Harburg
Unglück in Harburg

Ärzte kämpfen nach Badeunfall um das Leben einer 17-Jährigen

Die Ärzte und Sanitäter versuchten schon am See mehr als eine halbe Stunde lang, die junge Frau zu reanimieren

Die Ärzte und Sanitäter versuchten schon am See mehr als eine halbe Stunde lang, die junge Frau zu reanimieren

Foto: Joto / JOTO

Eine junge Frau trieb im Neuländer See in vier Meter Tiefe. Sie schwebt in Lebensgefahr. Der See in Harburg ist tückisch.

Neuland.  Eine 17 Jahre alte Frau schwebt nach einem Badeunfall im Neuländer See am Freitagabend immer noch in Lebensgefahr. Die behandelnden Ärzte im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) kämpften das gesamten Wochenende um das Leben der Jugendlichen. Aus Polizeikreisen hieß es am Sonnabend, dass der Kreislauf der Verunglückten stabilisiert worden sei. Seitdem halten sich die Ärzte jedoch mit Informationen zum Gesundheitszustand zurück.

Die 17-Jährige war am Freitagabend gegen 19.20 Uhr zusammen mit ihrer kleinen Schwester (3) in den Baggersee am Fünfhausener Landweg gegangen, um sich bei heißen Temperaturen abzukühlen. Plötzlich verschwand eine der beiden. Andere Badegäste sprangen ins Wasser, um zu helfen. Mehrere Notrufe gingen bei der Rettungsleitstelle ein. Alle Anrufer sprachen davon, dass ein Kleinkind untergegangen sei.

Feuerwehrleute der nur vier Fahrminuten entfernten Wache, Polizei und ein Rettungshubschrauber machten sich auf den Weg zur Liegewiese am Neuländer See. „Ein Polizist hat uns sofort angerufen, weil wir ein Boot haben“, sagt Siegfried Weckler von der Wasserskianlage am Neuländer See. Die Wasserskianlage liegt nur etwa 200 Meter Luftlinie entfernt. Mitarbeiter seien sofort mit mehreren Gästen in dem Boot zur anderen Uferseite gefahren. „Dort haben wir nach dem Mädchen gesucht“, sagt Weckler.

Feuerwehrtaucher entdeckten junge Frau schnell

Wenig später trafen auch die ersten Streifenpolizisten an der Liegewiese ein. Sie gingen sofort mit Rettungswesten in den See. Anschließend wurden sie von Feuerwehrleuten unterstützt. Die Beamten konnten sich jedoch nur im begehbaren Bereich bis zu einer Abrisskante bewegen. Danach ist das Gewässer bis zu 20 Meter tief ausgebaggert. Genau an dieser Abrisskante vermuteten Badegäste den Unglücksort. Mit dem Boot markieren die Mitarbeiter diese Stelle, bis die ersten Feuerwehrtaucher aus Billstedt ins Wasser gingen. Die Taucher machten schließlich innerhalb von drei Minuten aufgrund der genauen Zeugenangaben eine leblose Person nahe der Abrisskante in etwa vier Meter tiefem Wasser aus.

Dabei handelte es sich jedoch nicht um das vermisste Kleinkind sondern um ihre 17-jährige Schwester. Ein Taucher brachte die Jugendliche an Land. Dort wurde das Opfer vom Rettungsdienst reanimiert und beatmet. In einem Rettungswagen kämpfte der mit dem Helikopter eingeflogene Notarzt zusammen mit Sanitätern mehr als eine halbe Stunde lang um das Leben der Verunglückten. Dabei setzten sie auch die mechanische Reanimationshilfe „Lucas“ ein. Die beiden Polizisten, die zuerst im Wasser waren, brachten den Rettungswagen schließlich mit einer Polizeieskorte zum UKE.

Die vermisste Dreijährige war inzwischen wieder alleine an Land gekommen und bei ihrer Familie. Die afghanischen Familienmitglieder saßen auf der Liegewiese am See und mussten das Unglück mit ansehen. Sie wurden im Anschluss von einem Notfallseelsorger betreut. Auch die Rettungskräfte wurden nach dem Einsatz von Seelsorgern unterstützt.

Warum der Neuländer See so gefährlich ist

Wie der Badeunfall genau geschah, ist derzeit noch unklar. Der Neuländer See ist aufgrund seiner tiefen Stellen und der daraus resultierenden gefährlichen Unterwasserströmung nicht als Badestelle ausgewiesen. Darauf weisen an der Liegewiese zwei Hinweisschilder hin, wovon jedoch eines mit Stickern überklebt und deshalb nur schwer lesbar ist.

Das Verbot wird allerdings von vielen Menschen ignoriert. Gerade bei hochsommerlichen Temperaturen gehen viele Leute schwimmen. So sind auch zwei Tage nach dem Unglück wieder viele Menschen im Wasser. „Die Liegewiese lädt einfach dazu ein, sich im Wasser abzukühlen“, sagte ein Badegast. Das Wasser sehe überhaupt nicht gefährlich aus.

Doch das trügt. „Die Gefahr bei Baggerseen ist, das es sehr flach reingeht. Dahinter kommt aber eine nicht sichtbare Abrisskante, wo es mehrere Meter in die Tiefe geht“, sagt Feuerwehreinsatzleiter Thorsten Grundlach. Diese Gefahr würden viele Leute unterschätzen und selbst Kleinkinder unbeaufsichtigt ins Wasser lassen.

Am Neuländer See gab es in den vergangenen 15 Jahren keine dramatischen Badeunfälle. Wegen der drohenden Gefahr trägt aber beispielsweise bei der Wasserskianlage auf der anderen Uferseite jeder eine Schwimmweste. Eine offizelle Badestelle im Freien gibt es in Harburg nicht. Für den Neuländer Baggersee wurde 2009 eine Machbarkeitsstudie für eine Badestelle in Auftrag gegeben. Das Projekt wurde aber aus Kostengründen nicht weiterverfolgt.