Heideknolle“. Dabei handelt es sich um Kartoffeln vom Bauernhof Menke und vom Kooperationspartner, dem Kartoffelhof Maack in Lindhorst.

„Der Geschmack von Kartoffeln hängt weniger von der Sorte als vom Boden und der Düngung ab“, sagt Rühe, der seine Diplomarbeit über Kartoffeln geschrieben hat. „Wir düngen unsere Kartoffeläcker nur sehr verhalten. Das schmälert zwar die Ernte, kommt aber dem Aroma zugute.“

Von Hand sortiert und lose in Tüten verpackt werden die Heideknollen ausschließlich in kleinen Mengen zu 1,5 oder 4 Kilo in der unmittelbaren Umgebung angeboten: In Menkes Hofladen sowie Supermärkten in Hanstedt, Meckelfeld, Holm-Seppensen und Ramelsloh. „Die Henkeltaschen gehen weg wie warme Semmeln. Denn im Gegensatz zu Netzen rieselt aus den Tüten nichts heraus. Weder auf dem Laufband an der Kasse, noch beim Einladen ins Auto oder zu Hause in der Küche.“

Eierproduktion bildet ein weiteres Standbein des Betriebs. Bis zu 4000 Hennen leben in Freiland- und Bodenhaltung auf dem Hof Menke. In der sommerlichen Ferienzeit seien es wegen der geringeren Nachfrage nur halb so viele, erklärt Günter Rühe. Die Eier werden im Hofladen verkauft oder an Hotels und Gaststätten in der Region geliefert.

Jeden Abend sorgt Rühe mit Hilfe von Schäferhund-Mischling „Rocky“ dafür, dass alle Hühner für die Nacht im sicheren Stall verschwinden. Dann setzt er sich noch einen Augenblick auf die Bank vor dem Hof, um den würzigen Hanfgeruch zu schnuppern.

Bauernhof Menke, Ohe Weg 2, Hanstedt, Tel.: 04184/7116, www.bauernhof-menke.de Öffnungszeiten: montags bis freitags: 9-12.30 und 14.30-18, sonnabends: 9-13 Uhr. Die Fußballgolfanlage und das Hanflabyrinth sind in der Mittagspause und Wochenende geöffnet. Hanf Hanf, botanischer Name Cannabis, zählt zu den ältesten Nutzpflanzen der Erde und spielt sowohl als nachwachsender Rohstoff für Textilindustrie und Bauwirtschaft als auch als wichtiges Arznei- und Rauschmittel eine Rolle.


Die Samen sind wegen ihres Gehalts an Protein und Omega-3-Fettsäuren als gesundes Nahrungsmittel begehrt. Man kann auch Speiseöl daraus herstellen. Die stabilen Fasern der Stängel eignen sich für die Produktion von Tauen und Textilien. Aus getrockneten Blättern wird Tee gemacht, aus Blüten und Blütenständen Marihuana gewonnen.