Harburg
Rosengarten

Bürger und Verwaltung streiten um Abwasserentsorgung

Rosengarten Bürgermeister Dirk Seidler, hier auf der Baustelle des neuen Rathauses der Gemeinde, ist für den Bau eines zentralen Abwasserkanals

Rosengarten Bürgermeister Dirk Seidler, hier auf der Baustelle des neuen Rathauses der Gemeinde, ist für den Bau eines zentralen Abwasserkanals

Foto: HA

Siedlung in Langenrehmmüsste einen zentralen Kanal bekommen – doch das ist teuer und die Anwohner protestieren.

Langenrehm.  Noch immer ist unklar, wie das Abwasser in der Siedlung Hamboken und Am Gannaberg in Emsen-Langenrehm künftig entsorgt werden soll. Die existierende Sammelkläranlage ist marode. In der Kläranlage, die aus den 70er-Jahren stammt, werden die zulässigen Grenzwerte regelmäßig überschritten. So kritisiert etwa der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz schon seit Jahren, dass die Stickstoffwerte zu hoch sind. Daher gab es seitens des Landkreises Harburg und der Gemeinde Rosengarten Überlegungen, die Einwohner der Siedlung ans Kanalnetz anzuschließen.

Doch darauf reagierten zahlreiche Bürger verärgert, weil dadurch Kosten von mehreren tausend Euro Kosten auf sie zukommen. Die Mehrheit der Anwohner pochte darauf, eine neue Sammelkläranlage zu bauen. Inzwischen ist aber klar: Die Verhandlungen mit einer Erbengemeinschaft, deren Grundstück dafür in Frage gekommen wäre, sind gescheitert. „Die Eigentümer haben abgelehnt“, sagte Rosengartens Bürgermeister Dirk Seidler.

Die Landkreisverwaltung hat jetzt mögliche Alternativen zur Entsorgung des Abwassers entwickelt. Danach könnten in der einen Variante lediglich die Anwohner der Siedlung Am Hamboken, die zurzeit an der alten Sammelkläranlage angeschlossen sind, einen Kanal bekommen. Diese Lösung ist deutlich kleiner als die Variante B, die vorsieht, dass das gesamte Gebiet einen Kanalanschluss erhalten soll. Dagegen hatten jedoch Bewohner von privaten Stichwegen wie etwa dem Talweg vehement protestiert. Ein Kanalanschluss wird für sie besonders teuer, da sie die Kosten für eine zusätzliche private Schmutzwasserleitung tragen müssten. Denn der Kanal wird nur an öffentlichen Straßen gebaut.

Dadurch können Kosten in Höhe von 10.000 Euro und mehr für die betroffenen Haushalte entstehen. Um den Bewohnern an privaten Stichstraßen entgegen zu kommen, hatte der Landkreis eine dritte Lösung erarbeitet, die den Bau der separaten Schmutzwasserleitung ausklammert. Das heißt: Die erste Häuserzeile der Straßen Am Gannaberg und Finkshagen werden am Kanal angeschlossen. Alle weiteren östlich davon liegenden Gebäude jedoch nicht mehr. Für den Ostteil der Siedlung bleibt es stattdessen dauerhaft bei einer dezentralen Schmutzwasserentsorgung. „Die Lösung für diese Anwohner wird immer eine dezentrale bleiben“, sagte Seidler. Alles, was dort künftig zur Beseitigung vom Schmutzwasser entstehen soll, müssten die Anwohner dann in Eigenregie bauen und eben auch finanzieren.

Das ist nichts, was Seidler empfehlen mag. „Bei den dezentralen Kläranlagen ist unsicher, wie lange sie Bestand haben. Nach 20 bis 30 Jahren müssen auch sie erneuert werden“, sagte der Bürgermeister. Eine neue Anlage kostet zwischen 15.000 Euro und 20.000 Euro. „In Zukunft sind außerdem vielleicht neue Auflagen zu beachten, die heute noch gar nicht bekannt sind.“ Seidler denkt beispielsweise an den erhöhten Nitratgehalt im Wasser. Erst vor wenigen Wochen ging die zu hohe Nitratbelastung in Deutschland laut eines Berichts der EU-Kommission durch die Schlagzeilen.

So wie der Landkreis hält es auch die Gemeindeverwaltung für die beste Lösung, die gesamte Siedlung an den Kanal anzuschließen. „Ich weiß, dass es viel Geld kostet und als Nichtbetroffener habe ich leicht Reden“, sagte Seidler. „Aber langfristig ist das die sinnvollste Lösung.“

Ob das die Anwohner auch so sehen? Die Gemeindeverwaltung hat die Bürger zu ihren favorisierten Modellen der Abwasserbeseitigung befragt. Insgesamt hat die Gemeinde 90 Haushalte angeschrieben. Gefragt wurde, ob nur der Bereich Am Hamboken (Variante A) oder das gesamte Gebiet (Variante B) einen Kanal erhalten oder ob der Bereich Talweg und der Hinterlieger von Am Gannaberg weiterhin dezentral das Abwasser entsorgen soll. Bislang liegt die Rücklaufquote bei 86 Prozent. Die Ergebnisse sollen im Umweltausschuss am Montag, 3. September, vorgestellt werden.